Sicherheit im Kinderzimmer: Ein Frauenthema?

Dass im Kinderzimmer Gefahren lauern, ist bekannt. Interessanterweise haben Frauen diese Gefahren aber eher erkannt als Männer, wie eine aktuelle Umfrage von ÖKK zeigt. Richtet man das Zimmer für die Kleinsten altersgerecht und aus der Kinderperspektive ein, kommt man dem sicheren Kinderzimmer schon recht nahe.

«Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Fischer» - das mag man für eine Binsenwahrheit halten, doch wenn es um die Einrichtung eines Kinderzimmers geht, dominiert meist der Geschmack der Eltern, die Bedürfnisse der Kinder sind zweitrangig. Ein paar einfache Regeln würden aber helfen, das Kinderzimmer wesentlich sicherer zu machen. Denn Kinder verbringen einen Grossteil der Zeit in ihrem Zimmer, egal, ob sie darin nur schlafen oder auch spielen - und egal, ob sie das Zimmer mit Geschwistern teilen oder nicht.

1. Altersgerecht soll's sein
Es lassen sich grob zwei Alterskategorien unterteilen: Kleinkinder bis zwei Jahre haben noch praktisch keine Selbstständigkeit, sie geniessen noch mehr oder weniger einen Fullservice. Sie können im Umgang mit Sicherheit nur wenig geschult werden, deswegen muss auf ihre Sicherheitsbedürfnisse besonders geachtet werden. Ab zwei Jahren kann ihnen ein erster Umgang mit Gefahren beigebracht werden. Overprotecting is over - spielerisches Hinführen ist nachhaltiger und lehrt das Kind, mit den Gefahren umzugehen.

2. Gefahren unterscheiden
Dabei ist zwischen zwei Arten von Gefahren zu unterscheiden: Es gibt die kleineren Risiken wie Stolpern und Hinfallen, Einklemmen oder sich an Ecken und Kanten anzuschlagen. Diese alltäglichen Gefahren sind nicht lebensbedrohlich, ganz im Gegensatz zu Strom, Alkohol und Medikamenten, Nadeln oder Magneten, die verschluckt werden können. Während der Umgang mit der ersten Gruppe geübt werden kann, ist es bei der zweiten Gruppe Aufgabe der Eltern, darauf zu achten, dass schlicht und einfach nichts passiert. Gerade der Umgang mit der zweiten Gefahrengruppe setzt ein gewisses Mass an Verständnis voraus, weil da nicht mit der Erfahrung gelernt wird, sondern über Information. Erlebnispfade oder Barfusswanderwege vermitteln schliesslich auch nicht, wie es sich anfühlt, über Glasscherben zu laufen, sondern über Sand, Kies oder Gras.

3. Die Kinderperspektive einnehmen
«Nehmen Sie sich die Zeit und rutschen Sie auf den Knien durch die Wohnung», sagt Steven Fitze, er ist Verkaufsleiter Kinderzimmer IKEA Schweiz. «So sehen Sie, was Kinder sehen.» Hat man einmal diese Perspektive verinnerlicht, kauft man auch Möbel und Accessoires für Kinder anders ein. Das Mobile muss dann nicht mehr von oben, sondern eben von unten gut - sprich: für Kinder interessant aussehen. Und auch die Gefahren kann man so besser abschätzen. Denn oft ordnet man beispielsweise die Kabel nur von oben betrachtet, nicht aber von unten. Von unten bleibt es ein Chaos - und damit eine grosse Gefahr für Kinder.

4. Gefahren zeigen und Erfahrungen machen lassen
Die aktuelle Umfrage von ÖKK zeigt: Das Thema Sicherheit, so finden die Befragten Männer und Frauen ziemlich einhellig, wird allgemein gut bis sehr gut beachtet. Aber: Männer finden es zu 38 Prozent «sehr wichtig», während 58 Prozent der Frauen diese Einschätzung haben. Steven Fitze kann im Alltag das gleiche beobachten: «Männer stellen eher die Eigenverantwortung in den Vordergrund, wollen, dass ihre Kinder lernen, mit Gefahren um zu gehen, währenddem Frauen eher zum Schutzverhalten tendieren.» Der pädagogisch sinnvolle Weg liegt in der Mitte, wie bereits unter dem Punkt der Altersgerechtigkeit ausgeführt: Das Kind lehren, mit Gefahren umzugehen - es gewisse Erfahrungen machen lassen, es aber auch vor grossen Gefahren bewahren.

erstellt von Dr. Peter Werder, Leiter Unternehmenskommunikation ÖKK