Mamaaempf muss man nicht mögen

„Ein Hund, ein Haus, ein Mann und drei Kinder!“ – eigentlich war das gar nicht so mein Ding. Nicht weil ich mir nicht vorstellen konnte Mama zu werden oder der Aufgabe nicht gewachsen zu sein, eine Familie zu haben. Nein, eher weil es für mich unmöglich war, dass die laute Nina, die gerne Wein mit Freunden in allen Bars Hamburgs trink und für die sich fest an etwas zu binden in weiter Ferne lag, ¬eine 180-Grad-Wende macht um jetzt hier zu stehen. In meinem neuen, echten und tollen Leben.

Einem Leben, in dem ich mir einen Hund, ein Haus und drei Kinder sehr gut vorstellen kann. Es ist noch gar nicht so lange her, da habe ich einen Mann getroffen, der mein Sein komplett verändert hat und nicht nur das, er wird nun auch der Vater meines Kindes. Im September werden wir Eltern und freuen uns jeden Tag aufs Neue über diese Aufgabe, die vor 5 Monaten begonnen hat und mich vollkommen erstaunt. Auf Mamaaempf berichte ich von meiner Schwangerschaft, den Höhen und besonders auch den Tiefen. Was machen diese 10 Monate eigentlich aus? Abgesehen davon, dass ein wundervolles Wesen in mir wächst, auch Haarausfall, Verstopfungen und Angst vor der großen Verantwortung.
Aber wieso bin ich nicht so eine Frau, die jeden Tag davon redet, wie toll alles wird? Weil es nicht nur toll wird. Ich habe unglaublichen Respekt vor meinem zukünftigen Leben. Wenn ich beim Autofahren mich nicht nur darum kümmern muss keinen Unfall zu bauen, sondern gleichzeitig ein Baby beruhige. Wenn ich nachts die vollen Windeln wechseln muss, obwohl ich selber superdringend aufs Klo muss. Ich die Klassenfahrten und teuren Markenschuhe bezahlen muss. Wenn mein Kind später genauso frech und scheiße zu mir wird, wie ich es wurde. Wenn mein Leben nicht „Nina“ heißt, sondern „Nina+1“.
Und ich finde es toll, dass ich dieses Gefühl von Angst spüre. Ich bin keine Mama, die alles durch die rosarote Brille sehen muss. Ich spüre meinen Körper und meine Empfindung. Ich will mir nicht einreden, dass alles Eins-A laufen wird. Sondern lieber darauf gefasst sein, dass alles viel schwieriger wird als jetzt. Ich liebe es, mein Kind in meinem Bauch zu spüren, aber gleichzeitig hasse ich es, dass ich nach 10 Minuten auf dem Stepper das Gefühl habe: Ich sterbe! Oder nachts aufwache, weil es sich so anfühlt, als würde das Baby in meine Wirbelsäule beißen (mit großen, spitzen Zähnen).
Ich bin gelangweilt von den ganzen tollen Schwangerschaftsupdates. Von Verschönerungen, die bei Weichzeichnerfiltern anfangen und falschen Wimpern enden. Ich trage keinen Blumenkranz und meine Schwangerschaft ebenfalls nicht.
Trotz all dieser ehrlichen Worte freue ich mich unglaublich darüber, dass ich dieses Wunder erleben darf. Ich sauge jeden Moment auf und bin dankbar über jedes Zeichen meines Kindes. Ich liebe es jetzt schon so sehr, dass ich nicht weiß, wo dieses Gefühl noch hinsoll.
Ich bin dafür, dass wir alle ein bisschen ehrlich sind und uns mehr auf Tatsachen konzentrieren. Lasst uns träumen und Pläne schmieden, aber nicht von der Wahrheit abkommen. Lasst uns auf unsere Babys freuen, ihnen aber nicht schon im Bauch erzählen, wie toll diese Welt wird. Sie ist toll, aber die Hälfte von ihr besteht aus Hashtags, die uns vorheucheln, dass alles schöner ist, als es gestern war. Lasst uns unsere Schwangerschaft lieben, aber genauso hassen. Lasst uns nicht erzählen, dass wir es besser machen als andere und lasst uns endlich darüber sprechen, dass es nicht nur Zuckerwatte gibt, sondern in jeder Zuckerwatte auch dicke, fette, klebrige Stückchen sind, die sich in die Zähne verkriechen und Löcher fressen. Das gehört dazu und macht alles doch noch einzigartiger.
Ein Hoch auf alle Mütter und welche, die es gerade werden – mit all ihren Ängsten und bedingungsloser Liebe.

 

Weitere Informationen finden Sie unter www.mamaaempf.com