In neun Monaten um die Welt - Teil 3

Expedition Antarktis

9 Monate - 240000 Kilometer - sechs Kontinente - als vierköpfige Familie unterwegs mit sechs Expeditions- und Kreuzfahrtschiffen, im Camper und im Zug rund um den Erdball. Heute gehts in die Antarktis.

Antarktis-Expedition vom 22.12.2008 bis 2.01.2009 mit der «Prince Albert II». Ausgangspunkt unserer Antarktisreise mit der Prince Albert II von Silverseas war Ushuaia am Südzipfel Argentiniens, welches wir mittels Flugzeug von Buenos Aires erreichten. Nach dem zweiwöchigen Aufenthalt in der Riesenmetropole von Buenos Aires stand uns die Durchquerung der 700 Seemeilen langen Drakestrasse (so wird die Wasserstrasse zwischen der Südspitze Südamerikas (Kap Hoorn) und der Nordspitze der antarktischen Halbinsel bezeichnet) bevor.

Es ist kurz vor Weihnachten, wir sind etwas später aufgestanden, weil wir bis tief in die Nacht (welche es hier zu dieser Jahreszeit eigentlich gar nicht gibt) mit dem Ornithologen am Heck des Schiffes Albatrosse beobachtet haben. Es ist höchste Zeit, um zu frühstücken, Frühstück gibts nur noch bis halb zehn. Ich gehe schon einmal vor, um unsere Bestellung aufzugeben und etwas vom Buffet an unseren Tisch zu nehmen. Ich bin überrascht, als ich das Frühstücksbuffet bei nahe unberührt vorfinde. Warum ist fast niemand mehr da? Ich setze mich an den schönsten Tisch mit Ausblick auf die mittlerweile doch recht wild gewordene See, bestelle bei unserem philippinischen Kellner zwei Cappuccinos und hole für die ganze Familie eine kleine Auswahl vom Buffet. Ich spüre, wie sich das Schiff mit den mittlerweile fast 10 m hohen Wellen auf und ab bewegt. Erst jetzt fällt mir auf, dass die Tische und Stühle im Boden verankert sind. Währenddem ich auf meinen Mann und die Kinder vor den vollen Tellern warte, blicke ich auf den Horizont, welcher immer wieder hinter dem Heck des Schiffes verschwindet und wieder hervorkommt. Mittlerweile ist es zehn Uhr und meine Familie ist immer noch nicht da. Na ja, weit können sie ja nicht sein. Ich gebe dem Kellner Bescheid, dass ich kurz auf meine Kabine gehe und nach meiner Familie sehe. Ich versuche mich ohne festzuhalten fortzubewegen, was mir nicht immer gelingt. Ich gehe die Treppe hinunter, die Aufzüge sind aufgrund des Wellengangs gesperrt. Die Prince Albert II ist das einzige Schiff, in welchem wir in getrennten Kabinen übernachten. Unsere zwei Kabinen (ein Familienzimmer konnten wir nicht buchen) haben wir aus Sicherheitsgründen im untersten Passagierdeck (mit Bullauge, ohne Balkon und Fenster zum Öffnen) gewählt, um zu vermeiden, dass die Kinder unbeaufsichtigt auf den Balkon gehen können. Als ich die Kabine der Kinder öffnen will, fällt sie auch gleich wieder zu. Ich öffne die Türe erneut. Alle drei liegen zugedeckt im Bett. «Warum seid ihr immer noch im Bett? Kommt ihr nicht frühstücken?» «Julian hat mehrmals erbrochen und Timon und mir ist speiübel, ich glaube, es wird nichts mit dem Frühstück», tönt es etwas verärgert aus dem Bett. Jetzt wird auch mir langsam klar, ich bin eine der wenigen, die nicht seekrank geworden ist.

Von weiteren Krankheiten wurden wir während unserer ganzen Reise verschont. Einzig in Buenos Aires mussten wir Julian einen Zahn ziehen lassen, und in den USA (Reise im Camper von San Francisco nach New York) gingen wir wegen allergischer Reaktionen auf Flohstiche für einen Untersuch ins Spital. Und ausgerechnet einen Tag vor der Einschiffung auf die MS Europa in Valparaiso bei Santiago de Chile entdeckten wir auf den Köpfen unserer Kinder Läuse, welche wir mit einem Kurzhaarschnitt und einer Shampoo-Kur schon beim ersten Versuch erfolgreich eliminierten.

Es ist der 24. Dezember 2008, die Sonne scheint, es ist fast windstill und ein Zodiac bringt uns nach einem traumhaft guten Frühstück (dieses Mal können wir es einnehmen) ans Ufer der Aitcho-Inseln (Südliche Shetland Inseln). Timon darf ein kurzes Stück an das Steuer des Zodiacs. Schroffe Felsformationen, spitze Gipfel und Gletscher charakterisieren die Landschaft. Ich bin sprachlos, überwältigt von der Schönheit und Stille der Natur. Nach einem kurzen Marsch über die Insel finden wir uns inmitten einer Kolonie Eselspinguine wieder. Julian setzt sich nicht weit von mir entfernt auch auf den steinigen Untergrund. Ein Pinguin nähert sich ihm vorsichtig und zupft interessiert an seinen Hosen. Ich beobachte, wie ein Männchen sein Nest mit zwei Küken gegen seinen Nestnachbarn verteidigt. Dieser versucht ständig, mit seinem Schnabel kleine Steine von seinem Nest zu klauen. Jetzt kommt das Weibchen vom Meer zurück und übernimmt die Wache. Sie bringt den Jungen Futter mit. An den rötlichen Ausscheidungen der Pinguine ist zu erkennen, dass sie sich im Moment vorwiegend von Krill ernähren. Plötzlich kommt Unruhe in die Kolonie, eine Raubmöwe kreist über den Pinguinen. Sie wartet auf eine Unachtsamkeit der Pinguineltern.

Exkursionen wie diese, in Zodiacs an Land des weissen Kontinents sowie der vorgelagerten Inseln, in kleinen übersehbaren Gruppen, gepaart mit Hintergrundinformationen von erfahrenen Exkursionsleitern und spannenden Vorträgen an Bord, machten den Reiz dieser AntarktisExpedition mit der Prince Albert II aus. An Bord des Expeditionsschiffes waren 132 Passagiere und 111 Besatzungsmitglieder, darunter drei Biologen mit unterschiedlichen Fachgebieten, ein Geologe, eine Historikerin, ein Ornithologe und
ein Klimatologe, welcher neun Jahre auf der ukrainischen Forschungsstation Vernatsky in der Antarktis verbracht hatte. Unsere Kinder (sie waren die einzigen an Bord) wurden vollumfänglich ins Exkursionsprogramm integriert und konnten an allen Exkursionen teilnehmen. Am liebsten sahen sich die Kinder am Steuer des Zodiacs und an der Seite der Pinguine.

Am 2. Januar verliessen wir mit viel Wehmut die Prince Albert II in Ushuaia und flogen, wie die meisten anderen Passagiere, mit einer Chartermaschine nach Santiago de Chile. Unsere Expeditionsjacken und Winterkleider konnten wir für längere Zeit in unsere Koffer verstauen. Vor uns wartete der längste Teil der Reise auf der «schönsten Yacht der Welt», der MS Europa von Hapag Lloyd Kreuzfahrten, quer durch die Südsee nach Australien, Indonesien, Singapur, Malaysia, den Philippinen und China sowie Japan und Korea.