Konzentration ist lernbar!

Der Blick schweift aus dem Fenster, die Gedanken beginnen zu treiben – tagträumen mag zwar in vielen Situationen wichtig für den Geist sein. Doch beim Hausaufgabenmachen oder beim Arbeiten ist volle Konzentration gefragt. Mit kinesiologischen Bewegungsübungen oder Denksport lässt sich diese trainieren.

Monika Meier ist Lehrerin und Mutter von zwei schulpflichtigen Kindern. Aus dem Unterricht kennt sie viele Tricks, wie sie die Aufmerksamkeit ihrer Klasse gewinnen kann. Doch bei ihrem jüngeren Sohn hat sie keinen Erfolg damit. «Felix ist 10 Jahre alt und kann sich einfach nicht auf seine Aufgaben konzentrieren. Wir üben und üben und am nächsten Tag hat er wieder alles vergessen», erzählt die Pädagogin. «Aus zahlreichen Elterngesprächen weiss ich, dass mein Sohn nicht der Einzige mit diesem Problem ist. Viele Kinder möchten sich zwar zusammenreissen. Allerdings gelingt es ihnen nicht, von den zahlreichen Reizen, die auf sie einwirken, die im Moment jeweils wichtigen auszuwählen.» Welche Methoden wendet Monika Meier denn im Unterricht an, um ihre Schülerinnen und Schüler bei der Stange zu halten? «Während der Stunde wechsle ich beispielsweise vom Frontalunterricht zur Gruppenarbeit, lasse die Kinder umherlaufen, miteinander Lösungen findenetc. Zwischendurch machen wir kinesiologische Konzentrations- und Bewegungsübungen (siehe Kasten 1) oder singen gemeinsam ein Lied. Kinder, die Schwierigkeiten haben, lange ruhig zu sitzen, dürfen auch einmal aufstehen und Lockerungsübungen machen. In den Mathe-Stunden mache ich ab und zu auch Grips-Gymnastik: Wir machen Kopfrechnungen, Mathespiele usw., wo die Schüler die Lösungen einfach laut rausschreien dürfen. Das weckt sie richtig auf! Allgemein stelle ich jedoch fest, dass es vielen Kindern schwerfällt, etwas zu tun, was keinen Kick bietet, weil es ihre Sinne nicht reizt. Am liebsten möchten sie, dass ich ihnen ständig «Action» biete. Natürlich geht das nicht dauernd. Schulstoff ist ja bekanntlich nicht immer nur lustig! Bestimmt möchten sie mich manchmal am liebsten wegzappen – genauso wie beim Fernsehschauen oder beim Surfen im Internet. Hier zappt man ja heute auch alles weg, was einem nicht augenblicklich die gewünschte Befriedigung bringt!»

Denken lässt sich lenken!
Nicht nur Kinder haben Mühe, sich voll auf eine Sache zu fokussieren. Auch Erwachsene lassen sich schnell ablenken. Versuchen Sie einmal, auf einem Spielplatz ein anspruchsvolles Buch zu lesen. Die Geräuschkulisse der spielenden Kinder können Sie vielleicht einen Moment ausblenden, doch sobald beispielsweise Ihr eigenes Kind weint, reagieren Sie sofort. Und das ist in so einem Fall ja auch gut so! Die über 100 Milliarden Nervenzellen unseres Gehirns erstellen ihre eigene Prioritätenliste. Konzentration ist keine Begabung wie ein Talent, das man entweder hat oder eben nicht. Sie stellt sich ein, wenn gewisse Voraussetzungen gegeben sind wie etwa die Motivation. Bestimmt haben Sie das auch an Ihrem eigenen Kind festgestellt. Wenn es darum geht, ein anspruchsvolles Bauwerk aus Lego-Steinen zusammenzusetzen oder ein Strategie- Videospiel zu spielen, dann können sich die Sprösslinge plötzlich stundenlang konzentrieren! Kein Wunder: Denn macht die Sache Spass, ist Geduld auf einmal keine Anstrengung mehr! Nutzen wir deshalb dieses Wissen und programmieren wir uns entsprechend. Wenn man Lust hat, etwas zu tun, steigert sich automatisch die Hirnaktivität. Reize, die Neugier wecken, regen an und bewirken, dass wir Lernen, Begreifen und Können als interessant empfinden. Negative Assoziationen hingegen wie beispielsweise zu viel Stress oder zu viel Stoff auf einmal blockieren das Denken und lassen uns mit leerem Kopf dasitzen: Alles Gelernte löst sich in Luft auf! Hinzu kommt, dass viele Kinder sich selbst überlassen bleiben. Sie finden ihre Vorbilder nicht mehr im nahen Umfeld, sondern in den Medien. Meist sind dies Figuren und Ideale aus Games, Filmen, Musik oder Sport, die alle ihre Fähigkeiten perfekt und mühelos beherrschen. Dass auch sie vielleicht erst lernen mussten, sich für ihre Leistungen anzustrengen, wird dabei ausgeblendet. Doch wenn Kinder sich an diesen Idealen orientieren, ist Scheitern vorprogrammiert. Es ist deshalb sehr wichtig, dass Eltern auch in dieser Hinsicht ihre Vorbildfunktion wahrnehmen und im Alltag Durchhaltewillen und Frustrationstoleranz vorleben. Kinder sollten früh lernen, dass gewisse Dinge eben nur mit dem nötigen Biss zu erreichen sind. Sich konzentrieren zu können, auch wenn einem die Sache nicht immer passt, ist eine wichtige Voraussetzung dazu.

Schritt für Schritt die Konzentrationsfähigkeit stärken
«Immer häufiger kommt es vor, dass Kinder bereits morgens vor der Schule schon eine Stunde Fernsehen geschaut oder Videogames gespielt haben», erzählt Pädagogin Monika Meier. «Und kaum sind sie wieder zu Hause, geht dies munter so weiter – bis sie zu Bett gehen. Solchermassenbeschäftigt, fällt es ihnen dann natürlich schwer, in der Schule aufmerksam zu sein und komplizierte Zusammenhänge herzustellen.» Monika Meier wünscht sich, dass Eltern hier aktiv werden. Sie ist der Meinung, dass der ersteSchritt, die Konzentrationsfähigkeit der Kinder zu stärken, darin besteht, Fernsehkonsum und Videospiele drastisch einzuschränken. Viele – auch sehr junge – Kinder haben heute TV-Geräte, Computer, Spielkonsolen, Smartphones und Tablets zur freien Verfügung. Gemäss Lernexperten gilt es jedoch als erwiesen, dass diese ständige Bilderflut das Gehirn überlagert und in der Folge zu Konzentrationsmangel und schlechten Leistungen führt. «Bei meinem Sohn liegt es nicht am vielen Medienkonsum, dass er sich nicht konzentrieren kann. Denn dafür muss er feste Zeiten einhalten», sagt Monika Meier. «Im gemeinsamen Gespräch haben wir jedoch festgestellt, dass ihm Erfolgserlebnisse fehlen. Kürzlich hat ihn sein Lehrer nicht für die Leistungen gelobt, sondern für die Mühe, die er sich dafür gegeben hat. Das hat ihn bestärkt und stolz gemacht. Seither klemmt er sich wieder mit vollem Elan hinter die Bücher.»

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erstellt von Christina Bösiger