Fünf ganz andere Tipps für einen guten Schulstart

Wir haben es erwähnt: Die meisten Checklisten vor dem ersten Schultag verraten uns nur, was wir ohnehin schon wissen. Deshalb hier unsere Checkliste der anderen Art. Garantiert politisch unkorrekt.

1 Der Tag davor

Wir kennen das von uns selbst: Der Tag vor einem schwierigen Termin oder einem unangenehmen Gespräch drückt auf den Magen. Der erste Schultag ist noch viel heftiger, weil das Kind keine Ahnung hat, was es erwartet. Statt alle Konzentration auf den Montag zu legen, tun wir gut daran, den Sonntag schön zu gestalten. Zum Beispiel mit einem Ausflug an den Ort, den sich der Sohn oder die Tochter schon lange gewünscht hat. Oder ganz einfach ein Verwöhnprogramm, das seinesgleichen sucht. Kinder sind grossartig darin, im Moment zu leben – und vergessen einen Tag lang, was am nächsten Tag kommt. Der Schulstart wird auf diese Weise mit Sicherheit noch lange gut in Erinnerung bleiben.

2 Praktisch ist gut, aber ...

Es ist eigentlich ein Wunder, dass es heute noch nicht vom Gesetz vorgeschrieben ist, dass ein Physio- und ein Ergotherapeut Eltern mit ihrem Kind begleiten, um den Schulthek zu kaufen. Heute wird daraus eine wahre Wissenschaft gemacht. Ja, keine Frage, er muss ergonomisch sinnvoll und rückenschonend und nicht zu schwer sein und so weiter. Aber das trifft heute ja auf die meisten gängigen Modelle zu. Deshalb: Überlassen wir die abschliessende Wahl doch dem Kind. Es wird je nachdem jahrelang damit unterwegs sein, es wird zu seinem Markenzeichen auf dem Schulweg, es will sich mit dem Ding identifizieren. Schlaue Tipps darüber, welche Farben zur Regenjacke passen würden in Ehren, aber es ist viel gewonnen, wenn sich ein Kind den Thek gerne umschnallt. Und das tut es, wenn er ihm gefällt, basta.

3 Vornehme Zurückhaltung

Der erste Schultag ist oft ein Familienprojekt: Mutter und Vater, allenfalls kleinere Geschwister begleiten den «Erst- Gix» auf dem Schulweg. Oft ist es auch so, dass man als Eltern dann noch beim Auftakt zur ersten Schulstunde bleibt, die Lehrkraft stellt sich vor. Das gehört alles zu einem sanften Übergang. Wenn das abgehakt ist, heisst es dann aber: Verschwinden. Kein Herumhängen auf dem Pausenplatz, um das Kind zu fragen, wie die ersten beiden Stunden waren, kein Sichten des Unterrichts mit dem Fernrohr vom Spielplatz aus. Das ist nun die neue Welt des Kindes – und nur seine Welt. Wir haben da nichts mehr verloren.

4 Sanfte Rebellion

Man macht sich natürlich seine Gedanken darüber, was man seinem Kind am ersten Schultag als Znüni mitgibt. Das Problem ist nur: Diese Gedanken muss man sich auch an den noch folgenden hunderten von Schultagen machen. Denn heute sind ja sogar schon Früchte verdächtig, wenn es die falschen sind (Bananen! Fruchtzucker!). Die Liste der Lehrpersonen, die aufführt, was geht und was nicht geht, füllt inzwischen einen Bundesordner. Und mehr oder weniger alles, was noch halbwegs gut schmecken könnte, ist des Teufels. Man hört sogar von spontanen Znünitaschen- Kontrollen. Unsere Kinder könnten schliesslich in einer einzigen Pause zu übergewichtigen Diabetikern mutieren, wenn sie mal das Falsche essen. Unser Tipp: Halten Sie sich offensichtlich an die strengen Regeln und schmuggeln Sie dann und wann etwas Verbotenes gut getarnt in den Thek. Dieser politisch unkorrekte Tipp dürfte nun viele Ernährungsberater auf den Plan rufen. Aber unsere Generation hat eigentlich nur Dinge gegessen, die man nach heutigem Ermessen nicht essen sollte. Und hurra, wir leben noch …

5 Relativieren

Wir sind so konditioniert, dass wir unseren Kindern einpauken müssen, wie wichtig Schule ist, dass sie fürs Leben lernen, dass sie es sonst zu nichts bringen. Das ist eine ganze Menge Druck. Vielleicht wäre der andere Weg prüfenswert: Auch mal sagen, dass alles halb so wild ist, dass es nicht so schlimm ist, wenn am ersten Tag noch nicht alles geklappt hat, dass unser Kind seinen Weg sowieso machen wird, dass es hier nicht ums Überleben geht, sondern nur um die Schule und vor allem: Dass die erste schlechte Note nicht den Weltuntergang bedeutet. Man lernt besser, wenn man alles mit einer gewissen Leichtigkeit nimmt. Und man wird blockiert, wenn man glaubt, dass es Tag für Tag um alles geht. Betrachtet man die Schule als Wettbewerb, sollte man nicht vergessen, dass das eine ziemlich lange Strecke ist für einen Sprint. Alles ist relativ, und das Leben macht sowieso, was es will. Das ist eine Botschaft, die keine Lehrkraft hören will, aber ganz verstohlen zuhause können wir sie vermitteln …