Träumen, erfinden, spielen

Spielen macht Spass, ist kreativ und regt zum Denken an. Auf dem Spielmarkt gibt es immer wieder neue Spiele aus den verschiedensten Kategorien. Wie entsteht ein neues Spiel und was macht ein gutes Spiel aus? Einer, der sich mit Spielen auskennt, ist der 43-jährige Softwareentwickler und Spielautor Moritz Wittensöldner aus Trogen im Kanton Appenzell Ausserrhoden. Er erfindet mit viel Leidenschaft Holzspiele mit Köpfchen.

Früher tourte Moritz Wittensöldner als Musikkabarettist zusammen mit Manuel Stahlberger als «Mölä und Stahli» durch die Schweiz. Im Gegensatz zu Manuel Stahlberger verliess Moritz Wittensöldner die Bühne und widmete sich anderen Projekten. So erfindet er seit 12 Jahren Holzspiele. «Begonnen hat es mit einem Traum», erzählt Moritz Wittensöldner. Er träumte von Türmen aus schwarzen Holzplättchen, die sich bewegen liessen. Der Traum begleitete ihn ein paar Tage und er erzählte Filmemacherin und Tanzfrau Claudia Roemmel davon. Gemeinsam begannen sie, auf der Grundlage dieser Bilder ein erstes Spiel zu entwickeln. Aus dem Traum entstand das dynamische Memoryspiel dynamory. Das Spiel gefiel den beiden so gut, dass sie beschlossen, es zu veröffentlichen und den Kleinverlag arte ludens zu gründen.

Holzspiele statt Computerspiele
Moritz Wittensöldner ist Informatiker. Da hätte es ja eigentlich auf der Hand gelegen, Computerspiele zu entwickeln, die bei Kindern und Jugendlichen heute sehr gefragt sind. Er entschied sich aber für Holzspiele. «Ich sehe den Computer als geniales Werkzeug, da das Gerät sehr vielseitig einsetzbar ist», meint Moritz Wittensöldner. In der Freizeit beschäftigt er sich lieber mit handfesten Dingen wie zum Beispiel Gartenarbeit oder eben Holzspielen. «Die Abwechslung zwischen virtuell und real macht das Leben spannend», so Wittensöldner. Zudem seien Holzspiele nach wie vor gefragt, das stelle er jeweils an Spieleveranstaltungen fest. «Holzspiele werden oft von pädagogischer Seite geschätzt oder von Menschen, die genug von Plastikspielzeug haben », sagt er. Auch er spielt lieber mit Holz, aber natürlich müsse das Spiel in erster Linie spannend sein.

Kreativer Prozess
Am Spieleentwickeln fasziniert Moritz Wittensöldner vor allem, wie man mit wenig Material und einfachen Regeln anspruchsvolle Spiele kreieren kann. Er spielte als Kind oft in der Familie und auch noch im Teenageralter. Erst Jahre später erwachte die Freude am Spielen mit dem Spieleentwickeln wieder. Seine Ideen erhält Moritz Wittensöldner auch, wenn er in der Natur unterwegs ist. Manchmal ist auch ein Spielmaterial der Auslöser. Etwa, als bestellte Spielsteine die falsche Farbe hatten und er extra für diese Spielsteine ein neues Spiel erfand. «Die Konzeptphase für ein gutes Spiel soll nicht länger als zwei Wochen dauern», erklärt Moritz Wittensöldner. Danach gehe es darum, die Regeln aufzuschreiben, das Spiel zu testen und das Spielmaterial herstellen zu lassen. Bis ein neues Spiel spielfertig ist, dauere es sechs bis 12 Monate.

Clever, spannend, herausfordernd
«Wir lieben Spiele, die das Gehirn herausfordern und auch nach x-mal spielen noch interessante Wendungen nehmen », sagt Moritz Wittensöldner. Für ihn hat Spielen auch eine psychologische Komponente: «Ich bin beim Spielen viel gemeiner und kompromissloser als im richtigen Leben. Das Spiel gibt mir die Möglichkeit, Verhaltensweisen auszuprobieren, die ich mich sonst nicht traue», erklärt Wittensöldner. «Wenn ein Kind spielt, lernt es dabei immer etwas», ist er überzeugt. Bisher hat arte ludens 9 Spiele veröffentlicht und das Feedback war durchwegs positiv. Pro Jahr verkaufen sie rund 300 Spiele.

 

 

erstellt von Tanja Millius