Spritztour mit einer Rakete

Unsere Auto-Testmannschaft durfte für einmal ohne Benzin oder Diesel herumkutschieren. Und zwar in einem Tesla Model X P100D. Um es vorwegzunehmen: Es war ein Erlebnis. Vor allem die Kinder genossen die Fahrt in dem Auto, das für sie so gar nicht wie ein Auto aussieht. Kaum ein Knopf, kaum ein Hebel – nur ein riesiger Bildschirm. Aber natürlich hatte der Tesla mehr zu bieten als nur Optik.

Sprechen wir zuerst über das Geld, um das heikle Thema abzuhaken. Man schwitzt Blut und Wasser, wenn man testhalber in einem Fahrzeug unterwegs ist, das einen Kaufpreis von 176 000 Franken aufweist. Allerdings muss man der Fairness halber sagen: Wir hatten für unsere Mission gewissermassen den «Rolls Royce unter den Teslas» erhalten – oder, wie es der Mann bei Tesla ausdrückte: Das Top-of-the-line-Model. Der Basispreis liegt bei (immer noch stolzen) 147 000 Franken, und in der kleinsten Ausführung mit der Grundausstattung ist der Tesla MX als 75D mit fünf Sitzen für 95 000 Franken erhältlich. Geeignet ist dieser laut Hersteller für Leute, die viel transportieren müssen, Grossfamilien fahren mit dem 7-Sitzer besser, und schliesslich ist auch noch ein komfortabler 6-Sitzer im Angebot. Alles in allem ist ein Tesla für eine Familie nach wie vor kein Schnäppchen, aber wenn Geld nicht das Entscheidungskriterium ist, dann gibt es schon ziemlich viel, was für den «Stromwagen» spricht.

Raumschiff-Feeling

Zunächst einmal sieht ein Tesla – auch wenn es natürlich Geschmackssache ist – im Vergleich zu anderen E-Cars schon ziemlich gut aus. Bei so mancher anderen Marke hat man das Gefühl, es seien nicht nur die fossilen Brennstoffe verschwunden, sondern auch der Sinn für Ästhetik. Die klassische Form, kombiniert mit dem edlen Innern mit seiner totalen Reduktion ist ein Genuss. Das übergrosse Display ist die Schaltzentrale des Wagens. Hier lassen sich Einstellungen vornehmen und Informationen abrufen. Das gibt eine Art «Raumschiff-Feeling». Auch wenn viel Technik in einem Tesla steckt, ist die Bedienung bis hin zum Fahren eine intuitive Angelegenheit. Wir hatten jedenfalls nach der kurzen Einführung keinerlei Probleme. Platz hatte es in unserem Modell ohne Ende. Man hatte das Gefühl, eine Grossfamilie inklusive Gepäck für alle problemlos verstauen zu können. Unser Tesla war ein SUV, der laut Herstellerangaben Wohnwagen ziehen, mit Fahrrädern und Boxen beladen werden kann und so weiter. Neben schön auch praktisch: Das gefällt.

Umfassende Sicherheit

Auch wenn unser Fahrzeug mit allen Extras vollgepackt war, muss gesagt sein, dass auch die standardmässige Ausstattung üppig ist. Man ist auf dem 17-Zoll-Touchscreen permanent mit dem Internet verbunden (Spotify-Account inklusive), das Navigationssystem mitsamt Angabe jeder Ladestation ist makellos, die  «Falcon Wing Doors», die nach oben aufschwingen, fallen auf, sind aber auch praktisch. Gadgets wie der «Bioweapon Defense Mode», der im Auto angeblich selbst bei irgendwelchen Giftgasattacken für Sicherheit sorgen, sind natürlich sehr «amerikanisch», aber hier gilt das Motto: Nützt nichts, so schadet es auch nichts. Ganz allgemein zählt das Model X wie auch das Model S zu den sichersten Autos weltweit, wie Crashtests gezeigt haben – und was Familien sicher gerne hören. Während andere SUV manchmal unter einer gewissen Überrollgefahr leiden, ist das Model X mit einem tiefen Schwerpunkt ausgestattet und hat damit eine gute Strassenlage.Man kommt weit mit einer vollgeladenen Batterie, und die Zahl der Ladestationen in der Schweiz wächst. Tesla arbeitet an der Ausweitung des Netzes mit sogenannten «Supercharcher», an denen man seinen Wagen schneller auflädt. Das Infosystem gibt bei langen Fahrten an, wo sich ein solcher befindet und zeigt gleich auch, welche Möglichkeiten es für die Verpflegung während der Wartezeit gibt oder ob für die Kinder ein Spielplatz vorhanden ist. So kann man sich für die Fahrt in die Ferien perfekt vorbereiten und verliert keine Zeit am falschen Ort. Wir liessen unseren Wagen an einem Vormittag an einer «herkömmlichen » Ladestation angeschlossen und mussten feststellen, dass es doch etliche Stunden dauert, bis die Batterie voll ist. Aber es ist anzunehmen, dass mit dem Vormarsch der E-Cars hier bald Verbesserungen einziehen. Die Reichweite ist jedenfalls gross genug, um die Angst zu bannen, dauernd irgendwo stehen zu bleiben (was einem mit einem Benziner ja auch passieren kann ...).

Aberwitzig!

Der Tesla fährt so gut wie geräuschlos, elegant, er beschleunigt wunderbar und zieht nach wie vor neugierige Blicke auf sich. Stichwort Beschleunigung: Unser Berater führte uns zu Beginn auf einer abgesperrten Strecke kurz vor, was es heisst, wenn man von 0 auf 100 km/h in 3,1 Sekunden beschleunigt. Es ist buchstäblich ein Gefühl wie auf einer Achterbahn, und wir mussten das Ganze auf Drängen der Kinder drei Mal wiederholen, bis ich mit meinen Hilferufen Oberhand gewann. Das Ganze findet bei den Fahreinstellungen im sogenannten «Ludicrous Mode» statt, was auf Deutsch so viel wie «aberwitziger Modus» heisst – und das ist nicht übertrieben. Was wir nicht ausprobiert haben, ist der Modus für Autonomes Fahren. Unser Tesla war mit der entsprechenden Technik ausgestattet, die es dem Fahrzeug theoretisch ermöglicht, selbstständig zu fahren. Wobei das nach geltender Rechtslage natürlich nicht heisst, dass es sich der Fahrer auf der Rückbank bei einem Nickerchen bequem machen kann. Im Einsatz standen aber bei uns natürlich die Fahrassistenztools wie der Abstandspilot. Als Familienauto für die breite Masse dient der Tesla heute aufgrund seines Preises noch nicht. Er wird aber sicher helfen, die Entwicklung familienfreundlicher E-Cars bei den verschiedenen Herstellern zu beschleunigen. Es ist ein Erlebnis, einen Tesla zu fahren, und irgendwann sind die Kinder ja auch aus dem Haus...

erstellt von Stefan Millius