Tierische Begleiter mit positiven Nebenwirkungen

Haustiere sind in vielen Haushalten treue Begleiter und lieb gewonnene Familienmitglieder. Ob Hund, Katze oder Hamster – der Umgang mit Tieren wirkt sich positiv auf die Entwicklung der Kinder aus. Deshalb kommen immer häufiger auch Hunde im Schulunterricht zum Einsatz.

Yakari ist ein zweijähriger, mittelgrosser Windhund und der Liebling in der Klasse von Andrea Hintermüller. Die Lehrerin für Mittelstufenschüler an der Primarschule in Meilen absolviert mit ihrem Hund die Ausbildung zum Schulbegleithundeteam. An ihrer Schule kommt der Hund im Rahmen eines Pilotprojekts zum Einsatz. «Die Kinder freuen sich immer, wenn ich meinen Hund mit ins Klassenzimmer bringe», erzählt Andrea Hintermüller. Ihr Hund wird in einzelnen Lernsequenzen gezielt im Unterricht eingesetzt. Die Kinder entwickeln im Umgang mit Yakari Empathiefähigkeit und das Verständnis für ein soziales Lebewesen. «Die Anwesenheit von Yakari im Klassenzimmer wirkt sich positiv auf das allgemeine Wohlbefinden aus und begünstigt eine entspannte Arbeits- und Lernatmosphäre. Weiter beobachte ich, wie Kinder, die sich selber noch schwer einschätzen können, durch die Kommunikation mit dem Hund sich besser kennenlernen und ihr Selbstwertgefühl dadurch gesteigert wird. Ruhigere Kinder kommen mehr aus sich heraus und können ihre Kontaktfähigkeiten verbessern. Zuweilen übermässig aktive Kinder lernen, sich vermehrt zurückzunehmen. » Aus Sicht von Andrea Hintermüller sind bei der Einführung eines Klassenhunds eine sorgfältig geplante und umsichtige Projektführung, das persönliche Engagement der Klassenlehrperson sowie die Begleitung und Unterstützung durch den Fachverband wichtige Voraussetzungen.

Hunde im Schulzimmer

Seit sechs Jahren setzt sich der Verein Schulhunde Schweiz für den Einsatz von Hunden an Schulen ein. Die Mitglieder des Vereins sind ausgebildete Lehrpersonen oder Sozialund Heilpädagoginnen, die sich für die Arbeit mit Hunden weiterbilden. Zu ihnen gehört zum Beispiel auch Carmen Stoob aus Hombrechtikon. Die ehemalige Primarlehrerin arbeitet heute ausschliesslich mit ihrem Hund Malou, einem Entlebucher Sennenhund, projektbezogen im Auftrag von Schulen. Weshalb setzt sich der Verein für den Einsatz von Hunden an Schulen ein? «Auch in unseren Nachbarländern Deutschland und Österreich sind Schulhunde bereits seit über zehn Jahren ein wichtiges Thema, das in letzter Zeit zusätzlich an Bedeutung gewonnen hat. Wir wollen, dass auch viele Schulkinder in der Schweiz die Möglichkeit haben, positive Erfahrungen mit Hunden zu machen», erklärt das Vorstandsmitglied Carmen Stoob. Bevor ein Hund im Schulunterricht eingesetzt wird, braucht es die Einwilligung der Schulleitung und eine Information der Kinder und Eltern. Die Lehrpersonen vermitteln den Schulkindern im Vorfeld die wichtigsten Regeln im Umgang mit dem Hund. Dann wird das Tier in die Klasse eingeführt. Mit ersten Spielen machen sich die Kinder mit dem Hund vertraut – zum Beispiel, indem sie einen Beutel verstecken, den der Hund dann suchen muss. Später folgen interaktive Spiele, bei denen der Hund beispielsweise zwischen den Beinen der Kinder hindurchläuft. «Die Kinder lernen das Verhalten und die Sprache des Hundes kennen. Gleichzeitig entsteht ein Vertrauensverhältnis zwischen Hund und Kind», sagt Carmen Stoob. Wichtig sei, das Programm dem Hund anzupassen. Denn nicht jedes Tier eigne sich gleich gut für gewisse Aktivitäten.

Einfluss auf Konzentration und Sozialverhalten

Die Wirkung der Hunde auf die Kinder sei immer wieder verblüffend, findet Carmen Stoob: «Allein die blosse Anwesenheit des Hundes im Klassenzimmer führt dazu, dass sich die Kinder besser konzentrieren und ruhiger werden – auch solche, die sonst Konzentrationsprobleme haben.» Dadurch verbessere sich meist auch die Lernleistung. Weiter beeinflusse das Tier das Sozialverhalten der Kinder untereinander. Indem sie sich gemeinsam um das Tier kümmern, schulen sie – so Carmen Stoob – gleichzeitig den sozialen Umgang untereinander. Ferner steige das Selbstwertgefühl eines Kindes, wenn es zum Beispiel für den Hund Wasser holt oder ihn führen darf. Und schliesslich beeinflusst der Kontakt mit dem Tier auch das Sprachverhalten: «Die Kommunikation mit dem Hund ist eine andere als jene zwischen zwei Menschen. Es braucht Einfühlungsvermögen und Empathie. Dies wirkt sich meist auch positiv auf das allgemeine Sprach- und Sozialverhalten aus», sagt Carmen Stoob.

Pädagogische und therapeutische Effekte

Wie wertvoll Tiere für Menschen und insbesondere für Kinder sind, zeigen zahlreiche Studien und Untersuchungen. Karin Freiburghaus etwa beschäftigte sich an der Fachhochschule Nordwestschweiz mit der Wirkung von Tieren in stationären Kinder- und Jugendeinrichtungen. Dabei stellt sie fest: «Tiere in der stationären Kinder- und Jugendhilfe sind insofern von Bedeutung, dass sie für Kinder eine Art Schutzfaktor sein können und die Professionellen der sozialen Arbeit darin unterstützen, den Kindern Stabilität zu bieten. Ausserdem fördern sie die kindliche Entwicklung im motorischen, sozialen, emotionalen und kognitiven Bereich.» In diesem Sinne schlägt Karin Freiburghaus vor, die Lebensgestaltungskompetenz von Kindern durch den Einsatz von Tieren und den Bezug zur Natur an Schulen zu fördern. Anke Prothmann von der Kinderklinik und Polyklinik der Technischen Universität München untersuchte die pädagogischen und therapeutischen Effekte von Tieren auf Kinder. Demnach haben Tiere einen direkten Einfluss auf das Selbstbewusstsein, die Empathie und das Sozialverhalten des Kindes. Innerhalb der Familie führe die Anwesenheit eines Tieres zu einem grösseren familiären Zusammenhalt, zu einer Zunahme sozialer Aktionen und habe eine schützende Wirkung, vor allem in schwierigen Familienverhältnissen. «Kinder mit Heimtierkontakt sind weniger aggressiv, verantwortungsbewusster, seelisch ausgeglichener, fürsorglicher und schneiden bei Teamaufgaben besser ab», sagt Anke Prothmann. Neben den sozialen und psychologischen Aspekten ist auch die physische Wirkung von Tieren auf den Menschen nicht zu unterschätzen. In zahlreichen wissenschaftlichen Beiträgen und Büchern ist zu lesen, dass schon die reine Anwesenheit von Tieren oder das Streicheln eines Hundes blutdrucksenkende Wirkung auf das Kreislaufsystem des Menschen haben. Auch konnte festgestellt werden, dass Tierhalter sich langfristig einer besseren Gesundheit erfreuen und weniger Arztbesuche benötigen.

Keine leichtfertige Entscheidung

Jedes Tier ist anders. Und nicht jedes Tier eignet sich für Kinder und Familien. Bevor man sich für ein Tier entscheidet, sollte man sich mit folgenden Fragen auseinandersetzen: Bin ich bereit, die nötige Zeit für das Tier während seiner gesamten Lebensdauer zu investieren? Was kostet mich die Haltung eines Tieres? Wie lange und wie oft muss mein Haustier alleine bleiben können? Wer kümmert sich um das Tier, wenn ich verreise? Oder möchte ich meine Ferien mit Hund oder Katze verbringen? Gehe ich gerne spazieren? Soll es ein Haustier für die ganze Familie sein? Macht es uns nichts aus, wenn es zu Hause auch mal unordentlich oder schmutzig ist? Möchte ich mich viel mit meinem tierischen Mitbewohner beschäftigen oder bevorzuge ich ein zurückgezogenes Haustier? «Mit einem Haustier erwarten uns viel Freude, viele bunte Erlebnisse und Kameradschaft, doch gleichzeitig auch viel Verantwortung und Arbeit», sagt Rommy Los, Vorsitzender der Geschäftsleitung des Zürcher Tierschutzes. Denn ein vierbeiniger Freund wünsche sich Pflege und Fürsorge während Jahren und er möchte ein Leben führen, das seinen natürlichen Bedürfnissen entspricht. Deshalb müsse das Tier zu den Menschen, ihren familiären Verhältnissen und Lebensumständen und ihrem Umfeld passen. Eltern sollten sich bewusst sein, dass ein Kind nicht die alleinige Verantwortung für ein Tier tragen kann. Die Entscheidung für ein Haustier sollte deshalb niemals leichtfertig getroffen werden.

Hund, Katze, Maus?

Hunde und Katzen zählen zu den beliebtesten Haustieren. Hunde sind treu und loyal. Sie brauchen viel Auslauf, Beschäftigung und Erziehung. Einige Hunde eignen sich besonders gut als Familienhund, andere sind für Kinder weniger zu empfehlen. Hier gilt es, sich über die verschiedenen Rassen zu informieren. Katzen brauchen nicht ganz so viel Aufmerksamkeit und Beschäftigung wie ein Hund. Wohnungskatzen, vor allem wenn man berufstätig ist, sollten nicht einzeln gehalten werden. Bei einem Haus oder einer Wohnung mit Garten kann die Katze auch rausgelassen werden, sofern die Umgebung für sie ungefährlich ist. Meerschweinchen, Kaninchen und andere Kleinsäuger brauchen ein gesichertes Aussengehege, das gross genug ist für mindestens zwei Tiere. Solche Nagetiere sind oft eine Alternative zu Hunden oder Katzen – und deutlich unkomplizierter in der Haltung. Allergien gegen die Haare bestimmter Haustiere sind weit verbreitet. In solchen Fällen kann ein hypoallergener Hund wie etwa der Labradoodle eine Alternative sein; er ist eine Kreuzung zwischen einem Labrador Retriever und einem Grosspudel. Weniger kuschelig, dafür frei von Haaren, sind Reptilien wie Eidechsen und Schlangen oder auch Fische. Letztere sind für Kinder meist zu wenig spektakulär. «Exotische Tiere sind oftmals schwierig und aufwendig zu halten. Wir empfehlen sie daher nicht als Haustier», sagt Rommy Los.

erstellt von Fabrice Müller, Redaktor Schule + Elternhaus Schweiz