Hilfe wir haben einen Hund

Lange geplant, und schon ist sie im Haus: die kleine Finja. Die Kooikerhündin bringt eine neue Dynamik ins Familienleben – und lehrt uns so manch Neues. Ein Erfahrungs bericht unserer Autorin, vollgepackt mit Tipps für all jene, die ebenfalls «auf den Hund kommen».

Buddy stürmt los. Direkt in unsere Richtung, genauer, auf die Beine von ihrer Besitzerin zu. Denn da sitzt die kleine Finja, die sich dort noch etwas sicherer fühlt. Mit einem eher gurgelndem Geräusch als einem richtigen Bellen rennt der kleine Bostonterrier auf unsere Hündin los. Diese wirft sich sofort auf den Rücken, die Augen weit geöffnet, der Körper gespannt. Buddy steht jetzt über ihr und beisst sie spielerisch in den Hals. Bald darauf hat sie sich befreit, rast über die Wiese, verfolgt vom Terrier, bis das Rangeln wieder von vorne beginnt. Ähnlich rau geht es auch bei den anderen «Hündchen» zu und her. Zwei Rüden machen sogar mit grobem Geknurre untereinander aus, wer von beiden das Sagen hat.

Wie sieht der denn aus?

So stehen wir also hier, samstagmorgens, inmitten anderer frischgebackener Hundebesitzer, und staunen nicht schlecht, was unsere Hundebabys so alles draufhaben. Das sind ja ganz neue Seiten! Wir werden schlagartig daran erinnert, dass wir einen Nachfahren des Wolfes in unser Familienrudel aufgenommen haben …
Somit sind die Samstage erst einmal verplant mit der «Welpenspielgruppe». Just werden Erinnerungen an die Spielgruppenbesuche mit den eigenen Kindern wach. Und so wie die lieben Kleinen andere Kinder kennenlernen und lernen, sich in einer Gruppe zu sozialisieren, so ist es hier mit den Welpen. Die Vierbeiner lernen zudem die Körpersprache anderer Rassen zu lesen, die ja oftmals ganz anders aussehen als sie selber. Es fällt wirklich schon schwer zu glauben, dass der Bostonterrier Buddy den gleichen Ahnen haben soll wie unser Kooiker Finja!
Was nicht weniger wichtig ist in einem Kurs dieser Art: Auch das «andere Ende der Leine» lernt einiges. Als Erstes zum Beispiel, nicht sofort einzugreifen, wenn es auch wild tönt. Und noch wichtiger, nicht zu streicheln, wenn der Hund ängstlich ist. Die Umsetzung des absolut logischen Ratschlags fällt natürlich nicht nur uns Hundeeltern schwer.
Dass heute sogar die ganze Familie mitkommt, hat noch vor einem guten halben Jahr keiner geglaubt. Da stand noch die Frage im Raum: «Hund: Ja oder nein?» Bald darauf war die Rasse sowie die Züchterin gefunden. So spielt Finja seit gut vier Monaten also die Hauptrolle in unserem Rudel. Obwohl – das Sagen haben wir. Oder besser gesagt, meistens.

Lesen, üben, Fehler machen

Theoretisch wussten wir vor dem Einzug des Hundes schon gut Bescheid. Und konnten bald die Kardinalfehler anderer Hundehalter erkennen. Schliesslich wurden einige Hunderatgeber gewälzt, DVDs des Hundetrainers Martin Rütter ausgeliehen und der Rat von Hundebesitzern eingeholt. Praktisch kamen wir dann doch manchmal recht «auf den Hund». Auch hierbei finden sich Parallelen zur Kindererziehung: Jeder macht es doch irgendwie anders. Ein empfohlener «Acht-Wochen-Trainingsplan» etwa wurde bereits nach der zweiten Woche teils fallengelassen. Nichts für uns und Finja war die Schritt-für-Schritt-Anleitung für «Schau» (Hund soll seinen Mensch ansehen) und «Platz» (Hund soll sich hinlegen). Inzwischen schaut unser Racker immerhin meistens, wenn man ihn beim Namen ruft. Und den Befehl «Platz» lernte Finja auf Rat unseres Hundetrainers Pit auf andere Art schnell und gut. Wer es wissen will: Man kniet dabei auf einem Bein, stellt das andere vorne auf, bietet mit einer Hand ein Leckerli an. Der Hund legt sich automatisch hin, weil er das haben will. Auch wir merken bald: ein Hund lernt das, was man ihm beibringt, oder eben nicht! Macht der Hund Mist, ist immer der Mensch schuld, sei es Hochhüpfen, blöd Herumbellen, an der Leine ziehen, am Tisch betteln, Tieren hinterherjagen etc. Eigentlich ist nichts «rassespezifisch» – das wäre auch zu einfach. Auch Finja hat noch schlechte Angewohnheiten, wie Hochhüpfen beim Begrüssen. Wir wissen aber, auch wenn wir dann ein schlechtes Gewissen haben: Alles ist das Resultat vom eigenem fehlendem Durchhaltevermögen. Kann man auch Faulheit nennen. Oder Unkenntnis. Was auch mit Faulheit zu tun hat, denn es gibt gute Hundeschulen und gute Literatur. Und dann heisst es wieder: Üben, üben, üben, konsequent sein, an einem Strick ziehen. Natürlich trägt auch in unserer Familie fehlende Konsequenz ihre Früchte: Finja hat bereits unser Sofa erobert!

Schläft sie schon durch?

Hatten früher Hundebesitzer behauptet «Ist wie mit einem Kind», dachte man als Mutter oder Vater und vor allem als Nicht-Hundebesitzerin doch so was wie: «Na jaaa, aber …». Nun wissen wir es besser. Denn die Fragen, die auftauchen, ähneln frappant den Fragen, die an junge Eltern gerichtet werden: «Schläft sie schon durch?» und «Ist der Kleine schon stubenrein?». Auch die familieninterne Kommunikation verändert sich: «Wie war die Nacht? Wann musste sie raus?», tönt es morgens, «Wann hat sie gepieselt?» mittags und «Wer geht noch mit dem Hund eine Runde raus?» abends.
Wie das so ist mit einem Baby, braucht auch ein Welpe viel Zeit und Aufmerksamkeit. Das schont Möbel, Schuhe oder Teppiche, sicher aber die eigenen Nerven. Jedenfalls ist dank dauerndem Geputze unser Fussboden so sauber wie nie zuvor. Natürlich ist die Reinlichkeitserziehung eine der grossen Herausforderungen und Geduldsproben. Finja, die mit vier Monaten je nach Begrüssungseuphorie immer noch ein kleines Pfützli hinterlässt, liess uns am Erfolg unserer Bemühungen zweifeln. So ist das regelmässige Hinausbringen des Welpen eine der (gefühlten) Haupttätigkeiten in den ersten Wochen. Manchmal denkt man dann: «Das lernt mein Hund nie!», etwa wenn er sich wieder in Sekundenschnelle hinhockt, sich «löst», wie es so schön heisst. Aber auch das geht irgendwann vorbei! Selbst das Spazierengehen musste in der Familie abgesprochen werden. Ein Welpe sollte nur eine Minute pro Lebenswoche laufen. Daran hielten wir uns natürlich nicht immer. Das ist ohnehin unterschiedlich, denn eine Strecke, die man in fünfzehn Minuten schafft, nimmt anfangs dank aller Ablenkungen leicht das Doppelte an Zeit in Anspruch.
Das Fazit lautet: Die Mühe lohnt sich. Ein Hund ist ein Schmusetier und Begleiter, dessen Erziehung uns immer aufs Neue herausfordern wird. Die Freude, die Zeit sowie das Engagement aller gibt eine neue Dynamik ins Familienleben. Die möchten wir nicht mehr missen.

Die Todessünden der Hundeerziehung

Pit Sohn von der Hundeführschule alpha in Liestal erklärt, was man nicht nur als frischgebackener Hundebesitzerin vermeiden sollte, damit die Erziehung gelingt und das Leben mit dem Vierbeiner auch das ganze Leben lang Freude bereitet (und auch den Nachbarn):

  • Inkonsequenz: Bleiben Sie stattdessen konsequent: Ein Nein ist ein Nein und nicht manchmal ein «Jein» oder ein « Ja, dann halt …»
  • Sozialisierungsmangel: Der Hund muss lernen, sich an unsere Umwelt zu gewöhnen. Wird dies mangelhaft oder gar nicht angegangen, wird die Angst des Hundes zur möglichen Gefahr für den Menschen.
  • Vermenschlichung: Der Hund ist ein Hund und bleibt es auch. Aus Hunde sicht sind wir Teil seines Rudels; der Hund darf nicht als Kind betrachtet werden.
  • Falsche Ausbildungsmethoden: Diese sollten art- und altersgerecht sein. Empfehlenswert ist, sich vor ab Schulen anzusehen – nicht immer ist die Nächste die Beste.
  • Antiautoritäre Er ziehung: Ein Hund braucht Führung, Sicherheit und eine sinnvolle Autorität. Sonst macht er, was er will und nicht, was der Halter will – mit vielleicht schlimmen Folgen für beide Seiten der Leine oder oft auch für Aussenstehende.
  • Keine oder zu wenig Zeit: Ein Hund benötigt Zuwendung und will bei seinem Rudel sein und vom Anführer spielend lernen. Hunde sind hochsoziale Tiere und keine Einzelgänger.
  • Verständnislosigkeit und Ungeduld: Wir müssen Verständnis für den Hund haben, gewisse Verhaltensmuster aus Hundesicht anschauen und verstehen. Hunde denken anders als Menschen. Und: Geduld und nochmal Geduld ist bei der Erziehung eines Hundes wichtig.