Wissen, das Leben rettet - Notfälle bei Kleinkindern

Notfälle im Kindesalter stellen für Eltern, Erziehende und Ersthelfer eine besondere Belastung dar. Zum einen sind Eltern durch Unfälle und akute Erkrankungen bei Kindern emotional stärker berührt als in Notfällen bei Erwachsenen.

Zum einen sind Eltern durch Unfälle und akute Erkrankungen bei Kindern emotional stärker berührt als in Notfällen bei Erwachsenen. Zum anderen verlangen Gegebenheiten des kindlichen Körpers eine dem Alter angepasste Behandlung. Die Zürcher Samaritervereine bieten als einzige Non-Profit-Organisation im Kanton Kurse für Nothilfe bei Kleinkindern an. Diese verschaffen Sicherheit und vermitteln richtiges Handeln in kritischen Situationen. Der Besuch bei einem engagierten Kursleiter in Winterthur zeigt uns die Wichtigkeit eines solchen Kurses ein Bericht.

Markus Amrein ist Samariter sowie dipl. Rettungssanitäter SRK - und mit Herzblut dabei. Ein Helfer, wie es im Buche steht, der nicht nur Leben zu retten ins Zentrum seines Handelns stellt, sondern Prävention fördert, indem er seine Erfahrungen und sein Wissen vermittelt. In seinen Kursen tritt der ausgebildete Samariterinstruktor überzeugend auf und fesselt seine Zuhörerinnen und Zuhörer, wenn er aus seinem Erfahrungsschatz als Rettungssanitäter erzählt. Dies macht die Kursstunden lebendig und die Teilnehmer schütteln oft ungläubig die Köpfe über seine Erlebnisse oder fassen sich erschrocken mit der Hand an die Brust: Was, wenn es mein Kind getroffen hätte?

Sicherheit gewinnen
Die Beispiele von Amrein wirken die Mütter und Väter sind wissbegierig und wollen alle lebensrettende Kniffe und Griffe kennen lernen. In der einleitenden Vorstellungsrunde fällt immer wieder das Stichwort: Sicherheit gewinnen. Denn alle sind sich bewusst, dass mit Kindern Unfälle wie Stürze, Verbrennungen, Vergiftungen und Verschlucken von Gegenständen unvermeidlich sind. Wir müssen unsere Kinder nicht anketten, damit nichts passiert. Besser ist es zu wissen, wie wir stressfrei und vor allem richtig handeln, spornt Amrein die erwartungsvollen Besucherinnen und Besucher an. Denn gelerntes Verhalten im Notfall, steigert die Chance ein Kind vor dem Schlimmsten zu bewahren. Bleibende Schäden oder Todesfälle können so gut abgewendet werden, führt Amrein weiter ins Feld.

Ruhe bewahren und die Situation richtig einschätzen
Amrein spricht die Sprache der Teilnehmer und weiss genau, wovon er erzählt: Bereits bei einem harmlosen Fieberkrampf des Kindes sind viele Eltern überfordert. Viele brechen in Panik aus, anstatt überlegt und ruhig zu reagieren. Auch erläutert er Situationen anhand Fallbeispielen, die er selbst miterlebt hat: Vom Vater, der mit 120 km/h durch die Stadt rast, weil der Sohn am Kopf eine stark blutende Wunde hat und laut sein Leid hinausbrüllt. Die kleine Platzwunde ist innert Kürze genäht, doch was durch diese Überreaktion des Mannes hätte geschehen können, lässt nicht nur Markus Amrein erschauern. Mein Hauptanliegen im Kurs ist es, den Eltern, Grosseltern und Erziehern zu vermitteln, dass Ruhe bewahren und denken vor dem Handeln die wichtigsten Schritte in der Rettungskette sind. Anschauliche Beispiele helfen den Teilnehmern sich in die Situation hinein zu versetzen und so ihren eigenen Gefühlszustand erahnen.

Markus Amrein empfiehlt zudem, schon bei Unsicherheiten die Kinderklinik in der Region anzurufen, wenn der eigene Kinder- oder Hausarzt nicht erreichbar ist. Die Fachperson am Apparat steht mit Rat zur Seite und unterstützt mit präzisen Anweisungen auch bei Notfällen.

Kinder sind nicht einfach kleine Erwachsene
Es lohnt sich, über gewisse anatomische Eigenheiten eines Kleinkindes Bescheid zu wissen sowie entsprechende Behandlungsmethoden zu erlernen: Die kleinen Erdenbürger atmen ausschliesslich durch die Nase; die Brustwand der Kleinkinder ist sehr elastisch; der Kopf ist noch immer verhältnismässig gross im Vergleich zu den restlichen Körperteilen und muss deshalb auch bei einem Notfall spezifisch gehalten werden. Oder: die Atemfrequenz eines Säuglings ist viel höher, es kann jedoch viel weniger Sauerstoffvolumen einatmen wie nun beatmen? Markus Amrein regt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an, sich mit ihren Kindern in einer ruhigen Minute hinzusetzen und zu beobachten, wieviel und wie schnell die Kleinen atmen, an welcher Körperstelle der Puls gut spürbar ist oder wie der Kopf am Besten entlastet werden kann. Je besser man das normale Verhalten des Kindes kennt, desto eher wird klar, wann eine ungewöhnliche Situation herrscht.

Atmung als zentraler Fokus
Hauptaugenmerk bei Kleinkindern liegt bei der Atmung und deren Störung durch Notfälle, denn die Reserven der Kleinen sind sehr gering, was zu einem Sauerstoff-Mangel im Gehirn führen kann. Die Gefahr der akuten Atemnot darf also nicht unterschätzt werden. In 90 Prozent der Fälle ist der Herzstillstand bei Säuglingen die Folge eines Atemunterbruches. Wichtig ist, dass bereits bei einer Bewusstlosigkeit und/oder einer Atemstörung eines Säugling reagiert wird. Amreins Erfahrung als Rettungssanitäter zeigt immer wieder, dass es sich lohnt, Eltern oder eben Laienhelfer auszubilden, um die ersten Minuten bis professionelle Helfer vor Ort sind, überbrücken zu können. Darum legt er während seines Kurses Hauptschwerpunkt auf den Praxisteil zum Thema Wiederbelebungstechnik: Cardio-pulmonale Reanimation (CPR) oder auch Herz-Lungen-Belebung genannt. Gerade hierzu gibt es wichtige Punkte zu wissen, da sich Kinder deutlich in Atemfrequenz, Atemzugsvolumen, Herzfrequenz und Blutdruck von einem Erwachsenen unterscheiden. Die CPR-Technik bei Kindern ist für Markus Amrein ein Muss für Eltern und Personen, die mit Kindern zu tun haben.

Samaritervereine bieten praxisnahe und günstige Kurse an
Amrein unterrichtet neben den Kursen der Samaritervereine in diversen Institutionen wie Spitäler oder Ausbildungszentren und spricht auf Einladung von Organisationen über das Thema. Zusätzlich ist er als Instruktor für die Aus- und Weiterbildung der Samariterlehrer tätig und sichert somit die Kursqualität in den Vereinen des Kantons Zürich. Solche Kurse, wie Notfälle bei Kleinkinder‘ dürfen übrigens nur von Samariterlehrern mit medizinischem Hintergrund geleitet werden. Ansonsten muss ein Kinderarzt oder eine Kinderkrankenschwester beigezogen werden.

Vor allem die Mund-zu-Mund-Propaganda durch Kursabsolventen und die zahlreichen Vorträge von Markus Amrein im Kanton verhelfen dem einzigartigen Angebot der Samaritervereine zu Teilnehmern. Der Rettungssanitäter weiss dieses rege Interesse auch hoch zu schätzen und ist dankbar für jede Person, die seinen Kurs absolviert hat - trotzdem wünscht er sich, dass sich alle Zürcher Eltern für einen Kurs anmelden zur Sicherheit des Kindes!

Austausch bringen Tipps
Viele Kursteilnehmer geben in der Schlussrunde Feedback, dass sie Dank dieses Kurses Sicherheit und Mut gewonnen haben, künftig richtig zu reagieren. Sie haben im Training die Bestätigung erhalten, dass sie bisher alles richtig gemacht haben. Der Kurs spornt auch an, das Wissen dem direkten Umfeld weiterzugeben. Einen weiteren Punkt setzten die Teilnehmer weit oben auf die Feedback-Liste: Den Austausch mit anderen Eltern über die bisherigen Erfahrungen mit Notfällen während den Kursabenden sowie die wertvollen Bekanntschaften mit Erziehenden aus der Region.


Wenn ein Notfall passiert:

  1. Stopp > was ist geschehen? Wichtig: RUHE bewahren
  2. Denken > was ist zu tun? Patient kontrollieren, abtasten, lagern.
  3. Handeln> Alarmieren, Selbstschutz

Notfall-Nummern:
144 (Rettungsdienst)
117 (Polizei)
118 (Feuerwehr
1414 (Rega)
145 (Toxikologisches Informationszentrum)
112 (internationaler Notruf)

Richtiges Meldungsschema Rettungsdienst:
Wer?
Wo?
Was?
Wann?
Wieviel?
Weiteres?

Atemstillstand beim Kleinkind

  1. Beurteilen: Schreit das Kind? Ist das Kind blass oder blau? Bewegt es sich?

     

     

  2. Atmungsüberprüfung: Das eigene Ohr dicht über Mund und Nase halten, die Atembewegungen am kindlichen Brustkorbbereich sehen, Puls am Innern des Oberarmes ertasten.

     

     

  3. Massnahmen: Atemwege frei machen.

     

     

  4. Beatmung: Zwei bis vier kurze, aber sanfte Atemstösse, bis sich der Brustkorb hebt. Alles zwei Sekunden, also 30-40 Atemstösse in der Minute.


Die Vereine des Samariterverbandes des Kantons Zürich bieten regelmässig Kurse Notfälle bei Kleinkindern an. Unter folgenden Links sind die Zürcher Kursangebote zu finden:

Stadt Zürich:
samariter-zuerich-stadt.ch

Stadt Winterthur:
samariterverein.ch

Region Zürcher Unterland:
abc-samariter.ch

SanArena:
sanarena.ch