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Babys haben viel zu sagen

Babys erleben jeden einzelnen Tag mit wachen Sinnen und nehmen eine Fülle von neuen Informationen auf. Da ist es ganz klar, dass sie ihre Erlebnisse und Bedürfnisse auch mitteilen möchten - nur wie?

Haben Sie Ihrem Kind schon vorgezeigt, wie es winken kann? Und vielleicht eine Kusshand hinterher schicken? Oder in die Hände klatschen für «Bravo»? Wir zeigen unseren Babys ganz selbstverständlich einfache Gesten vor, die sie nachahmen und so ihre ersten Erfahrungen im Bereich Kommunikation machen dürfen. Wenn ein Baby winkt, winkt jeder erfreut zurück. Da setzt der erste Erfolg für das Baby ein: Ich teile mich mit und bekomme dafür eine Antwort.

Die Idee der Babyzeichensprache basiert auf dieser Grundlage: Anhand weiterer konkreter Handzeichen erhalten Babys die Möglichkeit, sich auszudrücken. Sie teilen mit, was sie sehen, erleben, gern erhalten möchten. und was sie sonst noch beschäftigt: «Mein Sohn zeigt immer «mehr», wenn er noch nicht satt ist. Anstatt zu quengeln gibt er mir mit einem klaren Zeichen zu verstehen, was er möchte. Auch auf dem Spielplatz und beim Baden beziehen wir dieses Zeichen ein, letztlich in jeder Situation, in der es um «mehr» geht,» erzählt Tanja von Aesch, Mutter des 14 Monate alten Jamie, begeistert. «Neuerdings zeigt er sogar, wenn er ins Bett möchte und legt seine Hand ans Ohr. Es ist für uns alle sehr angenehm, den richtigen Zeitpunkt fürs ins Bett gehen zu erwischen.»

Wie kommen Eltern und Babys dazu, Babyzeichen anzuwenden?
«Es ist kinderleicht. Ich zeige die Zeichen vor und Jamie ahmt sie nach. Wenn ich ihn frage, ob er noch trinken möchte, zeige ich in dem Moment «trinken», wenn ich das Wort ausspreche. Anfangs hat Jamie mich angelacht. und ich wusste nicht so recht, was ich mit seiner Reaktion anfangen sollte. Hatte er mich nun verstanden oder nicht? Als er dann plötzlich selber das Zeichen anwandte, wusste ich, dass er mich die ganze Zeit über sehr wohl verstanden hatte.»

Es dauert etwa vier bis sechs Wochen, bis das Baby selber Babyzeichen zeigt. In dieser Zeit lernt es, Worte mit Handzeichen zu verbinden und zu verstehen, wozu die Zeichen nützlich sind. Von den Eltern ist in dieser Zeit vor allem eines gefragt: Geduld. Nicole Jucker: «Ich habe Céline das erste Babyzeichen vorgezeigt, als sie neun Monate alt war. Aber irgendwie interessierte sie sich nicht sonderlich dafür. Sie war viel zu sehr mit dem Kennenlernen, Entdecken und Auseinandernehmen ihrer Spielsachen beschäftigt. Jetzt ist sie vierzehn Monate alt und wendet schon drei Zeichen an: Schwein, Mütze und Schlafen. Sie kam nach drei Monaten plötzlich mit dem Zeichen für «Schwein» daher und ich merkte, dass sie sich doch für die Babyzeichen interessiert hatte, auch wenn ich nicht den Eindruck hatte, und jetzt legen wir natürlich richtig los. Wahrscheinlich kommt als nächstes «mehr», sie findet es ganz toll, wenn ich es ihr zeige.»

Babys Welt
«Die Babyzeichen lassen mich viel intensiver in die Welt meiner kleinen Tochter Einblick nehmen», sagt Andrea Wernas, Mutter der einjährigen Tamina. «Sie zeigt das Zeichen für Blume, wenn sie eine schöne Blume sieht und ich kann darauf eingehen und mit ihr über die Blume sprechen, die es ihr in diesem Moment angetan hat. Ich wäre an dieser Blume einfach vorbei gegangen und hätte sie nicht einmal bemerkt.» Das bereichert auch die Erwachsenen: Wieder einmal den kleinen, so selbstverständlich gewordenen Dingen im Leben mehr Beachtung zu schenken und sich darüber zu freuen.

Wir hören keineswegs auf zu sprechen, wenn wir unsere Sprache mit Handzeichen unterlegen. Das Gegenteil passiert: Wir nehmen die Inputs unseres Babys auf und unterhalten uns intensiv mit ihm. Wir baden unser Baby in Sprache und teilen gemeinsam die Aufmerksamkeit. Darum ist die Sorge unbegründet, die Babys könnten sprechfaul werden. Wann ein kleines Kind zu sprechen beginnt, hängt allein von seinem Entwicklungsplan ab. Es ist nicht möglich, es vom Sprechen lernen abzuhalten, erst recht nicht, wenn es mit den Babyzeichen noch intensiver in die Sprache einbezogen wird.

Ganz wichtig ist, aus den Babyzeichen kein Frühförderprogramm zu machen. In der Zeit, in der die Eltern die Zeichen vorzeigen, vom Baby aber noch keine Reaktion kommt, helfen sie dem Baby, ihre Aussagen besser zu verstehen, das Schlüsselwort einfacher heraus zu hören und letztlich Sprache als solches besser zu erfassen. Waren Sie schon einmal in einem Land, dessen Sprache sie nicht verstanden? Hätte es Ihnen geholfen, wenigstens ein Handzeichen pro Satz zu sehen?

Wohl das Schönste an der Sache ist, dass das Lernen ganz ohne Druck wie von selber geschieht und erst noch allen riesigen Spass á macht. Denn wo man miteinander spricht und sich austauscht, da wird auch viel gelacht.

Wann beginnt man am besten?
Wenn das Baby nach den ersten Monaten aus seiner Babywelt aufwacht und immer aktiver an unserer Welt teilnimmt, erweckt in ihm auch das Verlangen nach Kommunikation. Ab ungefähr sechs Monaten möchte es ausdrücken können, dass es Hunger hat oder den Nuggi sucht, das Telefon sehr interessant findet oder noch mehr gekitzelt werden will. Sobald das Baby zwischen sechs und neun Monate alt ist, kann man starten.

Fingerzeig «daaa!»
Natürlich kommen alle Babys schon sehr weit, wenn sie ihren Zeigfinger ganz vehement auf ihr Objekt der Begierde richten. Jedem Erwachsenen ist dann klar, was das Kleine haben will. Durch das höfliche Zeichen für «bitte» begleitet fühlen sich Erwachsene in dieser Situation nicht herumkommandiert und erfüllen Babys Wunsch noch lieber. Was aber, wenn es auf das, was es gern hätte, gar nicht zeigen kann? Wenn es zum Beispiel noch einmal vom gestrigen Zoobesuch erzählen und hören möchte, vom Tiger, den lustigen Affen und dem grossen Elefanten? Darauf kann es nicht zeigen, aber ein Gespräch beginnen, indem es «Elefant» zeigt.

Miteinander sein, miteinander kommunizieren
Babyzeichen eröffnen den Eltern und ihren Babys die Möglichkeit der Interaktion und des gegenseitigen Verstehens. Das heisst, nicht nur die Eltern beginnen Gespräche, sondern auch die Babys, und das sehr konkret: Sitzt ein Baby im Stühlchen und entdeckt draussen auf der Wiese eine Katze, zeigt es «Katze» und beginnt mit diesem Input ein Gespräch. Die Eltern werden nun mit dem Baby über diese Katze sprechen, wie schwarz und weich ihr Fell ist, ob sie wohl auf Mäusefang ist usw. Das Miteinandersprechen hängt jetzt also nicht mehr nur von den Eltern ab. Das Baby hat eine ganz zielgerichtete Möglichkeit, sich in die Kommunikation einzubringen oder sie sogar zu starten.

Babyzeichensprache für die ganze Familie
Je mehr Familienmitglieder die Babyzeichen kennen und anwenden, desto einfacher kann sich das Baby in seinem engsten Umfeld verständigen. Sogar die grösseren Geschwister finden Gefallen an den einfachen Handzeichen und beziehen sie gern ein, wenn sie dem kleinen Brüderchen oder Schwesterchen etwas erklären. Und Krippenbetreuerinnen sind sicher auch gern bereit, ein paar Zeichen zu lernen, mit denen sie das Baby besser verstehen können.

In der Schweiz ist das Anwenden von Babyzeichen noch eine sehr neue Idee und es kann schon vorkommen, dass man an der Bushaltestelle komisch angeschaut wird, wenn man seinem Kind das Auto, den Bus, den Lastwagen und das Motorrad erklärt. Wer den Sinn dieser Kommunikationshilfe erfahren hat, wird den Nutzen höher einschätzen als schiefe Blicke. Im gesamten englischsprachigen Raum gehören die Babyzeichen inzwischen in fast jede Familie und zum Alltag mit Babys.

Gebärdensprache für hörende Kinder?
Die Babyzeichen basieren auf der Gebärdensprache. Weil es in der Gebärdensprache für den Begriff «Wasser» mehrere Gebärden gibt, hat man jene als Babyzeichen ausgewählt, welche von den Babys mit ihrer noch unausgereiften Motorik am einfachsten nachzuahmen sind. Die Gebärdensprache besteht anders als die Babyzeichen nicht nur aus einzelnen Gebärden, sondern ist eine eigenständige Sprache mit eigener Grammatik und Kultur. Gehörlose gebärden also nicht Begriff für Begriff, sondern bilden mit ihren Händen komplette Sätze, die ganz bestimmte Strukturen haben.

Behindert es mein Kind nicht, wenn ich mit ihm Zeichen aus der Gebärdensprache benutze? Nein, das ist nicht der Fall, weil man ganz normal mit dem Kind spricht und ihm zur Erfassung der Schlüsselworte unserer Aussagen eine visuelle Unterstützung in Form eines Babyzeichens gibt. Dank dieser Unterstützung kann sich das Baby ein neues Wort besser merken und sich später auch besser dran erinnern. Man bietet dem Baby also an, auf verschiedenen Lernkanälen aktiv Neues zu verarbeiten und abzuspeichern. Und begleitet es so optimal in seinem Lernen. Denn durch die Verbindung des akustischen und des visuellen Reizes werden beide Hirnhälften angesprochen, was zu einer allgemeinen Erhöhung der Lernfähigkeit führt.

Früher hat man auch keine Babyzeichen gebraucht ...
Ja, das stimmt, aber nur bedingt. Wie eingangs erwähnt, zeigen wir alle unseren Babys mit den Händen Zeichen vor, welche sie nachahmen. Und das war schon immer so, auch vor mehr als hundert Jahren. Wieso also nicht einfach
das Repertoire ein wenig erweitern und dem Baby weitere nützliche Zeichen zur Verfügung stellen?



erstellt von CORINE VERNA