Was fördert die Liebe unter Geschwistern?

Wir haben eine kleine Tochter und erwarten unser zweites Kind. Nun möchten wir gerne wissen, was wir Eltern alles tun können, um Eifersucht vorzubeugen und den Zusammenhalt zwischen den Geschwistern zu stärken?

Schön, wenn sich Geschwister mögen.

1. Es macht Freude, mit Geschwistern aufzuwachsen, ganz klar. Ein Geschwister zu bekommen, ist hingegen - zumindest für kleinere Kinder - oft weniger lustig. In ihren Augen gehen die geliebten Eltern «fremd». Besonders hart trifft dies Erstgeborene, die bis anhin die Eltern ganz für sich hatten.
Tipp: Bereits in der Schwangerschaft vom neuen Baby erzählen und dem Grösseren so schon das Geschwister im Bauch nahe bringen.  Oft gemeinsam spüren und hören, ob und wie es sich gerade bewegt oder sich gemeinsam Bücher anschauen, wie ein neues Baby entsteht.


2. Der Ernst des Geschwister-Daseins beginnt, sobald die Mutter mit dem neuen Baby nach Hause kommt. Jetzt muss das Erstgeborene oft auf später vertröstet werden.
Tipp: Das ältere Kind braucht viel Zuwendung . Schön, wenn weitere Bezugspersonen viel Zeit mit ihm verbringen. Wenn es die engste Bezugsperson, meistens die Mutter, zumindest beim Erwachen und vor dem Einschlafen je 10–15 Minuten ganz für sich alleine hat, fühlt es sich weiterhin beachtet und geliebt.


3. Ist das grössere Kind auf das Baby eifersüchtig, hilft es, wenn die Eltern dem Kind immer wieder zu verstehen geben, dass sie seine Gefühle verstehen und ernst nehmen. So nimmt die Eifersucht ab und das Kind entwickelt gleichzeitig die Fähigkeit, sich ebenfalls in andere Menschen hinein zu fühlen.
Tipp: Es gibt wunderbare Bilderbücher, die sich dieser Thematik annehmen. Z.B. „Die Prinzessin bin doch ich“, Moost Nele, (ca. 3 -6 Jahre), „Cheffie ist der Boss“, eine humorvolle Hundegeschichte von Kaat Vrancken (ca. 3-6 Jahre), „Immer nur Philip…“, Bärbel Spathelf (ca. 3-6 Jahre) oder „Wohin mit meiner Wut?“ von Dagmar Geisler (ca. 3-6 Jahre) sowie von der gleichen Autorin „Geschwister sind unschlagbar“, Geschichten zum Vorlesen für Kinder (ca. 3-8 Jahre).


4. Die grösseren Kinder brauchen altersgerechte Aufmerksamkeit. Warum sie also nicht in die Pflegetätigkeit des Babys miteinbeziehen?
Tipp: Das Grosse kann z.B. die Flasche halten, die Füsslein des Babys eincremen oder seine Haare bürsten. Bei uns schaute die grössere Schwester jeden Morgen im Gitterbettchen 5 bis 10 Minuten zum kleinen Bruder. Sie war jedes Mal sehr stolz, wenn ich ihr anschliessend versicherte, wie froh ich war, mich in Ruhe anziehen zu können.

5. „Das Baby macht alles kaputt!“ Grössere Kinder möchten nicht alles teilen müssen. Sie brauchen eine Ecke, wo sie spielen können, die von allen respektiert und anerkannt wird.
Tipp: Wenn es beim Spielen zu Konflikten kommt, bei dem sich das grössere Kind zur Wehr setzt, sollte man beide Kinder trösten. Denn es tut auch dem Grossen weh, wenn sein Spiel «mutwillig» zerstört wird. Manchmal muss man das vertiefte Spielen oder ein fertiges „Kunstwerk“ des grösseren Kindes auch vor dem kleineren schützen, z.B. mit einem Absperrgitter.


6. Die Qualität der Geschwisterbeziehung hängt auch von den individuellen Beziehungsflechten in der Familie ab. Überprüfen Sie Ihr Verhalten als Eltern. Wie gehen Sie miteinander um? Welche Beziehung hat die Mutter, welche der Vater zu seinen Kindern? Wie verhalten sich die Kinder gegenüber ihren Eltern, und wie reagieren diese wiederum darauf?
Tipp: Eine Art Familienrat nach Gordon alle 1 bis 2 Wochen lässt bei grösseren Kindern (ab ca. 6 Jahren) der Reihe nach alle zu Wort kommen. Schwerpunkt Gefühle: „Was hat mir diese Woche nicht so gefallen und was wünsche ich mir deshalb am meisten für die nächste Woche? Und was hat mir in unserer Familie besonders gefallen diese Woche?“ Am besten in dieser Reihenfolge.


7. Vertrautheit kann nur unter bestimmten Voraussetzungen entstehen! Eltern sollten gegenüber ihren Kindern absolut unparteiisch sein.
Tipp: Lassen Sie Ihre Kinder streiten. Greifen Sie nur ein, wenn eines ständig nachgeben muss oder kräftemässig klar unterlegen ist. Gerne dürfen Sie Ihren Kindern bei der Problemlösung ab und zu helfen, z.B. „Wollt Ihr eine Zeit abmachen, wer wie lange mit der Eisenbahn spielen darf und danach tauschen?“. Allerdings werden Sie sich wundern, wie viele gute Ideen Kinder selber entwickeln, wenn man sie machen lässt. Das stärkt zudem ihr Vertrauen in die eigenen Konfliktlösefähigkeiten!


8. Eltern können die Geschwisterliebe fördern, indem sie Geschwisterteams bewusst stärken, ihr Zusammengehörigkeitsgefühl wachsen lassen und unterstützen!
Tipp: Kleinere Geschwister werden ein starkes Team, wenn sie möglichst viel Zeit zusammen verbringen und wir ihr Spiel nur aus der Ferne im Blickfeld behalten. Wenn man nachmittags mit ihnen draussen war, kann man sie gut bei offener Türe und einem Türgitter eine Weile zusammen spielen lassen. Beschreiben Sie zwischendurch lobend, wie schön sie zusammen spielen und z.B. einen Legoturm gebaut haben.
Bemühen Sie sich um Gerechtigkeit, unterstützen Sie kleinere Kinder bei der Lösung ihrer Konflikte, bringen Sie die Kinder einander nahe, und werben Sie für Verständnis füreinander. Lassen Sie zu, dass sich die Kinder ab und zu gegen Sie als Eltern verbünden.
Es ist ratsam, auch grössere (Schul-) Kinder möglichst viel gemeinsam spielen und erleben zu lassen. Geschwister im gleichen Alter (2-3 Jahre Unterschied) gleichzeitig zu den Grosseltern schicken. Oder sie gemeinsam an einem Fäger-, Sport- oder andern Freizeitprogramm teilnehmen zu lassen. Sie beispielsweise auch gemeinsam verpflichten, zu den Meerschweinchen, Hamstern etc. zu schauen und ihnen, zum Beispiel nach dem Nachtessen, das Futter zu bringen und auszumisten. Das stärkt ihr Zusammengehörigkeitsgefühl sehr.

Fazit: Je höher die emotionale Verbundenheit untereinander in der Familie ist, desto stärker ist das Familienteam, desto wohler und geborgener fühlen sich alle Familienmitglieder. Und für diese Verbundenheit sind die Eltern das beste Vorbild. Wenn sie Verständnis füreinander haben und ihre Konflikte konstruktiv lösen, dann sind meistens auch die Geschwisterbeziehungen gut!

 

Marie-Louise Spinnler, Elternberaterin, www.elternberatung-spinnler.ch



erstellt von Marie-Louise Spinnler