Wunsch: Tiere!

«Ich möchte einen kleinen Hund», steht auf dem Wunschzettel vieler Kinder. Durch die Pflege von Kaninchen, Rennmäusen oder Katzen können Kinder lernen, Verantwortung zu übernehmen. Ein Kauf von Tieren soll jedoch gut überlegt sein, um nicht in einem Fiasko für die Familie und die Tiere zu enden. Zuallererst: Tiere sind kein Geschenk, mit dem man Kinder überrascht.

Für Eltern ist das ein schwieriger Entscheid: Soll man seinem Kind Tiere kaufen? Grundsätzlich fände man das ja gut. Bald reiht sich jedoch ein «aber» ans andere: Aber was ist mit den Ferien? Aber wer mistet aus? Aber was halten die Nachbarn vom Lärm der Wellensittiche?

Beginnen Sie die Überlegungen ganz anders. Katzen werden bis zu 20 Jahre alt. Meerschweinchen bis 10. Ratten aber nur 3. Rechnen Sie diese Jahreszahlen zum Alter Ihres Kindes dazu. In vielen Fällen werden Sie merken: Sie müssen damit rechnen, früher oder später selbst für die Tiere zu sorgen. Beginnen Sie deshalb die Überlegungen bei sich selbst. Wollen Sie Tiere haben?

Es gibt Weiteres zu bedenken: Tiere riechen. Für manche stinken sie. Tiere machen Lärm, Goldhamster auch nachts. Gehege, Futter, Einstreu, Tierarztbehandlungen und mehr kosten Geld. Tiere brauchen täglich Betreuung und das über viele Jahre hinweg. Einen Entscheid für Tiere fällt die Familie am besten gemeinsam. Sprechen Sie mit ihren Kindern all die Punkte an. Und regeln Sie mit ihnen in einem Heimtiervertrag, wer was macht. Wer putzt den Käfig? Wer sorgt für Nachschub von Futter und Wasser? Wer lässt den Wellensittich im Zimmer fliegen? Kinder können nach Anleitung viele dieser Aufgaben übernehmen. Eines sollte aber Elternsache bleiben: Wird das Tier krank, gehen die Eltern mit ihm zum Tierarzt.

Hat man sich für Tiere entschieden, kommt die grosse Frage: Welche Tiere? Kann man die Tiere im Garten haben? Das ist etwa für Meerschweinchen und Kaninchen wichtig. Auch Katzen möchten nach draussen. Wie viel Zeit hat man täglich fürs Tier? Für Hunde braucht man pro Tag mehr als eine Stunde. Sollen die Tiere am Tag oder in der Nacht aktiv sein? Goldhamster sind es nachts und lärmen dann auch. Ist jemand in der Familie allergisch auf Tierhaare? Bei Katzen und Hunden hat man die Haare im ganzen Haus. Ein Tier in einem Gehege wäre da sinnvoller. Bei starken Allergien kann man Fische wählen. Wie lange möchten Sie Tiere? Goldhamster und Ratten werden nur 2 bis 3 Jahre alt. Die meisten Tiere aber können weitaus länger leben. Es gibt viele weitere solcher Fragen. Auf dem Tierschutzportal für Kinder neutierig.ch hat das Bundesamt für Veterinärwesen dazu den Test «Welche Tiere passen zu mir?» aufgeschaltet. Dieser hilft Ihnen bei der Wahl der Tiere.

Bevor Sie sich für ein Tier entscheiden und sowieso bevor Sie es kaufen, informieren Sie sich über die Bedürfnisse. Auf neutierig.ch finden Sie zu Goldhamstern, Meerschweinchen, Wellensittichen, Hunden, Katzen, Rennmäusen, Ratten, Kaninchen und Fischen für Kinder verständliche Texte. Für Erwachsene bietet das BVET die Website tiererichtighalten.ch. Daneben gibt es viele gute Bücher.

Haben Sie Tiere gefunden, die zu Ihrer Familie passen? Sie stehen dann vor der Frage, wo Sie die Tiere kaufen sollen. Dies ist entscheidend. Vermeintliche Schnäppchen können später zu massiven Problemen führen: die Tiere können bissig sein oder krank. Die Folge: hohe Tierarztkosten. Über solche trügerischen Schnäppchen stolpert man im Internet besonders schnell. Ob man nun den Verkäufer über das Internet, über ein Zeitungsinserat oder über einen Tipp aus dem Bekanntenkreis findet: Gehen Sie immer beim Züchter vorbei. Lernen Sie ihn kennen, schauen Sie seine Zucht an. Sie werden schnell merken, ob Sie es mit einem seriösen Züchter zu tun haben. Ein Indiz: Ein seriöser Züchter möchte wissen, wohin seine Tiere kommen. Er löchert Sie mit Fragen. Eine andere gute Möglichkeit ist, die Tiere nicht direkt beim Züchter, sondern beim Zoofachhändler zu kaufen. Verlangen Sie in jedem Fall eine gute Beratung vom Züchter oder vom Zoofachhändler. Die neue Tierschutzgesetzgebung verpflichtet diese, Sie über die Tiere gut zu informieren.

Bevor die Tiere kommen, muss man selbstverständlich für die Einrichtungen sorgen. Vieles lässt sich kaufen. Es kann aber auch Spass machen, selber ein Gehege zu bauen. In Büchern und im Internet sind dazu viele Tipps zu finden. Wichtig dabei ist, dass sich Tiere möglichst nicht verletzen können. Und gehen Sie davon aus, dass alles angeknabbert, angebissen oder angepickt wird. Holz sollte deshalb nicht bemalt sein und Strom gehört nicht in ein Tiergehege. Schliesslich kommen die Tiere endlich ins Haus. Sie freuen sich riesig - und das Tier verkriecht sich sofort im Häuschen oder unter dem Sofa. Geben Sie ihm Zeit. Tiere betrachten jenen als «Freund», der ihnen Futter gibt. Das Füttern ist deshalb eine gute Möglichkeit, um mit dem Tier einen Kontakt aufzubauen.

Tiere sorgfältig in einer Familie aufzunehmen lohnt sich. Für Kinder, aber auch für Erwachsene, kann diese Beziehung sehr wichtig sein. Kinder lernen, Rücksicht zu nehmen und verantwortlich zu handeln. Tiere sind eben wirklich keine Spielzeuge. Sie sind nicht nur verletzlicher. Sie geben einem auch viel mehr als die tollsten Kreationen aus Plüsch und Plastik.

Tiere sind keine Spielzeuge
Kinder möchten Tiere streicheln, mit ihnen kuscheln. Das ist durchaus möglich. Diese Beziehung zwischen Kind und Tier sollte aber langsam aufgebaut werden. Man kann damit beginnen, dass das Tier einem aus der Hand frisst. Wichtig ist, nicht dem Tier hinterherzujagen, sondern es kommen zu lassen. Viele tun das mit der Zeit, aber nicht alle! «Tiere sind keine Spielzeuge» bedeutet aber noch mehr: Man soll sie weder weiterverschenken noch kann man sie «entsorgen», wenn man sie nicht mehr möchte.

Tiere sind kein Geschenk
Überraschen Sie nie ein Kind mit einem Tier. Die Freude kann schon beim ersten Putzen des Käfigs vorbei sein. Sie geben dem Kind zudem keine Möglichkeit, sich über die Tiere zu informieren und sich gut zu überlegen, ob ein Tier langfristig Platz hat.

erstellt von Marcel Frank