Achtung: Zecken unterwegs!

Sobald die Frühlingssonne wieder scheint, werden auch die Zecken aktiv. In der Schweiz kann die Zecke – auch Holzbock genannt – gefährliche Krankheiten wie Hirnhautentzündung und Lyme-Borreliose übertragen. Aufpassen lohnt sich also!

Zecken fallen in den kalten Jahreszeiten in eine Winterstarre. Sie werden erst wieder aktiv, wenn die Tage im Frühling länger und wärmer werden, in der Regel ab März/April. Sie werden aktiv, sobald die Temperatur dauerhaft auf 8 Grad steigt. Zecken leben auf hohen Gräsern, in Sträu­chern und Büschen, deshalb kann man beim Gehen durch naturbelassene Gebiete wie Wiesen und Wälder schnell einmal eine Zecke von einem Grashalm abstreifen. Diese kann sich dann auf der Suche nach einem Wirt an ­irgendeiner Körperstelle festsaugen. «Am gefährlichsten sind Nymphen», sagt Dr. Norbert Satz, Spezialist für ­Zeckenkrankheiten und Zürcher Facharzt für Innere ­Medizin. Anders als in der römischen und griechischen Mythologie, wo Nymphen wohltätige Naturgeister darstellten, bezeichnet der Name Nymphe in der Biologie ein Entwicklungsstadium der Zecke: die Stufe zwischen Larve und erwachsener Zecke mit einer Körpergrösse von knapp einem Millimeter. «Das grösste Risiko, sich mit einem ­Zeckenerreger zu infizieren, geht hauptsächlich von diesen Nymphen aus», erklärt Norbert Satz. «Sie sind zehnmal ­gefährlicher als die ausgewachsene Zecke, denn während der Metamorphose zum nächsten Stadium verliert die Nymphe 90 Prozent ihrer Erreger. Die normal grossen Holzböcke von 2,5 bis 4,6 Millimeter Körperlänge sind deshalb weniger gefährlich.» Die Jungzecken sind jedoch nicht nur wegen ihrer grösserer Erregerkonzentration so gefährlich, sondern auch, weil man sie auf dem menschlichen Körper wegen ihrer braunen Farbe kaum sieht. «Weil die Nymphen aussehen wie ein Pigmentfleck, können sie leicht damit verwechselt werden. Eine genaue Selbstuntersuchung nach einem Waldspaziergang oder einer Wiesendurchstreifung ist also sehr wichtig, denn die Bakterien ­einer mit Borrelien infizierten Zeckennymphe nisten sich schon eine halbe bis eine Stunde nach dem Stich in der Haut des Menschen ein.»

Infektionen verhindern

Das Positive: Nicht jede Zecke überträgt Krankheiten. Der Stich einer infizierten Zecke jedoch genügt, den mensch­lichen Körper mit dem gefährlichen Virus, das die Früh­sommer-Meningoenzephalititis (FSME) oder ZeckeHirnhautentzündung überträgt, anzustecken. Ein paar Tage nach dem Stich können dann grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen auftreten. Zwar verschwinden mit etwas Glück die Symptome wieder und die Erkrankung ist glimpflich verlaufen. Allerdings befällt das Virus bei einem Teil der Infizierten das zentrale Nervensystem. Das kann zu Nackensteifheit und im schlimmsten Fall zu bleibenden Schäden wie Lähmungen führen. Bei einer Erkrankung an FSME können nur die Symptome gelindert werden. Deshalb empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit allen Personen, die in Hochrisikogebieten wohnen oder sich dort zeitweise aufhalten, sich gegen FSME impfen zu lassen. Die Impfung gegen FSME sollte so früh wie möglich durchgeführt werden, am besten bereits in der kalten Jahreszeit. Um einen vollständigen Schutz zu erzielen, braucht es drei Teilimpfungen. Die Kosten dafür übernimmt die Grundversicherung der Krankenkasse.

Rasch mit Antibiotika behandeln

«Durch Zecken kann auch die Lyme-Borreliose übertragen werden», erklärt Norbert Satz weiter. «Unbehandelt kann auch das Borreliose-Bakterium zu bleibenden Behinderun­gen führen: Es befällt die Gelenke, das Nervensystem, die Haut und das Herz. Eine Infektion muss schnell erkannt und therapiert werden. Im Gegensatz zur FSME kann die bakteriell bedingte Lyme-Borreliose mit einem Antibio­tikum behandelt werden. Es gibt jedoch keine Impfung ­dagegen. Es ist deshalb sehr wichtig, nach jedem Aufenhalt in der Natur den Körper sorgfältig nach Zecken abzusuchen und sie fachgerecht zu entfernen.»

Schutz vor Zecken

Zecken halten sich in Bodennähe, maximal auf einer Höhe von etwa 80 cm auf. Sie befinden sich nie auf Bäumen. Das Tragen eines Hutes nützt also nichts. Hingegen schützt das Tragen von geschlossenem Schuhwerk und das Bedecken der Beine mit möglichst eng anliegenden Textilien. Achten Sie darauf, dass die Hose in die Socken/Strümpfe gestopft werden. Tragen Sie helle Kleidung, die Zecken sind darauf besser sichtbar. Zeckensprays und Puder sind zusätzliche Massnahmen. Sie wirken jedoch nur kurze Zeit und sind -allgemein angewendet zu wenig zuverlässig. Suchen Sie nach einem Aufenthalt in der Natur den Körper nach Zecken ab (besonders Beine, Arme, Bauchnabel, Kopf, Hals und Ohren).

Eine Zecke sollte möglichst bald entfernt werden. Eine Vorbehandlung mit Gel, Feuer oder Zerquetschen ist unbedingt zu unterlassen, weil dadurch die Erreger erst recht über-tragen werden können. Die Zecke wird idealerweise mit einer Pinzette möglichst hautnah gefasst und durch geraden Zug (nicht drehen) entfernt. Das Zurückbleiben des Stech-apparates in der Wunde ist nicht gefährlich und führt höchstens zu einer harmlosen Fremdkörperreaktion. Die Stichstelle mit Alkohol desinfizieren. Notieren Sie sich das Stichdatum und achten Sie auf allfällige Symptome: Treten Hautrötungen, grippeartige Beschwerden, Schmerzen oder Gelenkschwellungen auf, unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Quelle: zecke.ch

Quellen und Links: www.zecken.ch (hier finden Sie auch eine Karte mit den Risikogebieten in der Schweiz), www.zeckenliga.ch