Traumberuf in Gastgewerbe und Hotelbranche gefunden

In der Hotellerie und Gastronomie warten auf die jungen Berufsleute spannende Herausforderungen. Welche Beweggründe sie für die Wahl der Lehrstelle hatten und wie sie die Übergangszeit erlebt haben, erzählen drei Lernende im Interview.

Tabea J. Hänni, 18 Jahre, Hotel- Kommunikationsfachfrau in Ausbildung


Tabea, du lässt dich zur Hotel-Kommunikationsfachfrau  ausbilden. Zu welchem Zeitpunkt wurde dir klar, dass du später einmal in einem Hotel arbeiten willst?
Schon von klein auf habe ich den Kontakt zu Menschen  gesucht und wollte dies in meinem Beruf ausleben. Als ich das erste Mal in einem Hotel eine Schnupperlehre absolviert habe, wurde mir klar, dass ich diesen Berufsweg einschlagen werde.

Woher kommt deine Leidenschaft für Hotels und Reisen an sich?
Mit meiner Familie bin ich sehr oft gereist. Den Umgang mit den Gästen und das ganze Prozedere von der Zimmer-Anfrage bis hin zum Check-Out finde ich sehr spannend. Das Fremde hat mich immer fasziniert und in diesem  Beruf komme ich mit Menschen aus der ganzen Welt und aus verschiedenen Kulturen in Kontakt. Das gefällt mir.

Handwerkliche Berufe kommen immer mehr «aus der Mode» –viele entscheiden sich für ein Studium. Was hat dich von deinem Beruf überzeugt?
Meiner persönlicher Erfahrung nach habe ich bisher nur vom praktischen Teil meiner Ausbildung profitieren können. Das Denken von jemandem, der studiert oder jemandem, der eine praktische Ausbildung gemacht hat, finde ich sehr unterschiedlich. Mir entspricht das praktische  Arbeiten mehr. Ausserdem mag ich den Wechsel zwischen der Arbeit im Betrieb und der Zeit in der Schule. Das  ergänzt sich super. Ich glaube, dass ich damit am Ende  meiner Ausbildung gut für die Arbeitswelt gewappnet sein werde.

Wie haben dich deine  Eltern bei der Berufswahl unterstützt?
Sie haben mich immer motiviert, etwas komplett Neues und anderes auszuprobieren. Als ich entschieden habe, in die Hotellerie zu gehen, haben sie mir bei den Bewerbungen, dem korrektem Auftreten bei der Schnupperlehre bis hin zum Unterscheiben vom Arbeitsvertrag geholfen und mich begleitet.

Du hast die Zeit des Schnupperns und Bewerbens also  positiv in Erinnerung?
Ich konnte so viele verschiedene Einblicke ins Berufsleben gewinnen – bis mir klar wurde, was ich tun oder nicht tun will. Es war gut, dass ich in verschiedene Branchen hineingeschaut habe. Das hat sehr geholfen. Zwischendurch war es aber auch kräftezehrend, weil irgendwo immer das  Ungewisse war und ich mir noch nicht sicher war, was ich lernen möchte. Meine persönliche Erfahrung beim Schnuppern war: «Der erste und letzte Eindruck zählt.» Es ist jedoch wichtig, sich selbst zu sein. Interesse zeigen,  Fragen stellen und auch versuchen, mitzudenken. So sieht auch der Arbeitsgeber, dass du dein Bestes gibst und auch hier sein willst.

Wie schwierig war es für dich, die passende Lehrstelle zu finden?
Als ich die Richtung wusste, ging es eigentlich recht schnell. Ich schnupperte Hotel-Kommunikationsfachfrau in einem Hotel in Grindelwald und bewarb mich auch dort. Leider war die Lehrstelle schon vergeben und es  wurde auch keine weitere bewilligt. Deshalb hat der Chef mich dann beim Aspen in Grindelwald empfohlen. Darauf hin konnte ich mich dort vorstellen und schnuppern  gehen. Das hat auf beiden Seiten gepasst und so habe ich meine Lehrstelle erhalten.

Der Übertritt von der Schule zur Berufslehre ist ein grosser Schritt. Wie hast du es erlebt? Bei dir lief es ja ein wenig «anders», da du zu Hause unterrichtet wurdest.
Vor der Lehre war ich noch nie in einer obligatorischen Schule oder einem normalen Klassenzimmer. Da mein  Arbeitsplatz nicht in der Nähe von meinem Elternhaus ist, musste ich allein in ein Studio ziehen, damit ich näher bei der Arbeit war. Das war nicht immer leicht. Aber mir hat es trotzdem gefallen und mein Umfeld hat mich gut bei der grossen Veränderung unterstützt. Am Anfang war ich oft müde, aber nach ein paar Wochen ging es dann schon viel besser und ich gewöhnte mich an den Arbeitsalltag.

Also auch an die unregelmässigen Arbeitszeiten?
Es hilft, wenn man mit diesen unregelmässigen Arbeitszeiten ein wenig flexibel ist und sich gut anpassen kann. Ein Hobby weiterhin auszuleben, wird eher schwierig, wenn man bei dem an gewisse Zeiten gebunden ist. Kollegen und Freunde zu finden, die in derselben Branche tätig sind, hilft ebenfalls. Sie wissen, wie es ist, wenn man zum Beispiel kurzfristig absagen muss.

Hast du irgendwelche Tipps für andere Jugendliche, die derzeit mitten in der Phase der Berufswahl stehen?
Mein Tipp ist: Wähle etwas, wo du dich auch in ein paar Jahren noch sehen kannst und wo du sicher bist, dass dir die Berufswahl auch später noch gefällt. Wenn du bereits beim ersten Schnuppertag merkst, dass dieser Beruf keine Freude macht, solltest du das nicht drei oder vier Jahre  machen müssen, nur um eine Stelle zu haben. Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten. Deshalb: Suche dir  etwas, was dich interessiert und dir Spass macht. Versuche, Verschiedenes auszuprobieren, sei offen für weitere Entwicklungen.

Joel Sidler, 18, Hotelfachmann EFZ, Zürich

Eine Lehre als Sanitärinstallateur musstest du aus  gesundheitlichen Gründen abbrechen. Nun lässt du dich zum Hotelfachmann EFZ ausbilden. Zu welchem Zeitpunkt wurde dir klar, dass du später einmal in einem Hotel arbeiten willst?
Ich habe mich als Kind schon sehr für die Abläufe im Hintergrund eines Hotels interessiert. Es ist ein tolles Gefühl, die Person zu sein, welche von den Gästen als Teil des  Betriebes wahrgenommen wird.

Woher kommt die Leidenschaft dazu?
Wenn ich jetzt so zurückdenke, merke ich immer mehr, dass ich damals ziemlich fasziniert gewesen sein muss – nur schon, wie die Mitarbeiter in ihren Uniformen aus sehen und das Ganze rundherum. Ich denke, die Leidenschaft für die Hotellerie und Gastronomie kommt auch daher, weil ich Essen liebe und bereits früher gerne für meine  Familie gekocht und serviert habe.

Was gefällt dir besonders an der Arbeit als Hotelfachmann?
Für mich ist es ein toller Beruf. Man ist nicht nur vor dem Computer, aber auch nicht ausnahmslos körperlich am  Arbeiten. Diese Mischung finde ich perfekt. Vielleicht schreibt man mal einen Arbeitsplan, mal serviert man  Essen oder macht ein Check-In an der Rezeption. Genau das macht diese Lehre so spannend.

Deine Mutter arbeitet als Lehrerin. Im Hinblick auf die  Bewerbungszeit war dies sicher hilfreich.
Sie unterstützte mich bei den Bewerbungsschreiben. Aber auch die Angebote in der Schule habe ich alle sehr gut  nützen können. Im BIZ (Berufsinformationszentrum) war ich ebenfalls zu Besuch.

Welche Erfahrungen hast du bei den Schnupperlehren  gemacht?
Als ich für meine erste Stelle geschnuppert habe, war ich noch in der Oberstufe. Auf der Suche nach meiner zweiten Lehre war ich schon erfahrener. Es war toll, viele verschiedene Berufe zu sehen. Ich kann es nur jedem empfehlen, so oft es geht zu schnuppern.

Wie schwierig war es im Endeffekt für dich, die passende Lehrstelle zu finden?
Ich war mir bei meiner ersten Lehre, nachdem ich in drei verschiedene Berufe reingeschnuppert habe, sicher. Bei meiner zweiten Lehre war es sofort klar, da ich diesen  Beruf an der Berufsmesse gesehen habe.

Der Übertritt von der Schule zur Berufslehre bringt viele Veränderungen mit sich. Wie hast du es erlebt?
Ich habe überhaupt keine Mühe damit gehabt. Jedoch war ich am Anfang recht oft müde. Dies verschwand aber relativ schnell. Es braucht schon eine gewisse Umstellungszeit. Man sollte einfach nicht zu scheu sein.

Hast du noch weitere Tipps für andere Jugendliche, die derzeit mitten in der Phase der Berufswahl stehen?
Versucht, so oft es geht schnuppern zu gehen. Auch den  Besuch im BIZ und an der Berufsmesse kann ich nur  empfehlen. Wenn mal etwas nicht wie geplant klappen sollte, dürft ihr niemals aufgeben. Es gibt für jeden Wunsch einen Weg. Sucht euch etwas, bei dem ihr euch vorstellen könnt, die Lehrzeit durchzuziehen. Hat man erst einmal ein Diplom, stehen einem unzählige Wege offen. Nichts zu machen, ist das Schlimmste.

Benjamin von Felten, 18, Aarau, Koch in Ausbildung

Dein Vater besitzt ein Restaurant – der Beruf Koch EFZ  wurde dir also quasi in die Wiege gelegt.
Genau. So richtig klar wurde es mir aber erst etwa ein Jahr vor Beginn meiner Lehre. Ich hatte damals noch den Beruf Kleinkindbetreuer im Kopf, habe mich dann aber dazu entschieden, eine Ausbildung als Koch zu beginnen, weil mir das Schnuppern viel mehr Spass gemacht hat.

Welche Erinnerungen hast du, wenn du an deine Kindheit zurückdenkst?
Schon in jungen Jahren machte ich erste Erfahrungen, wie es in einer Profiküche aussieht und wie die Umgangsformen sind. Ich hatte schon mit drei Jahren den ersten Kochlöffel und das erste Messer in der Hand. Ich gehe davon aus, dass ich die Leidenschaft von meinem Papa und von meiner Mutter, die auch immer sehr lecker und frisch kochen, übernommen habe.

Hast du es mal bereut, einen handwerklichen Beruf zu  erlernen?
Ich für meinen Teil kann es nur empfehlen. Ich bin der Meinung, dass es sehr schön ist, Dinge zu erschaffen, die man am Schluss anfassen oder sogar essen kann. Gerade im Beruf Koch kann man seiner Kreativität extrem gut freien Lauf lassen. Ausserdem geniesse ich es, im Team zu arbeiten.

Deine Eltern haben dich also bei der Berufswahl  unterstützt?
Ja. Ganz egal, um welchen Beruf es sich gehandelt hat, ich habe mit meiner Mutter Bewerbungen geschrieben, Betriebe gesucht und meine Eltern konnten mir sehr gute Tipps  geben, wie ich mich in der Schnupperlehre am besten  verhalte. In der Schule wurde uns erklärt, wie man eine  Bewerbung schreibt und unsere Lehrer haben uns nützliche Tipps gegeben.

Welche Erfahrungen hast du in der Schnupper- und  Bewerbungszeit gemacht?
Ich weiss noch, dass ich vor jedem Schnuppern extrem aufgeregt war und immer alles richtig machen wollte – was mir logischerweise nicht immer gelungen ist. Ich habe  gemerkt, dass es in diesem Beruf extrem auf das Team  ankommt. Ich habe in fünf verschiedenen Betrieben geschnuppert und von einem ganz strikten Arbeitsverhältnis bis zu der quasi kleinen Familie war alles mit dabei.

Wie schwierig war es für dich, die passende Lehrstelle zu finden?
Da ich stets motiviert war, was glaube ich das Wichtigste während einer Schnupperlehre ist, hatte ich überhaupt  keine Mühe, etwas zu finden. Ich konnte am Schluss zwischen vier Betrieben auswählen.

Als es schliesslich «ernst» galt und du mit deiner Lehre gestartet bist, wie kamst du mit den Veränderungen  zurecht?
Gut. Ich habe mich noch während der Schulzeit sehr auf das Berufsleben gefreut. Zudem half ich immer wieder in meinem Lehrbetrieb aus. Somit war dieser Schritt für mich keine grosse Herausforderung.

Als Koch musst du abends oder am Wochenende arbeiten. Gelingt dir das leicht?
Ich muss ehrlich sagen, dass ich vor allem am Anfang Mühe hatte, mich an diese Arbeitszeiten zu gewöhnen. Mein Freundeskreis hat sich seit der Lehre sehr verkleinert, da ich einfach nicht mehr genug Zeit hatte, diesen zu pflegen. Das beruhte aber, glaube ich, auf Gegenseitigkeit. Das ist nicht nur auf den Beruf als Koch zurückzuführen, sondern die generelle Umstellung von der Schulzeit ins Berufsleben.

Hast du irgendwelche Tipps für andere Jugendliche, die derzeit mitten in der Phase der Berufswahl stehen?
Lasst euch von niemandem beeinflussen – weder von  euren Eltern, Geschwistern oder sonst irgendjemandem. Macht das, was euch Spass macht. Etwas, für das ihr Motivation habt, denn ohne werden drei oder vier Jahre Lehre extrem hart.

erstellt von Manuela Bruhin