Für eine professionelle Finanzplanung braucht es auch Herz und Bauch

André Wyss ist Kundenberater beim Finanzplaner Dörig & Partner AG Finanzdienstleistungen in Aarau. Als Vater einer 6-jährigen Tochter kennt er die Bedürfnisse von Familien in Sachen Finanzen und Vorsorge aus eigener Erfahrung.

FamilienSPICK

Wie hat sich mit der Geburt Ihrer Tochter Ihre persönliche Finanz- und Vorsorgeplanung verändert?

Vorher waren wir zu zweit mit zwei Einkommen, nach der Geburt meiner Tochter zu dritt mit nur noch einem Verdienst. In einer Familie ist man zudem nicht mehr nur für sich selber verantwortlich. Die finanzielle Absicherung der Partnerin und des Kindes war für mich deshalb ein zentraler Aspekt. Es lohnt sich der Blick auf den Pensionskassenausweis, um sicher zu gehen, dass die Familie im Fall meines Todes oder bei Invalidität finanziell abgesichert ist. Das Gleiche gilt im umgekehrten Fall: Wenn sich die Mutter plötzlich nicht mehr um das Kind kümmern kann, ist man eventuell auf fremde, kostenpf lichtige Hilfe angewiesen. Es gilt also für beide Elternteile zu prüfen, ob ergänzende finanzielle Vorkehrungen nötig sind.

Worauf müssen junge Familien sonst noch achten?

In dieser Lebensphase kann es sprunghafte Veränderungen geben: Jobwechsel haben Auswirkungen auf Einkommen und Vorsorge, Familienzuwachs beeinf lusst das Budget. Darauf sollte man vorbereitet sein. Beim Thema Eigenheim sind zudem neben der Frage der optimalen Hypothek auch finanzielle Folgen wie etwa Steuern oder – im Falle eines Bezugs von Vorsorgegeldern – die späteren Folgen im Alter zu berücksichtigen. Empfehlenswert sind auch regelmässige Rückstellungen für grössere Ausgaben, etwa für die Anschaffung eines Autos oder für den Liegenschaftsunterhalt. Wichtig scheint mir auch, dass neben den rein «technischen » auch die «emotionalen» Aspekte der Finanzen innerhalb einer jungen Partnerschaft diskutiert werden, weil «Geld» zu unschönen Diskussionen führen kann. Ich empfehle deshalb, miteinander zu klären, wie man mit Geld umgehen will. Ein Budget ist dabei eine grosse Hilfe.
Irgendwann will Ihre Tochter vielleicht studieren. Wie können sich Familien auf diese finanzielle Belastung vorbereiten?
Man sollte früh mit Sparen beginnen. Wer monatlich 50 Franken spart, hat nach 18 Jahren immerhin 10‘800 Franken auf die Seite gelegt – Rendite oder Zins und Zinseszins nicht eingerechnet. Bei einem langen Anlagehorizont kann man auch in Aktien investieren. Diese haben zwar ein kurzfristiges Kursschwankungsrisiko, langfristig aber ein höheres Ertragspotenzial als das Sparkonto.

Wie steht es mit rechtlichen Themen?

Ehepaare mit Kindern sollten beim Notar einen Ehe-/Erbvertrag abschliessen. Das ist zwar nicht sehr romantisch,
aber im Todesfall hat der hinterbliebene Ehepartner schon genug Herausforderungen und Sorgen. Deshalb ist es hilfreich, zumindest die Finanzen im Vorfeld zu regeln. Ohne entsprechende Vorkehrung haben Kinder einen gesetzlichen Anspruch auf einen Teil des Vermögens; dabei ist egal, um welche Vermögenswerte es sich handelt. Angenommen, ein Teil des Vermögens steckt in einer Immobilie oder in der eigenen Firma, so können die Erbansprüche der Kinder auf verschiedenen Ebenen zu Problemen führen. Für den Fall einer Urteilsunfähigkeit, etwa durch Krankheit oder Unfall, lohnt es sich zudem, einen sogenannten Vorsorgeauftrag zu errichten. Mit diesem kann ich vorgängig bestimmen, wer sich um meine persönlichen und finanziellen Angelegenheiten kümmern soll, wenn ich selber nicht mehr dazu fähig bin.

Haben Sie Ihre eigene Pensionierung schon geplant?

Nein, das dauert noch zu lange. Zu viele rechtliche und persönliche Rahmenbedingungen werden sich noch ändern. Aber das heisst nicht, dass man sich diesem Thema gänzlich verschliessen sollte. Die Altersreform 2020 beispielsweise hat Auswirkungen auf meine und die folgenden Generationen. Deshalb sollten sich auch die «Jüngeren » damit auseinandersetzen und verstehen, was auf sie zukommen wird. Eine strukturierte Finanzplanung kann die Basis dazu liefern.

Sie waren 2006 «Finanzplaner des Jahres». Was macht eine gute Finanzplanung aus?

Wir analysieren in einem ganzheitlichen Ansatz die verschiedenen Finanzthemen wie Steuern, Vorsorge, Immobilien, Budget, Ehe-/Erbrecht oder Vermögensanlage, immer verknüpft mit den Wünschen, Zielen und Emotionen unserer Kunden. Gute Finanzplanung ist eine persönliche und individuelle Angelegenheit. Es gibt keine Musterlösung, da die Ausgangslage und die Ziele bei jedem Kunden verschieden sind. Für eine professionelle Finanzplanung braucht es also nicht nur viel Wissen und Erfahrung rund um das Thema Finanzen, sondern auch Herz und Bauch. Ich setze mir in der Beratung immer auch das Ziel, dem Geld einen Sinn zu geben. Wenn eine Massnahme aus der Finanzplanung eine Steuerersparnis von tausend Franken ergibt, stelle ich die Frage: Was machen wir nun Sinnvolles mit dem zusätzlichen Geld? So schaffe ich Mehrwert.

 

 

Unabhängiger Finanzplaner

André Wyss ist 40 Jahre alt, verheiratet und Vater einer 6-jährigen Tochter. Er arbeitet seit 9 Jahren als Finanzplaner bei Dörig & Partner. Das Beratungsunternehmen ist spezialisiert in Finanzplanung, Steueroptimierung und Nachfolgeplanung und vereint über 100 Jahre Berufs- und über 200 Jahre Lebenserfahrung. Als Vertrauenspartner gewährleistet Dörig & Partner eine unabhängige Beratung.

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