Tuberculinum - bei erkältungsanfälligen Kindern

Das homöophatische Mittel Tuberculinum wird mit Erfolg bei erkältungsanfälligen Kindern eingesetzt dort wo sich gehäuft Atemwegserkrankungen, Asthma, Allergien oder TB vorfinden.

«Mein Sohn ist zweieinhalb Jahre alt und musste schon sechsmal Antibiotika haben. Dauernd ist er erkältet und jede Erkältung endet in einer Mittelohrentzündung oder einer hartnäckigen Bronchitis. Kann man da mit Homöopathie etwas machen?»

Solche oder ähnliche Anrufe verzweifelter Eltern gehören zum homöopathischen Praxisalltag. Mit dem entsprechenden Konstitutionsmittel, über eine gewisse Zeit verabreicht, kann man in aller Regel solchen Anfälligkeiten gut entgegentreten. Eines der potentesten Mittel für solche Fälle heisst Tuberculinum. Wie immer in der Homöopa-thie müssen die Symptome mit dem Mittelbild, das heisst mit den körperlichen und geistigen Symptomen des Patienten möglichst optimal übereinstimmen. Tuberculinum wird auch gerne und mit Erfolg als Eröffnungsmittel bei erkältungsanfälligen Kindern, in deren Familienhintergrund sich gehäuft Atemwegserkrankungen, Asthma, Allergien und TB vorfinden, eingesetzt.

Tuberculinum-Kinder
Tuberculinum-Babys sind meistens schlank und bei der Geburt untergewichtig. Sie ähneln von ihrem Habitus den bereits beschriebenen Phosphor- resp. Calcium-phosphoricum-Typen. Es handelt sich um zarte, blasse Kinder mit langen feinen Haaren und Wimpern. Oft findet sich postnatal eine auffällige Behaarung entlang der Wirbelsäule. Die Brust ist schmal und der Rücken schwach. Nicht selten entwickeln Tuberculinum-Kinder im Laufe der Jahre eine Skoliose (=Rückgratverkrümmung). Sie haben eine Tendenz zu Anämie und schneller Erschöpfbarkeit. Schon früh sieht man unter den Augen dunkle Ringe.
Trotz Untergewicht hat das Kind dauernd Hunger und muss ständig gestillt werden. Es ist ungeduldig und bricht in wütendes Geschrei aus, wenn es nicht augenblicklich erhält, was es will. Das kann für die Eltern sehr anstrengend sein, zeigt sich doch bereits hier die Reizbarkeit und wütende Impulsivität der späteren Jahre. Ein Tuberculinum-Kind will nicht hingelegt werden und geniesst es, in den Armen der Mutter herumgetragen zu werden. Es will etwas erleben und liebt Bewegung und Abwechslung, am liebsten draussen an der frischen Luft. Intuitiv spüren die Eltern solcher Kinder die beruhigende Wirkung von Spaziergängen. Rund um den Greifensee kann man jedes Wochenende junge Eltern mit Inline-Skates an den Füssen beobachten, die in atemraubendem Tempo, ihre Kinder in geländetüchtigen, dreirädrigen Kinderwagen vor sich herstossend, den See umrunden. Ich bin mir sicher, dass es sich bei der Mehrzahl dieser dabei selig schlummernden Babys oder im Fahrtwind jauchzenden Kleinkinder um Tuberculinum-Kinder handeln muss. Grössere Kinder lieben es, andere zu ärgern und zu provozieren. Sie können lieb und nett im Sandhaufen spielen, um sich plötzlich mit dem ganzen Körper auf die Sandburg des neben ihm spielenden Kindes zu werfen und dessen Bauwerk zu zerstören. Oder die ganze Familie sitzt friedlich am Esstisch und hört zu ,was die kleine Schwester erzählt. Der Tuberculinum-Bruder hält die Idylle nicht aus und beginnt mit der Gabel seine Schwester unter dem Tisch in den Oberschenkel zu pieksen, erst ein bisschen, und weil es so lustig ist, wie die ganze Familie sich ärgert, immer ein bisschen mehr Widerspruchsgeist gehört ebenfalls zum Arzneimittelbild. Das Tuberculinum -Kind verlangt dauernd nach etwas, möglichst etwas anderem als der Rest der Familie, es scheint nie oder nur für kurze Zeit zufrieden zu sein. Es leidet an einer inneren Getriebenheit , welche nur durch Herumtollen im Freien oder auf Ausflügen, welche das Kind liebt, in Schach gehalten werden kann.

Fall aus der Praxis
Felix ist 11-jährig. Seit seinem 4. Lebensjahr leidet er an einem allergischen Asthma, welches durch Pollen und Gräser, vor allem aber durch Tierhaare ausgelöst wird. Auch beim Fussballspielen ist es vereinzelt schon zu Anfällen von Atemnot gekommen. Felix ist für sein Alter gross und wirkt etwas schlaksig. Während der ganzen Konsultation lümmelt er sich betont gelangweilt auf seinem Stuhl und gibt seinem Desinteresse deutlich Ausdruck. Schon nach einigen Minuten fragt er seine Mutter zum ersten Mal, ob man noch lange hier bleiben müsse. Provokativ beginnt er an deren Pulloverärmel einzelne Fäden herauszuzupfen. Nach einigen Ermahnungen rückt die Mutter genervt mit ihrem Stuhl zur Seite. Dabei passiert es, dass der Faden, den der Junge immer noch um seinen Finger gewickelt hält, reisst. Dem Jungen gleitet ein leicht hämisches Grinsen übers Gesicht, und er verkündet, dass das alleine die Schuld der Mutter sei, wäre sie am Ort sitzen geblieben, wäre der Pullover noch ganz.
Allein das Beobachten dieser Szene gibt dem versierten Homöopathen schon eine ganze Menge an Informationen, und das anschliessende Gespräch bestätigt es. Felix ist vor allem als kleines Kind viel krank gewesen, er hatte viele Erkältungen, wurde im Winter seinen Dauerhusten kaum los. Zweimal litt er an schmerzhaften Mittelohrentzündungen. Seit dem Auftreten des Asthmas ist das etwas in den Hintergrund getreten, allerdings hat er auch heute noch oft einen Kitzelreiz im Hals, was ihn zu einem nervösen Hüsteln zwingt. Nach seinen Hobbys befragt, antwortet die Mutter ohne zu zögern: Draussen spielen oder seine Schwestern ärgern. Als die Mutter noch erwähnt, dass Felix starke Wutanfälle habe und es schon mal vorkomme, dass er sich dabei auf den Boden werfe und mit dem Kopf auf den Boden schlage, um zu erreichen, was er wolle, ist mir die Diagnose vollends klar: Er bekommt eine Doppeldosis Tuberculinum C200. 

Indikationen
Kopf: Starke Kopfbehaarung bei Geburt. Kopfschweiss. Kopfschmerzen.
Ohren: Neigung zu Ohrenentzündungen.
Nase: Neigung zu Nasenbluten. Schnupfenanfälligkeit. Heuschnupfen
Hals: Häufige Mandelentzündungen. Vergrösserte Halslymphknoten.
Brust: Rezidivierende Infektionen der Atemwege mit hohem Fieber.
Husten: Chronisch, trocken. Lungenentzündung. Allergisches Asthma.
Magen: Reizbarkeit durch Hunger. Isst viel, nimmt aber nicht zu.
Darm: Durchfallneigung
Rücken: Rückenschwäche. Wirbelsäulenverkrümmung.
Extremitäten: Ruhelosigkeit von Beinen und Füssen.
Fieber: Fieber ohne bekannte Ursache.
Schlaf: Unruhiger Schlaf. Zähneknirschen. Nachtschweiss. Bettnässen.

Leitsymptome

  • Bedürfnis nach Abwechslung. Unzufriedenheit. Zornig, wenn das Bedürfnis nach Abwechslung nicht befriedigt wird. Unberechenbar.
  • Angst vor Tieren, insbesondere vor Hunden und Katzen.
  • Rezidivierende Atemwegs-, respektive Hals-Nasen-Ohrenbeschwerden.
  • Reizbare Kinder mit auffallend häufigen Infekten der Atemwege.
  • Verlangen nach Aufenthalt im Freien.
  • Verlangen nach geräuchertem Fleisch, Süssigkeiten und kalter Milch.
  • Schwitzt leicht. Nachtschweiss.

erstellt von Susanne Jahn von Arx