Wollen Sie kreativ und innovativ sein?

Das Projekt «Kunst ohne Grenzen – Sinnes- und Ideenwelten» bietet an der Swiss Handicap '14 Chancen und Möglichkeiten kreativ in eigener «Sache» zu werden. Sehen, fühlen, lauschen und spüren, was es bedeutet «selbst» aktiv zu sein, in leichter Sprache im Dialog zu sein sowie teilzuhaben an aktuellen Themen und Tabuthemen.

Tabuthemen sind mit Selbst- und Fremdstigmatisierungen behaftet sowie unangenehmen Gefühlen, wie Peinlichkeit, Scham, Schuld, Verlegenheit, Kränkung, Demütigung, Ekel, Verachtung, Geringschätzung, Neid, Überdruss, Empörung, Zorn, Trauer, Wut, Leid, Furcht, Angst, Abneigung, Freudlosigkeit und einigem mehr. Mit den Gefühlen Freude, Glück, Vergnügen, Behagen, Zufriedenheit, Fröhlichkeit, Verzückung, Gratifikation und Laune haben sie auf den ersten Blick wenig gemeinsam.

Grundsätzlich umfasst menschliches Erleben die Gefühle (Emotionen), Denken, Aufmerksamkeit und Gedächtnis (Kognitionen). Gedanken sind uns selten klar und bewusst als Lebensgefühl, wenn wir im Alltag funktionieren. Wir verhalten uns in der aktuellen Situation, die wir aufsuchen oder in die wir gebracht werden.

Psychische und psychosoziale Störungen betreffen diese Situationen und zwar entweder aufgrund seelischer Prozesse oder aufgrund psychiatrischer, systemischer oder hirnorganischer Erkrankungen. Psychische Störungen können entweder den emotionalen oder den kognitiven Aspekt stärker beeinträchtigen oder in beiden Bereichen gleich stark ausgeprägt sein, was zumeist unsichtbar, verborgen passiert.

Kreatives und künstlerisches Schaffen sind offensichtliche psychosoziale Aktionen (Rössler, Matter 2012), die wir tagtäglich erleben – als aussergewöhnliches und gewöhnliches Verhalten – das wir nach eigenem Geschmack und Interesse bewerten. «Gefällt mir – Gefällt mir nicht» – ein «Like» in leichter Sprache funktioniert schnell im digitalen Raum des Internets. Wir zeigen, dass es in einemzufälligen, aktiven und psychosozialen Miteinander im analogen öffentlichen Raum der Messe möglich ist. Nachzudenken, sprechen und handeln, um emotionale Klarheit im psychosozialen Verhalten zu gewinnen. Welche Bedeutungen haben Geschmack, Ästhetik und Kunst im sozialen Miteinander, wenn psychisch gesundes, gestörtes oder krankes wahrnehmbar ist? Haltungen, Verantwortungen und Meinungen zu «Teilgabe, Teilhabe und Teilnahme» (Partizipation) der Menschen mit psychischer Behinderung werden auf der Podiumsbühne zum Thema «Psychische Gesundheit » besprochen.

Aufrufe zum Handeln
Jede Abweichung des emotionalen oder kognitiven Erlebens ist nicht gleichzusetzen mit einer Störung mit Krankheitswert. Jeder Mensch erlebt über eine kurzeZeit leichte Stimmungsschwankungen, die sich von selbst zurückbilden und von den Betroffenen nicht als Krankheit erlebt werden. Es gibt Menschen, die unter einer schweren emotionalen Belastung depressive oder psychotische Episoden erleben sowie Suizidgedanken entwickeln und anschliessend psychisch stabil weiterleben (Recovery). Der Krankheitsbegriff in der Medizin ist unscharf definiert. Neben einer objektiv feststellbaren Abweichung von einer zuvor definierten Norm spielt daher das individuelle, subjektiv und sozial erlebte Leid des Betroffenen eine Rolle. In den Zusammenhängen zur Gleichstellung und Chancengleichheit der Menschen mit und ohne Behinderung möchten wir gemäss EBGB, UNO-BRK und dem Schweizer Manifest für Public Mental Health mit kreativen, künstlerischen und psychosozialen Aktionen als «Kunst ohne Grenzen» sowie Dialogen als «Sinnes- und Ideenwelten» informieren. Aufrufe zum Handeln, machen Sie mit? Betroffene und Professionelle als Experten präsentieren Aktionen, an denen Sie sich beteiligen können. Mit Inklusivem Denken, Zur-Sprache-Bringen der psychosozialen Erfahrungen in persönlichen Begegnungen, die auf gleicher Augenhöhe möglich sind. Radio loco-motivo www.radiolocomotivo. ch präsentiert in diesem Zusammenhang wie Betroffene, Angehörige und Berufspersonen gemeinsam Radio rund ums Thema Psychiatrie machen. Menschen mit und ohne Behinderung / Beeinträchtigung in sozialen, psychischen, mentalen und körperlichen Belangen gleichermassen zu erreichen, das ist ein breiter Anspruch der Praxis und Wissenschaften im Sozial-, Bildungsund Gesundheitswesens. In der Kunst geht es nicht darum, den vermeintlich geltenden Sprachgebrauch vorzuführen, um Abweichler zur Ordnung oder Norm zu rufen, sondern um das Zeigen der Zusammenhänge im Leben,die als frei in der Praxis und den Wissenschaften gelten. Die Kraft der Kunst (Christoph Menke 2013) und Kreaktivität (Andreas Reckwitz 2012) bieten ein umfassendes Verständnis zu vitalen menschlichen Ausdrucksformen psychischen Erlebens und Verhaltens. Während der Messezeit schaffen wir dauerhafte Ausdrucksformen und Symbole des Erlebens. «Auf der Suche nach der verlorenen Zeit» (Marcel Proust) – ein Korkraum, der als sichtbares Gemeinschaftskunstwerk mit Bildmaterial gestaltet und anschliessend zum Verkauf versteigert wird. Interessante Einblicke zur Aussen- und Innenperspektive werden so sichtbar, die wir als Kulturmenschen selbst schöpfen und ausbalancieren, um psychisch stabil zu bleiben. Qualitäten des Kunst Schaffens bereichern die psychische Gesundheit, wie Petra Stokar, Barbara Sterkman, Chantal Wicki, Alain Wafelmann, Manuel Süess u.a. Ihnen direkt präsentieren. Kunst ist soziale, kreative, künstlerische als auch intellektuelle Praxis, die nach UN- Behindertenrechtskonvention und Kultur (EBGB) gleichstellungsrelevant ist. Die Vertragsstaaten haben ein Übereinkommen zu geeigneten Massnahmen getroffen, um Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit zu geben, ihr kreatives, künstlerisches und intellektuelles Potenzial zu entfalten und zu nutzen, nicht nur für sich selbst, sondern auch zur Bereicherung der Gesellschaft.

Kunst ohne Grenzen
Geeignete Massnahmen präsentiert das Projekt «Kunst ohne Grenzen / Sinnes- und Ideenwelten» mit Leistungen, die häufig noch als randständig gelten, aber jeden Menschen bereichern und vernetzen können. Mit dem Projekt werden diese Qualitäten dauerhaft über einen Zeitraum 2014–2017 in den Fokus gerückt und öffentlich in der einen und anderen Art einem breiten Zielpublikum vermittelt, die zum Verweilen und Genuss der Kunst einladen.

Swiss Handicap '14
28. - 29. November 2014
Messe Luzern

Weitere Infos:www.swiss-handicap.ch

erstellt von Birgit Matter