Liebe ganz anders: Zweisamkeit nach der Geburt

Die Geburt eines Babys stellt das Leben junger Eltern vollkommen auf den Kopf. Plötzlich ist da ein kleiner Mensch mit vielfältigen Bedürfnissen, denen Mütter und Väter so gut wie nur möglich gerecht werden wollen. Nächte werden zu Tagen und der gewohnte Rhythmus scheint unerreichbar weit entfernt. Schon im ersten Jahr mit Kind laufen Eltern daher Gefahr, sich im Trubel der neuen Situation zu verlieren. Die Liebe nämlich muss Hürden überwinden und sich verändern, um bestehen zu können.

Die Qualität der Beziehung ändert sich


Zweisamkeit ist vor der Geburt sicherlich keine Mangelware. In vielen Beziehungen haben Partner sehr viel Zeit füreinander, können gemeinsame Restaurantbesuche, Kinoabende und gemütliche Stunden auf der Couch ganz einschränkungsfrei genießen. Auch während der Schwangerschaft ändert sich das nicht, selbst wenn theoretisch bereits ein dritter Mensch dabei ist. Hier werden Gespräche nicht unterbrochen, Intimität ist möglich und Partner können sich stets auf die Sorgen und Bedürfnisse ihres Gegenübers konzentrieren.


Im Familienleben wird das Thema Liebe plötzlich sehr viel komplexer. (Quelle: TheVirtualDenise (CC0-Lizenz)/ pixabay.com)

Das alles ändert sich mit dem ersten Schrei des eigenen Babys. Dann nämlich werden aus Partnern Eltern. Und wer diese Veränderung nicht als Geschenk akzeptiert, sondern der einstigen Zweisamkeit nachtrauert, wird früher oder später mit Schwierigkeiten konfrontiert werden. Das gilt auch für Beziehungen, in denen beide Partner um jeden Preis versuchen, die Beziehungsgestaltung nach der Geburt genauso beizubehalten, wie sie zuvor war. Das nämlich funktioniert schlicht nicht und kann für Stress, Streit und enttäuschte Erwartungen sorgen.

Es gilt also, sich vollkommen neu kennenzulernen. Die Partnerin als Mutter zu erkennen und den Partner als Vater. Erst dann ist es möglich, die neuen Facetten der Persönlichkeit lieben zu lernen. Eine große Herausforderung, der sich vor allem Männer stellen müssen, ist das Teilen der Partnerin mit dem neuen Baby. Im Grunde versteht es sich von selbst, dass Mütter für ihre Kinder da sein müssen und dass der kleine Mensch für sie an erster Stelle steht. Haben sich Väter vor der Geburt jedoch nicht mit diesem Thema beschäftigt, kann es für sie sehr schwierig werden.

Unverzichtbar ist es, die neuen Rollen anzunehmen und zu verstehen, dass sich Liebe auf viele verschiedene weisen zeigen kann. Mutterliebe kann problemlos parallel zur romantischen Liebe existieren, ohne dass sich der Partner dabei vernachlässigt oder weniger geschätzt fühlen muss. Wer Schwierigkeiten hat, beide Gefühle auseinanderzuhalten, sollte unbedingt das Gespräch suchen. So lässt sich schnell klären, dass trotz der neuen Prioritäten tiefe Gefühle bestehen, an denen auch das Elternsein nichts ändert. Im Gegenteil: Manchmal entdecken Paare, dass ihre Liebe zum anderen noch stärker wächst, wenn sie sehen, wie er oder sie sich hingebungsvoll um den Nachwuchs kümmert.

Sexualität im Elternleben: Nicht immer einfach

Das Thema Sex ist für viele Eltern ein schwieriges Unterfangen und sorgt häufig für Frust. Durch den veränderten Tagesryhthmus und die verlorengegangene Planbarkeit des Alltages fällt es oft schwer, sich ganz unbekümmert aufeinander einzulassen. Und wer beim Sex immer auf den nächsten Schrei des Babys wartet oder in Gedanken schon bei der nächsten Breimahlzeit ist, kann sich nicht fallen lassen. Das wiederum spürt der Partner und fühlt sich verständlicherweise abgelehnt oder weniger begehrt. Ein Teufelskreis kann hier beginnen, in dem Vorwürfe, Forderungen und Enttäuschung die Hauptrollen spielen.


Intimität im Elternleben kann viele Gesichter haben. (Quelle: StockSnap (CC0-Lizenz)/ pixabay.com)

Damit das nicht passiert, sollten sich Partner rechtzeitig mit ihrer neuen Sexualität befassen. Ausgiebiges Liebesspiel mag in den ersten Monaten schlicht nicht möglich sein. Wer jedoch auch die kurzen Momenten zwischendurch zu nutzen weiß und Sinnlichkeit in den kleinen Dingen erkennt, wird sich auch im stressigen Alltag mit Baby noch auf erotisch-romantischer Ebene begegnen können.

Ein Stolperstein für Paare kann außerdem auch das veränderte Körpergefühl der Frau sein. Übriggebliebene Schwangerschaftspfunde, Dehnungsstreifen sowie größere oder kleinere Brüste sorgen für Unsicherheit. Der Partner kann hier viel dazu beitragen, dass sich Mütter im ersten Jahr mit ihrem Körper aussöhnen. Mit Druck und Unverständnis aber gelingt das nicht. Viel wichtiger ist es, sich zu ruhigen Gesprächen zusammenzusetzen und über mögliche Ängste oder Unsicherheiten zu sprechen. Der Grundtenor dabei sollte stets sein, dass die eigene Partnerin trotz aller Veränderungen weiterhin begehrenswert ist. Auch Lascana bestätigt, dass Frauen, die mit ihrem Körper im Reinen sind, eine sinnlichere Ausstrahlung haben. Und braucht die Partnerin etwas Zeit, um sich an die neuen Gegebenheiten zu gewöhnen, sollte ihr diese Möglichkeit gegeben werden.

Dem Stressfaktor Familie richtig begegnen

Genau genommen sind Eltern in der Zeit nach der Geburt nicht nur zu dritt, sondern zu viert. Der Vierte im Bunde aber ist kein gern gesehener Gast, denn es handelt sich um Stress. Vom ersten Tag an begleitet Stress Eltern durch ihren Alltag. Sorgen um das Wohlbefinden des Babys, Schlafmangel, Schreiphasen und die gesamte Organisation des Familienlebens fordern Frauen und Männer stark. Und setzt sich der Stress erst einmal durch, fällt das Führen einer erfüllten Partnerschaft umso schwerer.


Stress kann trennen. Umso wichtiger ist es, ihm richtig zu begegnen. (Quelle: 5688709 (CC0-Lizenz)/ pixabay.com)

So berichtet beobachter.ch, dass sich die Kommunikation von Paaren laut Studien unter Stresseinfluss um ganze vierzig Prozent verschlechtert. Stress nämlich führt nicht nur zu Selbstzweifeln und körperlichen Reaktionen, sondern steigert auch die Reizbarkeit. Plötzlich genügt dann eine eigentlich harmlose Bemerkung oder Frage des Partners, um die „Bombe“ explodieren zu lassen. Wer hier nicht gegensteuert, wird sich im Laufe der Zeit immer öfter streiten und den anderen aus den Augen verlieren.

Der Familienstress also ist ein Punkt, dem Eltern unbedingt Einhalt gebieten sollten. Er lässt sich jedoch nicht gänzlich abschalten, weswegen ein kluger Plan die beste Wahl ist. Entlasten sich Partner beispielsweise bei der Kinderbetreuung gegenseitig und geben sie sich die Möglichkeit, zwischendurch Zeit nur für sich zu nutzen, reduziert das die Auswirkungen der Stressbelastung. So sollten Mütter genauso wie Väter weiterhin die Gelegenheit dazu haben, sich mit Freunden zu treffen, ins Fitnessstudio zu gehen oder ein Buch zu lesen, um den Familienalltag für eine Weile hinter sich zu lassen. Und wer es darüber hinaus auch schafft, sich Inseln der Zweisamkeit zu schaffen, beispielsweise in Form eines vierwöchentlichen Abendessens im Restaurant, entflieht dem Stress gemeinsam und erinnert sich daran, wie wertvoll die eigene Partnerschaft is