Muttermilch - der perfekte Baby-Cocktail

Stillen ist die natürlichste Art, das Baby zu ernähren. Muttermilch ist dem kindlichen Organismus angepasst und bietet dem Kind alles, was es braucht.

Muttermilch stärkt das Immunsystem des Kindes. Gestillte Kinder leiden weniger an Krankheiten.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Muttermilch ist jederzeit in der richtigen Zusammensetzung, genügender Menge und idealen Temperatur verfügbar. Zudem stärkt sie das Immunsystem des Kindes. Voll gestillte Kinder leiden denn auch deutlich weniger an Durchfallerkrankungen, Atemwegsinfektionen, Mittelohrenentzündungen und Harnwegsinfekte und werden auch weniger oft ins Krankenhaus eingewiesen. Das Saugen an der Brust begünstigt ausserdem die Entwicklung der Mund-muskulatur und damit das Sprechenlernen. Stillen tut aber auch der Mutter gut: Die Stillhormone fördern die Rückbildung der Gebärmutter und erhöhen den Kalorienverbrauch, wodurch junge Mütter ihr ursprüngliches Gewicht schneller und leichter wieder erreichen. Und natürlich unterstützt Stillen die Bindung und Verständigung von Mutter und Kind. Während aber die einen Frauen die Stillzeit in vollen Zügen geniessen, empfinden es andere als ziemliche Belastung, praktisch ständig in Bereitschaft zu stehen und die Verantwortung für das Gedeihen des Kleinen ganz alleine tragen zu müssen. Und auch das häufige Aufstehen in der Nacht über mehrere Wochen oder Monate hinweg kann stark an die Substanz gehen.

Doch die Vorteile überwiegen, und so wollen neun von zehn Frauen ihr Kind stillen - was nicht immer so ganz problemlos klappt. «Häufige Gründe, dass junge Mütter nicht stillen, sind ungenügende Information, fehlende Unterstützung und negative Rückmel-dung aus dem Umfeld», hat Therese Röthlisberger, Stillberaterin von La Leche League und Still- und Laktationsberaterin IBCLC, beobachtet. Kommt dazu, dass viele Mütter auch nach der Geburt des Kindes weiterhin berufstätig sein wollen. Da ist es schon rein organisatorisch nur schwer möglich, dem Baby weiterhin nach seinen Bedürfnissen die Brust zu geben. Viele Frauen stillen denn auch ab, bevor sie wieder in ihren Job einsteigen.

Doch ganz egal, wie lange man das Baby stillen will, damit es klappt, ist es ganz wichtig, dass das Kind möglichst früh angelegt wird. Ein Neugeborenes hat alle Anlagen, die es braucht, um das Stillen zu erlernen, und verfügt über alle nötigen Reflexe - das gilt auch für Kaiserschnittbabys. Der Reiz der Brustwarze im Gaumen regt das Baby zum Saugen an. Lassen Sie das Baby etwa zehn Minuten trinken, dann geben Sie ihm die andere Brust. Ganz zu Beginn wird das Kleine sehr oft, also bis zu zwölf Mal pro 24 Stunden trinken wollen, mit der Zeit findet jedes Mutter-Kind-Stillpaar seinen eigenen Rhythmus. Häufiges Anlegen regt den Milchfluss an. Doch denken Sie daran, dass jedes Baby anders ist: Das eine schläft ständig ein während des Trinkens, das andere hat schon nach wenigen Minuten genug. Und auch je nach Alter verhält sich ein Kind unterschiedlich. Selbst wenn sich ein Rhythmus eingependelt hat, kann es immer wieder vorkommen, dass das Kleine wieder öfter an die Brust will, weil es beispielsweise einen Wachstumsschub hat.

Aber auch wenn der Stillbeginn nicht so optimal geklappt hat, wie Sie es sich vorstellen oder aus Büchern kennen - verlieren Sie nicht den Mut und versuchen Sie es immer wieder. Eine Stillberaterin wird Ihnen im Spital bzw. zu Hause gerne zur Seite stehen. Dank ihrer reichen Erfahrung kann sie Ihnen helfen, Stillprobleme zu lösen.

Wenn Sie nicht stillen können oder wollen, haben Sie die Qual der Wahl aus einem riesigen Säuglingsnahrungsangebot. Eine Flaschenmilch, die hundertprozentig der Muttermilch entspricht, gibt es allerdings nicht. «Auch die beste Säuglingsnahrung basiert auf Kuhmilcheiweiss», sagt die Stillberaterin Therese Röthlisberger. Wegen der bekannten und mittlerweile weit verbreiteten Kuhmilcheiweissallergie empfiehlt sie deshalb Müttern, die nicht stillen, hypoallergene Säuglingsmilch, im Handel als HA-Milch bekannt. Da sind die Eiweisse so weiterverarbeitet, dass sie kaum Allergien auslösen.
 
Entspannt stillen
Machen Sie es sich beim Stillen immer so bequem wie möglich. Zu Hause sollten Sie sich Ihre Stillecke so einrichten, dass Sie sich wohlfühlen. Probieren Sie aus, welche Stillposition für Sie und Ihr Kind ideal ist. Selbstverständlich können Sie auch im Liegen stillen. Vielleicht stillen Sie Ihr Baby dabei in den Schlaf. Das «Bäuerchen» sollten Sie in diesem Fall ausfallen lassen. Nach einer so entspannten Stillmahlzeit ist das oft auch gar nicht nötig. Stellen Sie sich bei jeder Stillmahlzeit ein Getränk hin. Jetzt oder nach dem Stillen haben Sie die Musse zu trinken, denn das wird nachher leicht vergessen. Ruhen Sie eine Viertelstunde nach jeder Stillmahlzeit. Am besten, Sie essen eine Kleinigkeit dabei: ein Stück Obst, ein Müsli oder ein Joghurt.

Achten Sie darauf, dass Sie die Brustwarze immer senkrecht in den Mund des Babys einführen. Liegt sie nämlich schräg, wird die Saugbelastung ungleich verteilt, und es können wunde oder gar rissige, sehr schmerzhafte Stellen entstehen. Es ist auch entscheidend, dass Ihr Baby den ganzen Warzenhof mit seinem Mund umfasst: Nuckelt es nur an der Warze, tut das weh und verletzt die empfindliche Haut. Auch volle Brüste können schmerzen. Bestes Gegenmittel: Legen Sie das Kind an. Falls Sie aber Fieber bekommen und sich unwohl fühlen, sollten Sie die Still- und Laktationsberaterin IBCLC, Ihre Hebamme oder den Arzt, die Ärztin aufsuchen.

Abgepumpte Milch sollte nicht in der Mikrowelle erwärmt werden, weil dadurch wertvolle Inhaltsstoffe verloren gehen. Besser wärmt man also Muttermilch im Wasserbad auf. Auch sollten die Vorräte, selbst wenn sie eingefroren sind, relativ rasch aufgebraucht werden, weil sich die Zusammensetzung der Milch mit dem Wachstum des Babys verändert.

Stillen schützt nicht vor Schwangerschaft. Zur Verhütung empfiehlt sich entweder ein Präservativ oder eine niedrig dosierte Mini-Pille. Solange der Monatszyklus nicht wieder regelmässig eingesetzt hat, ist eine natürliche Verhütung nicht möglich.

erstellt von Marianne Siegenthaler