Muttermilch - die optimale Nahrung

An der Brust bekommt das Baby alles, was es in den ersten Monaten an Nahrung braucht. Muttermilch ist dem kindlichen Organismus angepasst und enthält alle wichtigen Nähr- und Abwehrstoffe und ist immer in der richtigen Temperatur und keimfrei vorhanden.

Beim Stillen erhält das Kind ausser Nahrung, auch Körperkontakt und Zuwendung - während des Stillens besteht und entsteht ein besonders enges Band zwischen Mutter und Kind.
 
Der wichtige erste Schluck
Gleich nach der Geburt darf das Neugeborene an die Brust der Mutter. Das ist sehr wichtig, denn nun ist der Saugreflex des Kleinen am grössten und das Baby erhält mit der Vormilch (Kolostrum) wichtige Vitamine und Immunstoffe.

Da die Brust bis ca. 72 Stunden nach der Geburt Kolostrum produziert, kommt auch ein Kaiserschnittbaby in den Genuss dieses wichtigen Getränks. In den ersten drei bis fünf Tagen ist noch Kolostrum mit der Milch vermischt, so dass diese cremig aussieht. Später, wenn das Kolostrum sich in reife Muttermilch gewandelt hat, sieht Muttermilch zu Beginn der Stillmahlzeit dünn und wässerig aus. Diese Milch stillt den Durst des Kindes. Nach einigen Minuten Stillzeit wird die Milch cremig und nahrhaft. Am Ende einer Still-mahlzeit ist der Fettanteil in der Muttermilch höher als zu Beginn und die Milch wird manchmal gelblich. Einem Wunder gleich passt sich ihre Zusammensetzung der Entwicklung des Kindes an und stellt so während Monaten die idealste Nahrung dar.
 
Stillen im Krankenhaus und daheim
Mütter, die ihr Baby ambulant oder stationär im Krankenhaus zur Welt bringen, sollten darauf bestehen, dass sie ihr Neugeborenes gleich nach der Geburt an die Brust legen können - heute wird das in den Kliniken sowieso praktisch überall gemacht. Im Spital werden Ihnen die Schwestern am Anfang auch bei Stillproblemen behilflich sein, Ihnen Tipps zur Brustpflege geben und genau zeigen, wie Sie Ihr Kind «anlegen» können. Beim ambulanten Wochenbett und bei einer Hausgeburt ist Ihnen die Hebamme zuhause behilflich. Das Baby sollte nach Bedarf, also immer wenn es Hunger hat, gestillt werden. Anfangs liegt der Stillrhythmus bei vielen Babys zwischen zwei bis drei Stunden. Während der ersten Wochen wird das Stillen einige Zeit in Anspruch nehmen. Machen Sie es sich dabeiso bequem wie möglich, im Sitzen oder im Liegen. Lassen Sie das Baby an beiden Brüsten trinken und wechseln Sie dabei die Reihenfolge ab: zuerst die linke Brust, dann noch die rechte; das nächste Mal zuerst die rechte Brust, dann die linke usw. Achten Sie darauf, dass Ihr Baby zum Trinken Bauch an Bauch mit Ihnen in Ihren Armen liegt. Ohr, Schulter und Hüfte des Babys bilden eine gerade Linie, die Nase und das Kinn des Kindes berühren die Brust der Mutter. Das Baby soll fast den ganzen Brustwarzenhof im Mund haben, um effizient und korrekt trinken zu können. Nach dem Trinken lassen Sie das Baby aufstossen - durch das Trinken schluckt es vielleicht Luft und das wiederum kann zu Blähungen führen, die das Kind plagen. Aber nicht alle gestillten Kinder müssen aufstossen.
 
Stillschwierigkeiten
Manchmal geht die Milch ohne ersichtlichen Grund zurück. Überanstrengung, Aufregung, Stress und Kummer können Gründe dafür sein. Setzen Sie Ihr Kind trotzdem oder sogar häufiger an, die Erfahrung zeigt, dass die Milch wiederkommt. Gönnen Sie sich etwas mehr Ruhe, achten Sie auf eine gesunde Ernährung und vergessen Sie nicht, möglichst viel zu trinken, dadurch wird die Milchproduktion wieder angeregt. Dass die Brustwarzen während der ersten Woche etwas wund sind, ist normal. Drücken Sie nach dem Stillen einige Tropfen Muttermilch aus, verteilen Sie diese auf Ihren Brustwarzen und lassen Sie sie an der Luft gut trocknen. Muttermilch hat einen heilenden Effekt auf das strapazierte Gewebe und wirkt rückfettend. Wenn die Beschwerden innert ca. 5-7 Tagen nicht verschwinden fragen Sie Ihre Hebamme, Mütterberaterin oder Stillberaterin um Rat.
 
Stillen und Arbeiten
Viele junge Mütter möchten nach einigen Monaten ihre Arbeit zumindest teilweise wieder aufnehmen und trotzdem nicht auf das Stillen verzichten. Das ist in der Regel durchaus möglich, erfordert aber etwas Organisation. Je nach Arbeitszeit und Arbeitsort kann das Kind der Mutter zum Stillen gebracht werden oder sie benötigt zum Abpum-pen der Milch eine Brustpumpe. Diese gibt es in verschiedenen Ausführungen und Modellen von der Handbrustpumpe bis zur elektrischen Mietpumpe und ist in Apotheken, Drogerien oder Babyfachgeschäften erhältlich. Tipps zum Abpumpen, Transportieren und Aufbewahren Ihrer Milch gibt Ihnen die Stillberaterin, Hebamme oder Mütterberaterin. Einige fortschrittliche Arbeitgeber stellen ihren Angestellten ein Stillzimmer zur Verfügung, eine ruhige Oase für die Mütter zum Pumpen oder Stillen.
 
Allergien
Wenn Sie oder Ihr Partner an allergischen Krankheiten wie zum Beispiel Heuschnupfen, Asthma oder Ekzemen leiden, wäre es von Vorteil für Ihr Kind, wenn Sie es die ersten sechs Monate ausschliesslich stillen könnten. Ist dies nicht möglich, sind spezielle, hypoallergene Milchsorten als Muttermilchersatz im Handel. Informieren Sie Ihre Ärztin/Ihren Arzt oder Hebamme schon während der Schwangerschaft über Allergien in der Familie. Erkundigen Sie sich bei Ihnen auch nach weiteren vorbeugenden Massnahmen.
 
Stillen ist praktisch
Ein Baby zu stillen, ist etwas Besonderes. Es stellt schon von Anfang an eine innige Beziehung zwischen Mutter und Kind her. Und ist für die Mutter erst noch sehr praktisch: Sie braucht kein Fläschchen dabei zu haben, keine Reiniger, keine Babynahrung und kein Sterilisiergerät. Muttermich ist immer und überall verfügbar, frisch und steril, für das Kind richtig temperiert, ideal zusammengesetzt - und erst noch gratis.

Gemäss den neuesten Untersuchungen soll sich Muttermilch auch günstig auf die Ent-wicklung der Intelligenz beim Baby auswirken, da durch das Saugen die Funktion von Nerven und Muskeln angeregt werden soll. Während der Stillphase ist die Brust bei den meisten Frauen deutlich schwerer. Jetzt benötigt der Busen eine besonders gute Stütze, die ihm den nötigen Halt gibt. Achten Sie beim Kauf eines Still-BHs darauf, dass er nirgends einengt und so den freien Milchfluss nicht beeinträchtigen kann. Frauen mit empfindlicher Brust bevorzugen BHs mit weichen, vorgeformten Cups ohne Nähte. Die Träger sollten breit und weich gepolstert sein. Besonders praktisch sind BHs, die sich dank eines Clip-Verschlusses mit nur einer Hand öffnen lassen. So bleibt Ihr Baby geborgen und sicher in Ihrem anderen Arm. Aus hygienischen Gründen empfiehlt es sich, Stilleinlagen zu verwenden. 

Eine weiterer «Helfer» während der Stillzeit kann ein Stillkissen sein. Bei vielen Frauen kommt er schon in den letzten Wochen der Schwangerschaft zum Einsatz, denn es bietet einen weichen Halt für ein entspanntes Liegen oder Schlafen. Ist das Baby einmal da, passt sich das Kissen an den Körper des Säuglings und ermöglicht so eine bequeme Lage. Achten Sie beim Kauf darauf, dass die Füllung anschmiegsam und aus Mikrokügelchen besteht.
 
Brustpflege
Dass die Brustwarzen in den ersten Stilltagen wund werden, ist normal. Das geht in den meisten Fällen spätestens nach ein paar Wochen vorbei. Mit ein paar Tricks sogar noch schneller.

  • Vor jeder Stillmahlzeit sollten Sie jede pralle Brust mit der Hand ausstreichen und zwar von aussen in Richtung Brustwarze, bis die Milch zu fliessen beginnt.
  • Nach der Stillmahlzeit sollten Sie etwas Muttermilch auspressen und diese an der Brustwarze trocknen lassen. Muttermilch ist nämlich eine gute Brustpflege.
  • In Apotheken und Drogerien erhalten Sie auch spezielle Brustsalben, die aus natürlichen Zutaten bestehen und deren Anwendung unbedenklich ist.
  • Verzichten Sie ab und zu auf einen BH und tragen Sie nur ein T-Shirt oder Pulli auf der Haut. Durch die Reibung mit dem Stoff werden die Brustwarzen auf sanfte Art abgehärtet. 
  • Achten Sie auf die richtige Stilltechnik: Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind nicht bloss die Brustwarze, sondern einen möglichst grossen Teil des Warzenhofs in den Mund nimmt.
  • Harte Stellen in der Brust, sogenannter Milchstau, können mit warmen Kompressen und mit sanften kreisförmigen Massagen wieder zum Verschwinden gebracht werden.
  • Entspannen Sie sich beim Stillen. Oft ist Milchstau auf Stresssituationen zurückzuführen. Legen Sie sich während des Stillens auf die Seite, lassen Sie das Kind friedlich nuckeln, schliessen Sie die Augen - gönnen Sie sich eine Pause. 
  • Falls Ihre Brüste, und nicht nur die Brustwarzen, schmerzen und Sie Fieber bekommen, rufen Sie Ihren Arzt/Ihre Ärztin an. Es könnte sich dabei um eine Brustentzündung handeln.
  • Bei schmerzenden Brustwarzen legen Sie Kamillenwickel oder feuchte Schwarzteebeutel auf. Saughütchen können eine Erleichterung bringen. Wenn die Warzen bluten, so legen Sie vor dem Stillen einen in Gaze verpackten Eiswürfel auf. Dieser stillt den Schmerz und zieht die Blutgefässe zusammen.


Fünf Tipps, damit das Stillen klappt:

  • Der Körper des Babys ist in der Grundposition. Das heisst, das Baby muss den Kopf zum Trinken nicht drehen, sein Ohr, seine Schulter und seine Hüfte bilden eine gerade Linie.

  • Die Nase und das Kinn des Neugeborenen sind mit der Brust in Kontakt.

  • Das Baby hat fast den ganzen Brustwarzenhof im Mund.
  • Die Lippen des Kindes sind nach aussen gestülpt.
  • Das Baby liegt so an der Brust, dass es den Kopf zum Trinken
    leicht anheben muss (es kann so gut saugen und schlucken).


Rat für stillende Mütter

Die Still- und Laktationsberaterin IBCLC hat in der Regel eine Ausbildung in einem Pflegeberuf und hat in international anerkannten Kursen ihre Zusatzqualifikation erworben. Sie berät Frauen im Spital, in der Praxis oder im Ambulatorium und macht auf Wunsch auch Hausbesuche. Die Krankenkassen vergüten in der Grundversicherung 3 Stillberatungen. Auskunft über Stillberaterinnen in Ihrer Nähe erteilt der Berufsverband Schweizerischer Stillberaterinnen IBCLC, stillen.ch



 

 

http://www.holle.ch/

erstellt von Christa Müller-Aregger