Was steht meinem Kind zu?

Nebst der seelischen Belastung, welche eine Familie mit einem Kind mit einer Behinderung erlebt, kommen häufig finanzielle Sorgen dazu. Fragen, die dann auftauchen, können sein: Was steht meinem Kind zu? Und was gilt es wann abzuklären?

Erfährt eine Familie von der Behinderung ihres Kindes, steht die Welt Kopf. Solche Zeiten der grossen Unsicherheiten kennen auch die Fachleute von Pro Infirmis. «Diese Phase stellt eine grosse Belastung für die ganze Familie dar: sowohl für das Elternpaar als auch für die Geschwister und das betroffene Kind», sagt Annette Wilson, Leiterin der Beratungsstelle Pro Infirmis Zürich. «Da ist es sehr wichtig, sich Unterstützung zu holen.» Die Beratung helfe dabei, sich mit all den neuen Fragen nicht allein zu fühlen.

Dschungel der Versicherungen

Nebst den medizinischen Abklärungen machen die finanziellen Aspekte vielen Familien zu schaffen. Eventuell empfiehlt der Kinderarzt eine Frühberatung mit den nötigen therapeutischen Massnahmen wie Physiotherapie oder Logopädie. «Falls ein Geburtsgebrechen im Sinne der  Invalidenversicherung festgestellt wird, gibt es eine Anmeldung an die Invalidenversicherung (IV), und es werden medizinische Massnahmen, später vielleicht auch Hilf losenentschädigung, gesprochen», so Wilson weiter. Die IV übernimmt eventuell Transportkosten zu Therapien oder Hilfsmittel wie beispielsweise Rollstühle. Wilson: «Im Dschungel der Sozialversicherungen ist es wichtig, gut beraten zu sein, um die Ansprüche rechtzeitig anzumelden und Formulare korrekt auszufüllen.»

Unterstützende Massnahmen

Bereits in dieser ersten Zeit ist es wichtig, auch externe Hilfe anzunehmen, um die grossen Belastungen gemeinsam zu bewältigen. Hier kann Pro Infirmis passende Angebote finden, diese organisieren und allenfalls auch Fragen der Finanzierung besprechen. «Manchmal ist auch der Austausch mit anderen betroffenen Familien oder ein Ferienangebot hilfreich», sagt Wilson. Schon früh tauchen Fragen in Bezug auf die Schule auf. Mit dem Volksschulgesetz ist sichergestellt, dass alle Kinder ein Recht auf Bildung haben und eine adäquate Schulung erhalten. Es gibt laut Wilson eine Vielzahl an unterstützenden Massnahmen für Kinder mit besonderem Bildungsbedarf: Der Normalfall ist die Beschulung in der Regelschule, es gibt aber auch Sonderschulen sowie verschiedene unterstützende Massnahmen (Logopädie, Psychomotorik, Audiopädagogik etc). An regelmässigen Standortgesprächen wird die Entwicklung des Kindes mit Eltern, Lehrern und Therapeuten thematisiert.

Pro Infirmis bietet in allen Regionen der Schweiz  verschiedene Dienstleistungen an,  von Beratung bei rechtlichen Themen bis hin zum Entlastungdienst. Auf der Homepage www.proinfirmis.ch sind die je nach Kanton unterschiedlichen Angebote aufgeführt.

Annette Wilson, Pro Infirmis Zürich, Leiterin der  Beratungsstelle Süd, arbeitet seit vielen Jahren als Sozialarbeiterin bei Pro Infirmis.
 
Literatur: Was steht meinem Kind zu? Ein sozialversicherungsrechtlicher Ratgeber für Eltern von Kindern mit Behinderung, Procap, 2015
Unentgeltliche, spezialisierte Sozialberatung durch Pro Infirmis, www.proinfirmis.ch

erstellt von Manuela Bruhin