Was meint eigentlich Alice Schwarzer zum Muttertag?

Bald ist es wieder soweit: Wir begehen den höchsten familieninternen Feiertag: Den Muttertag! Muttertag? Darf man da auch mal eine Frage stellen? Wir haben, und zwar Alice Schwarzer. Was hält sie vom Muttertag?

pd

Im Kindergarten lernen die Kinder brav Sprüche, die sich regelmässig auf "Du bisch s'beschti Mami" reimen, und die Blumengeschäfte binden im Akkord ihre schönsten Sträusse. Ist damit alles gesagt? Wir meinen: Nein und haben eine Frau gefragt, die sich ihre eigene Meinung bildet: Alice Schwarzer.

Frau Schwarzer, was halten Sie vom Muttertag?

Im Prinzip finde ich den Muttertag eine Augenwischerei. 364 Tage im Jahr Doppelbelastung - und dann einmal im Jahr Blümchen. Übrigens: Die Amerikaner haben 1914 den "Motherday" erfunden. Zur Freude des Blumenhandels!

Darf man als Feministin Freude am Muttertag haben, oder empfinden Sie das als reaktionär?
Feministin oder keine: Jede Mutter darf sich trotzdem freuen, wenn sie an dem Tag besonders aufmerksam oder gar liebevoll beachtet wird von ihren Kindern! Die Theorie ist ja immer eines, die Praxis ein anderes.

Haben Sie selbst als Kind ihrer Mutter mal etwas zum Muttertag geschenkt?
Nein. Ich bin ja bei den Großeltern aufgewachsen - und die Mutterpflichten hatte eher der Großvater übernommen. Vielleicht hätte ich ihm was schenken sollen...

Wie könnten die Frauen besser geehrt werden als alle Jahre mal wieder als Mutter und Hausfrau?
Ein Dauertraum ist wohl die 50/50-Aufteilung der Familienarbeit zwischen Vater und Mutter. Das wünsche ich den Müttern für die Zukunft.

Frau mit mütterlichem Grossvater
Alice Schwarzer wurde am 3. Dezember 1942 in Wuppertal geboren. Sie wuchs bei ihren Grosseltern auf: Mit einem mütterlichen Grossvater und einer politisch interessierten und intellektuellen Grossmutter, wie sie selber in Interviews sagte. Seit den 1960er-Jahren ist sie eine der bekanntesten Vertreterinnen der europäischen Frauenbewegung. Alice Schwarzer ist Gründerin und Herausgeberin der seit 1977 erscheinenden ZFrauenzeitschrift "Emma"
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Der Muttertag: Eine Erfolgsstory

Mit Herzchen dekorierte Blumensträusse an allen Ecken und in rosa Seidenpapier drapierte Pralinen: Was man heute leicht als clevere Marketing-Masche abtun könnte, hat seinen Ursprung tatsächlich in der Frauenbewegung. "Erfunden" hat den Tag eine Methodistin namens Anna Marie Jarvis im Gedenken an ihre verstorbene Mutter am 12. Mai 1907. In der Folge wurde der Tag einer, an dem allen Müttern Andacht gewidmet werden sollte. Zum ersten Mal als nationaler Feiertag begangen wurde der Muttertag in den USA 1914. Die Idee und Bewegung verbreitete sich schnell. In der Schweiz, die in Fragen der Gleichberechtigung sonst eher nicht zu den Duchmarschiererinnen gehörte, wurde der Tag bereits 1917 eingeführt. Seither wurde der Muttertag vom Blumenhandel gepusht, von den Nationalsozialisten für ihre Ideologie genutzt und vom Kommunismus ignoriert. Heute garantiert er für gute Umsätze - dies, obwohl seine Begürnderin seiner Zeit den Trend zur Kommerzialisierung scharf kritisiert hatte.

Infos zu Alice Schwarzer

www.aliceschwarzer.de

erstellt von Sandra Schweizer Csillany, Interview per Mail