In neun Monaten um die Welt - Teil 1

Die Idee und die Planung

Nach 15 Jahren als selbständige Unternehmer beschlossen wir, zusammen mit unseren zwei Kindern auf eine Weltreise zu gehen. Die Idee, einmal für längere Zeit die Arbeit niederzulegen und uns auf unser Familienleben zu konzentrieren, entstand Ende Januar 2008 während unserer Skiferien im Engadin. Wir waren von den täglichen Anforderungen unseres Alltags angespannt, übermüdet und antriebslos, umso mehr genossen wir die wenigen Tage im Schnee zusammen mit unseren Kindern. Aus dieser Spannung heraus entwickelte sich plötzlich eine tiefe Sehnsucht, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen, frei von jeglichen Verpflichtungen.

«Komm, wir verkaufen unser Haus und gehen auf eine Weltreise!», antwortete ich auf die Frage meines Mannes, wie wir unsere Zukunft weiter gestalten wollten. Mein Mann verstummte zunächst einmal. Eine Antwort blieb aus, da wir uns gerade am Ende eines Skilifts befanden und wir aussteigen mussten. Meine Aussage erstaunte mich selber, doch meine Konzentration richtete sich schon bei der ersten Kurve wieder auf die Skipiste und auf die vorausfahrenden Kinder. Am darauffolgenden Tag, in der Signalbahn, die von St. Moritz Bad ins Corviglia-Gebiet führt, kam nun die Reaktion meines Mannes: «Wir gehen auf eine Weltreise, im Sommer fahren wir los!». Die Kinder, sieben- und elfjährig, waren sofort begeistert und begannen Frage um Frage zu stellen. Ich war zunächst einmal sprachlos. Jetzt machte mir meine Idee plötzlich Angst, wusste ich doch, welche Konsequenzen ein solcher Entscheid mit sich zog. Mit dem Gedanken, unser Haus zu verkaufen, und uns geschäftlich umzuorientieren, beschäftigten wir uns schon länger, nicht aber mit der abenteuerlichen Idee, alles für längere Zeit zurückzulassen. Für meinen Mann stand der Entschluss jedoch fest, er begann auch gleich am ersten Arbeitstag nach unseren Skiferien mit den Reisevorbereitungen.

Wir beauftragten einen Immobilienmakler, einen geeigneten Käufer für unser Haus zu finden, währenddem wir uns auf die nötigen Umstrukturierungen innerhalb unserer Firma und auf die Planung der Reise konzentrierten. Die Abläufe im Betrieb und die Anzahl der Mitarbeiter mussten so angepasst werden, dass es möglich sein sollte, ein Jahr ohne unser Einwirken auszukommen. Dies war die grössere Herausforderung als die Planung der Reise, mit der wir uns nachfolgend beschäftigten. Für uns war von Anfang an klar, dass sich für uns als Familie das Kreuzfahrt- oder Expeditionsschiff als Fortbewegungsmittel am besten eignen würde. Der Transport ist sicher und schnell, die Ein- und Ausreiseformalitäten gering, das Gepäck immer mit dabei, die Unterkunft und Verpflegung komfortabel und die medizinische Versorgung jederzeit gewährleistet. So vereinbarten wir einen Termin mit «THE CRUISE LINE AG», einem auf Kreuzfahrten spezialisierten Reisebüro. Zwei Mitarbeiter des Reisebüros kamen bei uns zu Hause vorbei und präsentierten aufgrund unserer Angaben eine mögliche Route. Für die Planung der Reiseroute war entscheidend, dass wir den weissen Kontinent, «die Antarktis», besuchen wollten. Dies setzte nämlich voraus, dass wir frühestens Mitte Dezember 2008 und spätestens Anfang März 2009 in Ushuaia, der südlichsten Stadt Argentiniens, sein mussten. Geplant war es, am Anfang des Schuljahres, also im August 2008, aufzubrechen und spätestens an dessen Ende wieder zurück zu sein. Für die Wahl der Schiffe war neben der Routenwahl vor allem auch der Zeitpunkt des Reiseantritts am jeweiligen Ausgangsort entscheidend, denn lange Transfers und Flüge wollten wir möglichst vermeiden. Für die Überfahrt nach Amerika suchten wir uns die Jungfernfahrt der «Eurodamm» von Holland America aus, welche über Schottland, den Färöer Inseln, Island und Grönland nach New York führte. In New York wollten wir uns ein Auto mieten und nach Florida reisen, um von dort aus die Reise mit der «Radiance of the Seas» von Royal Caribbean in Richtung Südamerika anzutreten. Wir planten, den Panamakanal zu durchqueren, die Ostküste Südamerikas bis zur Magellanstrasse hinunterzufahren, das Kap Horn zu umrunden, anschliessend die Westküste Südamerikas wieder hinaufzufahren und in Buenos Aires zwei Wochen zu verweilen. Weihnachten und Neujahr sollten wir auf der neuen «Prince Albert II» von Silverseas in der Antarktis verbringen. Den längsten Teil der Reise, quer durch die Südsee nach Australien, Indonesien, Singapur, Malaysia, den Philippinen und China sowie Japan und Korea, gedachten wir auf der schönsten Yacht der Welt, der «MS Europa» von Hapag Lloyd, zu verbringen. Nach der Ankunft in Hongkong wollten wir einen Monat in China verweilen und individuell durch China nach Peking reisen. Lange waren wir unsicher, ob wir die Rückreise nach Europa in östlicher oder in westlicher Richtung weiterplanen sollten. Wir entschlossen uns schliesslich, den Pazifik nochmals zu durchqueren, dieses Mal mit der «Diamond Princess» von Princess Cruises, von Peking über Korea und Japan, nach Russland, Alaska und Vancouver. Wie wir von der Westküste Nordamerikas nach New York gelangen werden, liessen wir noch offen. Die klassische Überfahrt von New York nach Southampton mit der «Queen Mary 2» der Reederei Cunard sollte uns nach Europa zurückbringen. Ein Wiedersehen mit unseren Eltern war in London vorgesehen sowie eine abschliessende gemeinsame Fahrt mit der «Century» von Celebrity Cruises durch die Ostsee.

Im April standen die verschiedenen Reiseetappen bereits fest. Warum wir aber trotzdem erst im Herbst losfahren konnten, wie wir unsere Kinder aus der Schule nahmen, was wir alles im Reisegepäck mitführten, was wir auf unserer ersten Reiseetappe alles erlebten, erfahren Sie in Teil 2.

erstellt von Franziska Kamm