Schritt für Schritt - vom Baby zum Krabbelkind

Erstaunlich, was schon im Neugeborenen alles steckt! Seine rasanten Entwicklungsschritte dürfen Sie aus nächster Nähe mitbeobachten.

1. Monat
Beim Stillen beträgt der Abstand zwischen Mutter und Kindergesicht ca. 20 Zentimeter. Das ist die einzige Distanz, auf die das Baby scharf sehen kann. Ihr Kind erkennt Sie an Ihrem Geruch und schon bald an Ihrer Stimme. Sein Lächeln im Schlaf geschieht noch unbewusst und wird Engelslächeln genannt.
Die Bewegungen sind unwillkürlich. Es kann den Kopf erst von einer Seite zur anderen drehen, gegen Ende des Monats kann es ihn in der Bauchlage bereits kurz heben. Ohne Daumen, mit nur vier Fingerchen, gestaltet es seine ersten spontanen Greifbewegungen. Bei Berührung der Handinnenfläche schliesst es seine Hand sofort. Es hält den Finger, als ob es ihn nie mehr loslassen möchte. Das Baby braucht jetzt vor allem Ruhe und das Gefühl von Geborgenheit. Es schläft noch viel. Richten Sie es so ein, dass das Baby Ihre Anwesenheit spürt, wenn es wach ist. Es braucht Augen- und Körperkontakt, aber noch keine Spielsachen. Der Schlaf- und Wach-Rhythmus ist gleichmässig über Tag und Nacht verteilt. Der Schlaf wird jeweils durch Hunger unterbrochen.

2. Monat
Bald wird Ihr Baby Sie wohl zum ersten Mal anlächeln! Es hat gelernt, ein Gesicht zu erkennen. Freudig reagiert es auf jedes ihm frontal zugekehrte Gesicht. Auch dem aufgehängten Mobile über seinem Bettchen folgen seine Augen interessiert. Plaudern Sie mit ihm, es liebt Ihre Stimme. Mit einem Schlaflied lässt es sich ebenso beruhigen wie durch andere sanfte Töne.
Wenn es weint, werden Sie nun vielleicht unterscheiden können, ob es Hunger oder Schmerzen hat. Ihr Baby hat die Hände jetzt nicht mehr ständig zur Faust geschlossen. Es kann eine leichte Rassel für einen kurzen Moment festhalten. Seinen Kopf hebt es in Bauchlage für ein paar Sekunden hoch. Es beginnt mit den Beinchen zu strampeln, bald werden diese Bewegungen zu einem richtigen Training.

3. Monat
Aus dem zaghaften Lächeln ist ein richtig freudiges Lächeln geworden, mit dem Ihr Baby Sie begrüsst. Mit ersten Lauten versucht es sich zu äussern. Gegen Ende des Monats beginnt es, Bekannte von Fremden zu unterscheiden. Vielen Kindern macht das Unbekannte Angst, doch längst nicht alle «fremden» gleich früh und gleich stark. Ihr Baby entdeckt nun Hände und Finger und betrachtet sie vergnügt. Spielsachen kann es nun halten und anschauen. Es greift mit den Fingern nach aufgehängten Spielsachen. Gerne spielt Baby natürlich auch mit Mama und Papa. Wenn Sie es aus der Rückenlage hochziehen, hilft es schon kräftig mit. Es umklammert den hochziehenden Finger und beherrscht die Kopfkontrolle. In der Bauchlage stützt es sich auf die Unterarme.

Spielideen für das 1. Vierteljahr:

  • Spieluhren.
  • Weiche Stofftiere oder -püppchen.
  • Sobald das Baby bewusst greift, also im Laufe des 3. Lebensmonats, ist es Zeit für kleine Holzspielzeuge und eine Rassel.

     

    Wichtig: Achten Sie darauf, dass sich von Babys erstem Spielzeug keine Teile lösen, die verschluckt werden könnten.


4. Monat

Ob im Babysitz, im Laufgitter oder im Bettchen, sobald Ihr Baby Sie hört, wendet es den Kopf und begrüsst Sie erwartungsvoll und freudig. Die Laute Ihres Babys werden vielfältiger. Es gluckst und gurrt, plappert und schreit. Es versucht, nach Gegenständen zu greifen. Das gelingt ihm zwar nicht immer, aber das Üben macht Spass! Es lernt, seine Augen und Hände zu koordinieren. Alles, was Ihr Kind greifen kann, wandert auch in den Mund. Die Gegenstände dürfen also keine scharfen Ecken und Kanten haben, keine giftigen Stoffe enthalten und nicht zu klein sein. Und wenn Sie Ihr Baby auf den Arm nehmen, entdeckt es die schönsten Dinge, nach denen es greifen kann: Ihr Haar, Ihre Nase, Ihre Ohren. Es kann nun auch im Sitzen den Kopf gerade halten, dabei ist sein Rücken oben annähernd gerade, unten noch gebeugt. Langsam kommt es durch Körperdrehung zu kleinen Ortsveränderungen. Jetzt kann es sich vielleicht schon bald aus der Rücken- in die Bauchlage wenden.

5. Monat
Ihr Baby hört gerne die immer gleichen Verse und Lieder. Gesellschaft mag es sehr, und durch sein Weinen zeigt es deutlich Unmut. Das Kind kann auf eine grössere Entfernung Umrisse erkennen. Ein Spielzeug, das wegrollt, fixiert und verfolgt es mit den Augen. Wenn das Spielzeug jedoch hinter einem anderen Gegenstand verschwunden ist, so wendet sich das Baby sofort dem nächsten zu. Es greift nun sicher danach. Aus der Bauchlage kann es sich in die Rückenlage rollen.

6. Monat
Ihr Kind wird zu einem lustigen Grimassenschneider, wenn es versucht, einen fröhlichen oder ernsten Gesichtsausdruck nachzuahmen. Spielen Sie mit! Das Baby findet nun auch an seinem Spiegelbild Gefallen. Ihr Kind entwickelt Vorlieben, zeigt Ihnen immer deutlicher, was es mag und was ihm nicht behagt. Nun kommt der Daumen zum Einsatz! Die Koordination zwischen Augen und Hand und jene zwischen Hand und Mund beherrscht es gut. Mit Vorliebe nimmt es jetzt, auf dem Rücken liegend, den grossen Zeh in den Mund. Es kann sich auf den Bauch und wieder zurück auf den Rücken drehen. Mit Kissen gut gestützt, kann es für kurze Zeit sitzen, aber nur, wenn Sie dabei sind.

Spielideen für das 2. Vierteljahr:

  • Berühr- und Kitzelspiele.
  • Babyrassel die an Hand- oder Fussgelenken befestigt werden können. Durch das zarte Klimpern werden dem Baby seine eigenen Bewegungen bewusster.
  • Nähen Sie aus Stoffresten kleine Säckchen und füllen sie diese mit verschiedenen Materialien (Schaumstoff, Bohnenkerne, Reis etc.). Achten Sie darauf, dass die Säckchen gut verschlossen sind! Ihr Baby wird sie mit Freude ertasten.


7. - 9. Monat

Es scheint, als ob Ihr Kind seinen Spielsachen die schönsten Geschichten erzählen würde. Die kleine Rassel wandert von einer Hand in die andere, dabei merkt es auch, dass man das Spielzeug schütteln kann. Auch alleine zu sitzen ist nun möglich, wenn auch anfangs nur für kurze Zeit. Das Krabbeln rückt immer näher. Viele Kinder krabbeln zunächst rückwärts. Ihr Baby kennt seinen Namen und reagiert, wenn Sie es rufen. Auch das Wörtchen «Nein» kennt es genau.

Spielideen für das 3. Vierteljahr:

  • «Gugus - dada!» wird wohl jetzt das Lieblingsspiel Ihres Säuglings heissen.
  • Gummiball/Tennisball werfen oder rollen.
  • Ungefährliche Küchenutensilien (Plastikschüssel und Kochlöffel) zum Klopfen, Rühren.
  • Auto zum Umherschieben.
  • Ein erstes Bilderbuch mit grossen, deutlich konturierten Bildern zum Anschauen.
  • Becher zum Spielen in der Badewanne.


10. - 12. Monat

Mit spitzen Fingerchen greift Ihr Kind nun jeden Krümmel, der auf dem Boden liegt. Es beherrscht nun den «Pinzettengriff» perfekt. Ihr Baby ist sitzfest und krabbelt vermutlich munter. An beiden Händen gehalten, wird es vielleicht bereits die ersten Schritte wagen... Und auch die ersten Worte versucht es nun zu formulieren. Am Tisch knabbert Ihr Baby alleine «Finger-Food» und die Schoppenflasche kann langsam durch eine Lerntasse ersetzt werden.

Spielideen für das 4. Vierteljahr:

  • Steckspiele werden interessant.
  • Turm bauen.
  • «Sändele» und matschen.
  • Bewegung an der frischen Luft tut allen Kindern gut.

Spüren und Fühlen
Bei der Geburt verfügt das Kind über ein gut entwickeltes Berührungsempfinden. Es reagiert auf Berührungen fast reflexartig (z.B. an Nase, Mund, Wangen, Händen und Füssen). Dieses Spüren und Fühlen durch die Haut beginnt bereits vor der Geburt. Durch die Eigenbewegungen des Kindes im Mutterleib berührt es sich immer wieder selbst. Diese Erlebnisse formen das Berührungsempfinden.

Hören und Horchen
Auch hören kann das Kind von Geburt an. In den ersten Lebenstagen allerdings sehr gedämpft, weil noch Fruchtwasser die mittlere Ohrpartie anfüllt. Sobald dieses vom Körper verarbeitet ist, werden Geräusche deutlich wahrgenommen und lösen beim Kind Reaktionen aus. Babys nehmen die menschliche Stimme wahr und können schon sehr früh die Mutter von fremden Personen unterscheiden, bevor sie noch richtig sehen können. Früh sind auch Augenbewegungen in Richtung von Geräuschquellen, insbesondere vertrauter Geräusche, beobachtbar. Das Hörvermögen ist eine wichtige Fähigkeit, die wir vom Babyalter an anregen müssen. Rhythmische Geräusche, Zusprechen, sanfte Töne (Glocke, Flöte) beruhigen das Kind, weil sie seine wache Aufmerksamkeit erfordern. Mit der Zeit wird aus dem Hören ein aktives Horchen.

Sehen und Schauen
Manche Neugeborene schauen recht wach in die Welt, andere sind durch die Geburtsstrapazen und die Umstellung auf die neue Lebenssituation noch in einem dämmrigen Zustand, der sie von einer aktiven Wahrnehmung der Umwelt abhält. Neugeborene sind fähig, einem Gesicht über kurze Strecken mit ruckartigen Augenbewegungen zu folgen, wenn es sich in 20 cm Entfernung von den Augen langsam hin und her bewegt. Im Ver-laufe des ersten Monats verbessert sich diese Fähigkeit zusehends. Das Baby kann dann auch einem Spielzeug, das in einem Abstand von 25 bis 50 cm bewegt wird, mit den Augen folgen. Was näher oder weiter entfernt ist, kann nicht gesehen werden. Je älter das Kind wird, um so länger und intensiver schaut und beobachtet es.

Greifen und begreifen
Das Neugeborene hält die Hand meist zur Faust geschlossen. Gegen Ende des ersten Vierteljahres ist das Interesse an den eigenen «Greiforganen» sehr gewachsen. Das Kind «studiert» eingehend seine Hände und seine Finger und spielt damit. In den nachfolgenden Monaten beginnt es nach Gegenständen und Spielsachen zu greifen. In der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres ist es fähig, mit beiden Händen gleichzeitig zu greifen und zu spielen. Es wechselt auch Gegenstände von einer Hand zur anderen. Vieles wird in den Mund gesteckt und überprüft. Mit der Zeit lernt es, etwas loszulassen und wegzugeben. Greifen ist ein wichtiger Schritt auf den Weg zum Begreifen. Ein Kind muss Gegenstände mit Hilfe seiner Hände begreifen und so grundlegende Erfahrungen machen können.

Verstehen und Sprechen
Ein Baby reagiert schon sehr früh auf seine soziale Umgebung. Dem Schreien liegt immer ein ernstzunehmendes Unbehagen zugrunde: z.B. Hunger, Schmerz, Angst, Lärm, Ärger, Langeweile, das Bedürfnis nach Kontakt und Nähe, Kälte, nasse Windeln, Verdauungsbeschwerden, Müdigkeit, Einschlafschwierigkeiten. Das erste antwortende Lächeln ist eine wichtige frühe Form der Kommunikation. Das Interesse und die Neugierde des Babys an allem, was rundherum vorgeht, ist nach einem Vierteljahr schon sehr deutlich. Bald erkennt es die Mutter, den Vater, die Geschwister. Neben Babysprache entwickelt Ihr Kind die gesprochene Sprache. Der Säugling produziert Lautverbindungen. In der Mitte des ersten Lebensjahres entstehen Lautgebilde. Aus der Zwiesprache von Mutter, Vater und Säugling entsteht die Muttersprache des Kindes. Das Kind zeigt durch sein Verhalten, dass es bestimmte Worte versteht, obwohl es sie noch nicht selber sprechen kann.

erstellt von Dr. Heinrich Nufer