Die Schweiz wandert

Unsere Nation trumpft mit einer Vielzahl von Wanderwegen auf. Insgesamt sind es über 60'000 Kilometer. Und die werden auch genutzt: Das Wandern gehört in der Schweiz zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten. Darum verbringen auch viele Eidgenossen ihre Sommer- oder Herbstferien lieber in den Wanderschuhen als in den Flip-Flops. Doch in welcher Region lässt es sich am besten wandern? Und welche Route ist die schönste? Damit die Wahl nicht zur zu sehr zur Qual wird, hat Kidy swissfamily vier mehrtägige Touren herausgepickt.

Alpenpässe-Weg
Mit dieser Wanderung geht's ins Reich der Viertausender. Wer hier wandern geht, entdeckt vierzehn der schönsten Übergänge der Bündner, Tessiner und Walliser Alpen.

Eine mögliche Tour führt von Saas Fee nach Grächen. Der Höhenweg enthält teilweise heikle Passagen, die mit Drahtseilen abgesichert sind. Zur Belohnung gibt's schwindelerregende Blicke ins Saastal und wunderschöne Aussichten zu Fletschhorn, Lagginhorn und Weissmies. In Grächen führt die nächste Etappe zu Fuss steil zum Weiler Jungu hinauf, der wie ein Alderhorst über dem tiefsten Tal der Schweiz thront. Es bietet sich eine phantastische Aussicht auf die Mischabelberge mit Dom und Weisshorn. Wem der Aufstieg zu steil ist, kann auch die Seilbahn nehmen. Ein mittelalterlicher Handelsweg führt ins Turtmanntal und nach Gruben. In der dritten und letzten Etappe geht's nach Zinal. Vom Meidpass hat man eine eindrückliche Sicht zum Bishorn und Weisshorn und später auf dem Weg auch aufs Matterhorn.

Vier-Quellen-Weg
Der Vier-Quellen-Weg führt durch kontrastreiche Landschaften in den Kantonen Uri, Graubünden, Tessin und Wallis zu den Quellen von Rhein, Reuss, Ticino, Rhone und überquert sechs Pässe: Maighels-, Sella-, Gotthard-, Lucendro-, Nufenen- und Furkapass. Er durchquert mehrere Feuchtgebiete mit Bächen, Tümpeln, Seen und Mooren mit ihrer typischen Vegetation.

Die Wanderung beginnt beim Oberalppass, wo der Weg steil zur Rheinquelle beim Tomasee hinaufführt. Nach der Wanderung durch das Feuchtgebiet des Val Maighels folgt ein weiterer Aufstieg zum Maighelspass und zum idyllischen Portgerensee, danach der Abstieg zur Vermigel-Hütte. Die zweite Etappe beginnt mit einem steilen Aufstieg zur Alp Summermatten, zum Sellapass und weiter zum höchsten Punkt des Vier-Quellen-Wegs, dem Piz Giübin (2776m), mit atemberaubender Rundsicht. Anschliessend geht es bergab zum Staudamm des Sellasees und zum Gotthardpass. Entlang des Lago Lucendro führt die dritte Tagesroute zur Quelle der Reuss und weiter über den Lucendropass. Nach einer langen, aussichtsreichen Höhenwanderung über dem Bedrettotal ist das Etappenziel, die Piansecco-Hütte, erreicht. Die vierte Etappe führt zum Quellgebiet des Ticino unterhalb des Nufenenpasses, wo viele Murmeltiere leben. Über den Nufenenpass und prächtige Alpweiden, durch das Ägenetal, über eine Hängebrücke und schliesslich der Rhone entlang erreicht sie Obergesteln. Von Obergesteln via Oberwald, Gletsch und der Station Muttbach-Belvédère geht es auf der fünften und letzten Etappe hinauf zum Furkapass mit herrlicher Aussicht auf die Walliser Viertausender. Über die Alp Galen führt der Weg hinunter zu einem Aussichtspunkt über dem Rhonegletscher, der Quelle der Rhone.

Seebachtalweg
Diese Wanderroute verläuft dem südlichen Hang des Seerückens entlang nach Pfyn.  Startort ist das zwischen Rebbergen liegende Dorf Nussbaumen, das durch seine schönen Riegelbauten auffällt. Von dort geht es weiter zwischen Wäldern und Feldern zum Schloss Steinegg und weiter zum Chalcheren (Kalchrain), wo sich das ehemalige Zisterzienserinnenkloster befindet, welches nach der Aufhebung 1848 zur Arbeitserziehungsanstalt umgestaltet wurde. Weiter auf dem Hügelzug bietet sich ein wunderschöner Blick ins Thurtal und die Alpen. Die Wanderung führt an Reblandschaften vorbei nach Herdern, wo das Schloss aus dem 11. Jahrhundert besonders ins Auge sticht. Dieses ist heute eine Heim- und Wiedereingliederungsstätte mit Schlossladen und regionalen Produkten. Weiter führt der Wanderweg leicht erhöht vom Thurtal nach Pfyn. Zwischen den damaligen römischen Provinzen Rätien und Gallien, sind heute noch Reste der Heerstrasse feststellbar.Die Gemeinde ist spätestens seit der Pfahlbauer-Serie des Schweizer Fernsehens im Sommer 2007 weit über die Ostschweiz hinaus bekannt.

Fernwanderweg durchs Tessin
Gestartet wird in Bellinzona mit dem Aufstieg ins Val d'Isone. Durch ein Meer von Farn geht's im Birkenwald Richtung Monte Bigorio und wieder hinab nach Tesserete - vorbei am ältesten Kapuzinerkloster der Schweiz: Wie ein Adlerhorst wacht Santa Maria über dem Dorf mit seinen knapp 1500 Einwohnern. Am zweiten Tag verläuft der Weg über einen dicht bewaldeten Höhenrücken und überrascht bei der Kapelle San Bernardo mit einem fantastischen Blick aufs Seebecken von Lugano und die Stadt selbst. Mit ihrem südländischen Charme verführt sie aber vor allem in ihrem Herzen - an lauen Sommerabenden etwa auf der Seepromenade, wo Italianità zelebriert und das Leben gefeiert wird. Von Lugano führt die dritte Etappe auf den Monte San Salvatore. Die ersten 600 Höhenmeter lassen sich bequem per Bahn überwinden. Die anschliessende Wanderung nach Vico Morcote ist ein Klassiker für die ganze Familie. Es geht immer leicht bergab, mal durch den Wald, dann wieder durch herausgeputzte Dörfer, und es ist nie weit bis zum nächsten urchigen Grotto. Eine Etappe auch für Genusswanderer. Am vierten und letzten Tag geht's mit dem Schiff von Morcote nach Terniciolo ins UNESCO-Weltnaturerbe am Monte San Giorgio. Im Bauch dieses Berges schlummert ein reicher Schatz an Fossilien. Ein kleiner Teil der Saurierüberreste ist im neuen Museum in Meride zu bewundern.

erstellt von Martina Kaiser