Kinder verraten Tieren Geheimnisse

Tiere bringen Kindern sehr viel. Davon ist Dennis Turner überzeugt. Er ist Präsident des Instituts für Interdisziplinäre Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung (IEMT).

Was bringen Tiere Kindern?
Tiere sind eine emotionale Stütze. Studien zeigen, dass sie intime Gesprächspartner sind, denen Kinder auch Geheimnisse anvertrauen. Tiere haben keine Vorurteile und das schätzen Kinder. Ganz wichtig ist auch, dass Kinder lernen, Verantwortung zu übernehmen, was bei Tieren sehr gut geht. Interessant sind Studien aus multikulturellen Klassen in Wien. Kamen Hunde in die Klassen, wirkte das stark integrierend und verbesserte die Lernatmosphäre.

Wie viel dürfen Eltern ihren Kindern zutrauen?
Das hängt sehr vom Alter ab. Eltern sollen aber Aufgaben und immer mehr auch Verantwortung abgeben. Bei Kindern unter 8 oder 9 Jahren braucht es stets die Aufsicht der Eltern. Danach können sie etwa fürs frische Wasser verantwortlich sein oder fürs Futter. Bei Hunden mache ich da allerdings eine Einschränkung. Je nach Grösse der Tiere sollte das Füttern Sache der Eltern bleiben. Zum Tierarzt gehen ebenfalls immer die Eltern. Und ich empfehle, auch nur grössere Kinder mitzunehmen.

Wie erklären Eltern, was es bedeutet, ein Tier aufzunehmen?
Tiere sind Lebewesen und keine Objekte. Das verstehen Kinder, wenn man ihnen erklärt, dass auch die Tiere eine Beziehung aufbauen und traurig werden, wenn sie in ein Tierheim kommen. Ein Tier nimmt man deshalb für die gesamte Lebensspanne auf. Über Emotionen können das Kinder besonders gut verstehen. Eltern können aber auch ganz praktisch werden. Mit einem Hund muss man selbst im Regen spazieren gehen. Diese eher mühsamen Seiten kann man durchaus schriftlich festhalten.

Gibt es auch Kinder, denen Sie von Tieren abraten würden?
Es gibt für Familien viele Gründe, auf Tiere zu verzichten, etwa finanzielle. Vor allem bei Katzen sollte man vorab klären, ob die Kinder allergisch sind. Etwa jeder Zwanzigste in der Schweiz ist allergisch. In solchen Fälle rate ich von privater Tierhaltung ab, da die Gefahr zu gross ist, dass die Kinder asthmatische Anfälle entwickeln. Auch bei Kindern mit Verhaltensproblemen wäre ich vorsichtig. Für körperlich behinderte Kinder können Tiere jedoch besonders wertvoll sein. Laut Studien werden Kinder im Rollstuhl, die einen Hund mitführen, viel öfter angesprochen als ohne Hund. Tiere fördern so die soziale Integration.