Kinder machen glücklich - manchmal

Wie findet man das Glück? Mit oder ohne Kinder? Darauf gibt es keine schlüssige Antwort. Zum einen, weil das Glücksempfinden sehr individuell ist. Und zum anderen, weil viele andere Faktoren die persönliche Zufriedenheit beeinflussen. Der FamilienSPICK ist auf Spurensuche rund ums Glücklichsein mit Kindern gegangen und hat Eltern zu diesem Thema befragt.

FamilienSPICK

Zahlreiche Studien befassen sich mit der Frage, ob Menschen mit Kindern glücklicher sind als kinderlose Leute. Die Bilanz der meisten Untersuchungen ist insofern eindeutig, als sie sich decken, zugleich ist die Botschaft denkbar unklar: «Möglicherweise, aber nicht unbedingt.» Zum Beispiel in einer gross angelegten Studie vor wenigen Jahren, welche die Situation von Eltern in den USA und anderen Industrienationen untersuchte. Dazu wurden rund drei Millionen Menschen befragt. Das ernüchternde Ergebnis: Kinder tragen zur Zufriedenheit bei, wenn die Kasse stimmt. In ärmeren Ländern hingegen wirkt sich der Kindersegen oft sogar negativ auf das Wohlbefinden aus. Gefragt worden war danach, wie nahe man sich selbst am «idealen Lebenszustand» empfindet – der natürlich bei jedem wieder anders aussieht. Wenig überraschend kreuzten bei der Frage nach dem aktuellen Gefühl die Eltern von Kindern öfter «gestresst» an als Kinderlose. Ganz allgemein kam es bei der Gruppe mit Kindern zu mehr emotionalen Hochs und Tiefs als bei derjenigen ohne Nachwuchs. Das sind Ergebnisse, die man vermutlich auch im Gespräch beim Kaffee mit anderen Müttern und Vätern erheben könnte, sie entsprechen dem gesunden Menschenverstand.

Doppelverdiener mit Stress

Auch in Deutschland wurde diesen Fragen schon nachgegangen. Eine spannende Studie kommt aus dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialfragen (WBZ). Auch hier lässt man angesichts der Umfrageresultate die einfache Gleichung «Kinder machen glücklich» nicht so stehen. Und auch hier kommt man zum Schluss, dass Einkommen und Erwerbsstatus die Lebenszufriedenheit von Eltern Stark beeinf lussen. Allerdings nicht in dem Sinne, dass mehr Geld automatisch zufriedener macht. «Die höchste Zufriedenheit zeigen Eltern mit mittlerem Einkommen», heisst es in der Studie, «der positive Effekt bei sehr gut verdienenden Paaren ist schwächer.» Erklärt wird das damit, dass es sich bei Letzteren oft um Doppelverdienerpaare handelt, die nach der Geburt nicht selten grössere Probleme mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie haben. Diese Sorge «frisst» die grundsätzlich grössere Zufriedenheit durch mehr finanzielle Mittel gewissermassen auf. Vor allem bei Müttern hat der Zusammenhang mit ihrem Erwerbsstatus einen Einf luss auf ihre Zufriedenheit. Und entsprechend kann man auch hier die Frage «Kinder oder nicht» kaum als alleinigen Faktor nehmen. So sind laut der Studie Mütter, die nicht erwerbstätig oder teilzeitbeschäftigt sind, glücklicher als kinderlose, vollzeitbeschäftigte Frauen. Aber Mütter, die voll arbeiten, sind ihrerseits nicht zufriedener als Frauen ohne Kinder. Die Autoren der Studie führen das darauf zurück, dass Frauen oft auch dann den grössten Teil der Hausarbeit und Kinderbetreuung übernehmen, wenn sie berufstätig sind. Eine Mehrfachbelastung, die unzufriedener machen kann.

Befragung von Eltern

Zufrieden oder nicht: Das ist eine sehr pauschale Aussage. Die Fragen, die mehr Aufschluss geben, sind solche nach den Details: Was macht Eltern glücklich, was belastet sie, und was könnte zu mehr Zufriedenheit führen? Der FamilienSPICK hat rund 200 Väter und Mütter danach befragt. Die Ergebnisse sind hier in verschiedenen Diagrammen aufgeführt. Die Umfrage ist nicht repräsentativ, gibt aber Aufschluss darüber, was viele Eltern empfinden und denken. Der überwiegende Teil der Befragten gibt an, zwei Kinder zu haben. Ebenfalls rund drei Viertel leben in einem «klassischen » Modell aus Mutter, Vater und Kindern. Ein doch eher überraschendes Bild ergab sich bei der Frage, ob eine Familie mit Kindern schon seit jeher geplant war oder ob sich dieser Wunsch im Lauf der Zeit entwickelt hat. Das war zu jeweils etwa gleichen Teilen der Fall. «Sind Sie glücklich in Ihrer Rolle als Vater oder Mutter?» war eine der Schlüsselfragen. Hier war offenbar Ehrlichkeit Trumpf, zumal die Umfrage anonym erfolgte. Für «Uneingeschränkt glücklich» erklärte sich rund ein Siebtel der Befragten, der Hauptteil antwortete mit «Ja, zum grössten Teil».

Stress und wenig Freizeit

Die Entwicklung der Kinder zu erleben und mit ihnen zusammenzuleben: Das empfinden die weitaus meisten der Umfrageteilnehmer als den grössten Glücksfaktor. Nur ganz wenige nannten andere Faktoren wie die Erziehungsarbeit, den Beitrag an die Gesellschaft oder auch die Aussicht darauf, im Alter Kinder zu haben. Als individuelle Antwort kam hier beispielsweise «freie Abende ohne Kinder»; auch das kann Zufriedenheit auslösen. Nach der grössten Belastung gefragt, ergab sich dann ein ganz heterogenes Bild. In ähnlichen Dimensionen genannt wurden die hohe Belastung, der Stress, der Mangel an Freizeit oder auch die fehlende Zeit für die Beziehung. Wir fragten auch danach, was den Alltag mit Kindern erleichtern könnte. Hier wurde deutlich, dass Zufriedenheit nicht immer «selbst gemacht» werden kann, sondern von externen Faktoren beeinf lusst wird. Viele Eltern wünschen sich eine kinderfreundlichere Gesellschaft und eine stärkere Unterstützung durch den Staat, beispielsweise durch Beratungsstellen oder höheres Kindergeld oder auch Vergünstigungen bei öffentlichen Leistungen. Jeder Fünfte sagte auch, eine bessere finanzielle Situation würde zur Erleichterung beitragen. Und schliesslich war da die durchaus sehr persönliche Frage, ob jemand aus heutiger Sicht wieder Kinder haben würde oder nicht. Und auch hier beschönigten die Teilnehmenden nichts. Zwar sagte die Hälfte der Befragten «Ja, auf jeden Fall.» Aber ein Drittel antwortete mit «Eher ja», jeder Zehnte mit «Eher nein».

Persönliche Entscheidung

Die individuellen Antwortmöglichkeiten geben weiteren Aufschluss über die Befindlichkeit der Eltern in der Schweiz. So wurden beispielsweise die laufend steigenden Krankenkassenprämien als Belastung genannt. Es sei so «bald nicht mehr möglich, das klassische Familienmodell aufrechtzuerhalten», weil beide Elternteile gezwungen seien, zu arbeiten. Ein anderer Teilnehmer schrieb, für ihn heisse Familie «wenn immer möglich für die Kinder da zu sein». Das sei nur möglich, wenn ein Elternteil im Berufsleben zurücksteckt. Studie hin, Umfrage her: Letztlich bleibt die Frage «Kinder oder nicht?» eine ganz persönliche Entscheidung. Und in jedem Fall lässt es sich nicht voraussagen, wie sich der Beschluss – wie auch immer er ausfällt – auf das spätere Leben auswirkt. Kinder haben ist deshalb auch eines der letzten echten Abenteuer im Leben. Ein Umfrageteilnehmer bringt es für sich selbst auf eine einfache Formel: «Mit Kindern ist das Leben lustiger!» Wer das auch so sieht, wird wohl zufrieden durchs Leben gehen.