Mythos 2: «Stillende Mütter dürfen vieles nicht essen»

Nichts Blähendes, nichts Scharfes, keine Zitrusfrüchte? Damit das Kind keine Blähungen, Bauchschmerzen, einen wunden Po oder gar Allergien bekommt, wird stillenden Müttern oft zu Einschränkungen in ihrem Speiseplan geraten. Notwendig ist dies allerdings nicht. «Schon in der Schwangerschaft lernen Babys die Ernährungsgewohnheiten ihrer Mütter kennen», erklärt Sandra Deissmann vom Berufsverband Deutscher Laktationsberaterinnen IBCLC e.V. «Über das Fruchtwasser, von dem die Kinder trinken, werden sie mit der Vielfalt der eigenen Familienküche vertraut gemacht. In der Muttermilch wird dieser vertraute Geschmack von den Babys sogar wiedererkannt, gut vertragen und bevorzugt.»
Das zeigten auch Erfahrungen aus anderen Kulturkreisen. «Indische Babys sind die ausgesprochen scharfe Ernährung ihrer Mütter gewohnt», so Deissmann. «Und Babys aus Familien, in denen viel Knoblauch gegessen wird, bevorzugen Muttermilch mit Knoblauchgeschmack.» Babys lernen also bereits in der Schwangerschaft die Nahrung der Mutter zu vertragen.
Daher lautet der Rat der Expertin: «Stillende Mütter sollten sich ausgewogen und abwechslungsreich ernähren. Auch wenn für das Baby ein erhöhtes Risiko besteht eine Allergie zu entwickeln, kann die Mutter dies nicht verhindern, indem sie auf potenzielle Allergieauslöser in ihrer Ernährung verzichtet. Eher im Gegenteil: Ein vielseitiger Speiseplan der Mutter scheint beim Baby die Toleranz für Allergene, die in kleinsten Mengen über die Muttermilch aufgenommen werden, zu erhöhen.» Und noch ein Tipp: «Rohe Lebensmittel vom Tier wie Rohmilch, Fleisch, Fisch oder Eier, auf die in der Schwangerschaft verzichtet werden sollte, dürfen in der Stillzeit wieder gegessen werden.»

Sandra Deissmann, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Gesundheits- & Kinderkrankenpflegerin, Vorstandsmitglied des Berufsverband Deutscher Laktationsberaterinnen IBCLC e.V. www.stillberatung-deissmann.de

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