Lernlust statt Lernfrust!

Bei den Hausaufgaben brauchen Kinder so viel Hilfe wie nötig und so wenig wie möglich. Doch was heisst das konkret und wie sollen Eltern dies im Alltag umsetzen?

Vielleicht tröstet es Sie zu lesen, dass Sie mit Ihren Sorgen nicht alleine sind: Für viele Eltern  - und natürlich auch Kinder - sind die täglichen Hausaufgaben ein leidiges Thema, das immer wieder zu Konflikten führt. "Meistens fängt es ja ganz harmlos an und ich nehme mir innerlich vor, ruhig und gelassen zu bleiben", erzählt beispielsweise Simone Pereira, Mutter von einem Sohn (7) und einer Tochter (9). "Doch wenn die beiden einfach nicht in Fahrt kommen und ich zum fünften Mal sagen muss "Packt nun alle Sachen auf den Tisch und fangt endlich an!", dann könnte ich in die Luft gehen." Dies ist nur eine der möglichen Varianten, wie der Stress mit den Hausaufgaben beginnen kann. So individuell Sie und Ihre Kinder sind, so verschieden ist auch Ihre Situation, wenn es um die Hausaufgaben geht. Manche Kinder haben Probleme, überhaupt mit den Aufgaben anzufangen oder wissen nicht, was sie überhaupt erledigen müssen, anderen fällt es schwer, bei der Sache zu bleiben und wieder andere wissen nicht, wie sie ihre Aufgaben bewältigen können oder "vergessen" ganz einfach, diese zu machen. Deshalb: Sprechen Sie Ihr Kind auf die Hausaufgaben an: Was soll es erledigen und bis wann? Hausaufgaben sollten zu einem normalen Bestandteil des Schulalltags von Kindern werden, indem es die Arbeiten regelmässig und konsequent erledigt. Diese Eigenverantwortung lernen Kinder am besten schon früh - etwa beim Aufräumen ihres Zimmers. Eltern und Lehrpersonen haben die Verantwortung, die Kinder in die Selbständigkeit zu führen. Das funktioniert nur, indem es lernt, die gestellten Aufgaben selbst zu bewältigen und nicht, indem Eltern seine Aufgaben übernehmen oder Lösungen aufzeigen. Bei einigen Kindern kann es nötig sein, gewisse Starthilfen zu geben: Wenn ein Kind beispielsweise nicht weiss, wo und wie es mit den Arbeiten anfangen muss, können Eltern Impulse beim Planen und Einteilen leisten.
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So viel wie nötig
Eltern sollten Kindern also ganz konkret zeigen, mit welchen Strategien man die Aufgaben in den Griff bekommt: Was hilft dabei, die wichtigen Dinge zu erkennen und im Kopf zu behalten? Welche Ziele möchte das Kind sich selbst setzen? Wie schafft man es, sich nicht ablenken zu lassen, sondern bei der Sache zu bleiben, wenn es mit einer Aufgabe nicht weitergeht. Dazu gehört beispielsweise auch das Umfeld, resp. der Lernplatz. Wie muss dieser aussehen, damit sich das Kind wohl fühlt? Die einen benötigen Ruhe, die anderen lernen gerne inmitten von Unordnung und wieder andere lernen am Liebsten mit einem Schulkollegen oder einer -kollegin.
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So wenig wie möglich
Die Mitarbeit der Eltern in Bezug auf die Hausaufgaben sollte so gering wie möglich gehalten werden, das heisst, förderlich sind die emotionale Unterstützung und das Interesse, das die Eltern den schulischen Arbeiten ihrer Kinder und allgemein der Schule gegenüber zeigen. Sie sollten eine vertrauensvolle Atmosphäre schaffen, in der dem Kind Zeit gelassen wird, über Aufgabenstellungen nachzudenken, so dass es das motivierende Gefühl haben kann, die Lösung selbst gefunden zu haben.
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Wie lange?
Was den zeitlichen Umfang von Hausaufgaben betrifft, wird immer wieder die Regel "10 Minuten pro Schuljahr" erwähnt. So hätte ein Erstklässler pro Tag durchschnittlich 10 Minuten, ein Oberstufenschüler im 9. Schuljahr hingegen 90 Minuten lang Hausaufgaben zu machen. Grundsätzlich dürfen Primarschüler eine halbe bis zu einer Stunde pro Tag investieren, um im Unterricht gelernte Inhalte durch Hausaufgaben zu festigen oder sich auf ein neues Thema vorzubereiten. Doch Achtung: Wer lange lernt, lernt noch lange nicht mehr. Positiv wirken sich dagegen regelmässige, kürzere Hausaufgabenzeiten aus. Eltern und Lehrpersonen sollten den Lern- und Arbeitsstil der Kinder und Jugendlichen kennen. Die reine Zeitdauer ist weniger wichtig. Was zählt, ist das Engagement der Lernenden! Greifen Sie das Thema Hausaufaben auch am Elternabend oder im Lehrergespräch in der Schule auf und klären Sie mit den zuständigen Lehrpersonen ab, wie viel Zeit die Schülerinnen und Schüler maximal an den Hausaufgaben sitzen dürfen. Vereinbaren Sie klare Regeln - auch darüber, wie Sie reagieren sollen, wenn Ihr Kind seine Aufgaben nicht in der vereinbarten Zeit bewältigen kann.

Tipps für Hausaufgaben und zum Lernen

Mit einem Ritual beginnen
Das Lernen mit einem Ritual beginnen und sich so auf die Arbeit einstimmen. Zum Beispiel das "Lernkissen" vor dem Lernen bei offenem Fenster ausklopfen und dann wieder schön platzieren. Dann ist Lernen angesagt!

Pausen tun gut
Pausen helfen, bei Hausaufgaben und in Lernphasen wieder aufnahmebereiter zu sein. Als Richtwert gilt: Eine Pause von fünf bis zehn Minuten nach jeder Stunde Lernen. Bewegung und frische Luft sind die idealen Pausenfüller.

Nüsse als "Brainfood"
Der Anteil von essenziellen Aminosäuren in Nüssen wird vom Gehirn in Serotonin umgewandelt, was wiederum zu einem guten Stimmungsvermögen beiträgt. Wer neben dem Lernen Nüsse knabbert, steigert seine Gehirnleistung.

Wasser steigert die Leistung

Kontinuierliches Trinken steigert die geistige bzw. körperliche Leistung des Menschen. Doch Wasser ist nicht gleich Wasser. Optimal ist die Kombination von Kalzium und Magnesium im Verhältnis von zwei zu eins.

Kein oder nur wenig Essen
Der Körper konzentriert sich nach dem Essen vor allem auf die Verdauung und fährt alle anderen Prozesse, wie zum Beispiel die Gehirnaktivität, herunter. Das bedeutet: Vor dem Lernen oder den Hausaufgaben nicht zu viel essen!

Früchte und Beeren

Farbstarke Früchte und Zitrusfrüchte wirken sich positiv auf die Leistungsfähigkeit des Gehirns aus. Besonders empfehlenswert sind Avocados, Zuckermelonen, Wassermelonen, Pflaumen, Ananas, Orangen, Äpfel, Kiwis, Pfirsiche, Trauben, Kirschen und Beeren.

Musik fördert Konzentration

Das Gehirn lernt besser, wenn es während des Lernens mit Geräuschen stimuliert wird. Eine gleichmässige Geräuschkulisse hebt das Aktivierungsniveau und schafft ein konzentrationsförderliches Arbeitsklima.

Quelle: Merkblatt Hausaufgaben, Schweizerische Vereinigung der Elternorganisationen (SVEO)

Elternkurs und Online-Elterntrainig zum Thema Hausaufgaben
Eine an der Universität Freiburg entwickelter Online-Kurs zeigt Eltern, wie sie ihre Kinder am besten beim Lernen und bei den Hausaufgaben unterstützen können. Der Leitfaden will der stets gut gemeinten aber nicht immer hilfreichen elterlichen Unterstützung mehr Wirkung verleihen. Der Kurs ist kostenlos und besteht aus 12 Lektionen, die Ihnen vermitteln wie Sie die Motivation Ihres Kindes fördern können, die Hausaufgabenkonflikte reduzieren, Ihrem Kind wirksame Lernstrategien vermitteln und Ihr Kind in kleinen Schritten dazu anleiten, die Hausaufgaben selbständiger zu erledigen. Eine Reihe von Kurzfilmen veranschaulicht die wichtigsten Tipps des Online-Kurses. Sie finden alle Filme, der Online-Kurs und andere wichtige Informationen zum Thema auf www.mit-kindern-lernen.ch

Weitere Informationen

  • www.elternwissen.ch/hausaufgaben: Hier liegt ein Merkblatt "Hausaufgaben" übersetzt in elf Sprachen zum Download vor. Es wurde erarbeitet in Kooperation mit Schule und Elternhaus S&E (www.schule-elternhaus.ch) sowie der Schweiz. Vereinigung der Elternorganisationen SVEO (www.sveo.ch). Das Merkblatt wird auch vom Dachverband der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer LCH unterstützt.
  • www.lernen-mit-spass.ch: Diese Webseite bietet kostenlose Hausaufgabenhilfe und sonstige Angebote mit dem Ziel, Schülerinnen und Schülern beim Lernen zu helfen, sie zu fördern und zu motivieren. Mit vielen Lerntipps, z.B. "Das Lernen planen", "Sich konzentrieren können", "Motivation - Positiv denken", "Wie bereite ich mich auf eine Prüfung vor", usw.


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"Hausaufgaben ohne Stress", Die besten Tipps für entspanntes Lernen zu Hause, von Monika Rammert und Elke Wild, Herder Verlag, ISBN 978-3-451-06661-0, Fr. 14.90

"Mit Kindern lernen", Konkrete Strategien für Eltern", von Fabian Grolimund, Huber Verlag, ISBN 978-3-456-85086-3, Fr. 28.50