Familienfreundlichkeit als Standortfaktor der Gemeinde Riehen

Die öffentlichen Behörden nehmen bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie einen massgeblichen Stellenwert ein.

Sie haben die Möglichkeit, diese Vereinbarkeit zu erleichtern, indem sie optimale Rahmenbedingungen für die Familien schaffen, was gleichzeitig allen Unternehmen zugutekommt. Nachfolgend stellen wir Ihnen das Modell der Kommune Riehen vor, das ausgezeichnet funktioniert.

Beispiel der Gemeinde Riehen

Familienfreundlichkeit als Standortfaktor der Gemeinde Riehen (von S. Schweizer, Gemeinderätin)

Riehen, mit über 20'000 Einwohnern die zweitgrösste Gemeinde der Nordwestschweiz, hat das Ziel, sich durch Kinder- und Familienfreundlichkeit zu unterscheiden. Die Gemeinde bekennt sich im neuerstellten Leitbild 2016-2030 zu einer guten Vereinbarkeit von Beruf und Familie und baut ihr Angebot dazu seit Jahren aus.

Riehen verfügt über insgesamt 23 gemeindeeigene Kindergärten und 6 Schulen auf Volksschulstufe.  An allen Schulstandorten wurden Tagesstrukturen (Ganztagsbetreuung) aufgebaut und in Zusammenarbeit mit privaten Anbietern werden zusätzlich Mittagstische angeboten. Die Gemeinde deckt damit die aktuelle Nachfrage und baut bedarfsorientiert das Angebot weiter auf. Auch die Familien- und schulergänzende Tagesbetreuung (Krippen) wurde in den vergangenen Jahren stark ausgebaut und kann damit der kantonal vorgeschriebenen Vermittlungsfrist von drei Monaten entsprechen. Ausserdem beteiligt sich Riehen an den Betreuungskosten bei geringerem Elterneinkommen. Gerade die Betreuung während den Schulferien ist  für die Vereinbarkeit zentral. Die Ferienbetreuung wurde aktuell auf 7 Wochen pro Jahr erweitert und wird durch gemeindeeigene Institutionen (Freizeitzentrum), aber auch durch externe Player (z.B. Robi Spielaktion) angeboten.

Im Fokus stehen auch die allgemeinen Freizeitangebote: so wurden alle 32 Kinderspielplätze saniert oder neu gestaltet und bieten für die Kinder und Eltern einen wunderbaren Erlebnisraum. Neu werden die Schulhofareale verstärkt mit Spielelementen bestückt und für die Quartierbevölkerung geöffnet; dasselbe gilt für die Turnhallen der Schulhäuser.

Den bundesrechtlichen  Auftrag, ausserschulische Musikangebote anzubieten, erfüllt die Gemeinde ebenfalls vorbildlich, indem sie ausserschulische Angebote in verschiedenen Musikschulen subventioniert und auch niederschwelligen Musikunterricht anbietet.

Eine hohe Lebensqualität und die Nähe zu den städtischen Zentren Basel und Lörrach zeichnet Riehen aus. Eine Folge dieses Standortvorteils ist allerdings auch teurer Wohnraum. Deshalb fördert die Gemeinde bezahlbaren Wohnraum in Zusammenarbeit mit Genossenschaften und anderen Wohnbauakteuren.    

Die Gemeinde fördert und unterstützt weiter das ehrenamtliche Engagement der 80 Vereine, welche mit ihren vielfältigen Angeboten das Leben in Riehen bereichern.   Projekte wie z. B. JAHE (Jung und Alt helfen einander) welche Stärken von Jung und Alt zusammen zusammenbringen, werden gefördert. Gesondert existieren für verschiedene Altersgruppen Konzepte und Anlaufstellen (Kinder, Jugendliche, Ältere, Flüchtlinge).

Auch ein reichhaltiges Kultur-, Freizeit- und Sportangebot für alle Bevölkerungs- und Altersgruppen macht Riehen für Familien attraktiv. Abgerundet wird das Riehener Angebot durch verschiedene Eltern- und Paarkurse sowie Integrations- und Sprachangebote für Kinder wie Eltern.

Insgesamt erstaunt es so nicht, dass Riehen bereits im Jahre 2011 die UNICEF‐Auszeichnung «Kinderfreundliche Gemeinde» für ihr langjähriges Engagement zugunsten der Kinder erhielt; dieses wird derzeit in einer Rezertifizierung zur Verlängerung angestrebt.(Link Familienpolitische Ziele, Leitbild 2016-2030: http://www.riehen.ch/gemeinde-riehen/politik/schwerpunkte-der-politik/leitbilder).

Zusammenfassend sind wir von Pro Familia Schweiz der Meinung, dass im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie noch einiges zu tun bleibt. Gleichzeitig bietet die Einführung von Massnahmen zur Förderung dieser Vereinbarkeit unzählige Vorteile für Familien, Unternehmen und den Staat. Schliesslich kann festgehalten werden, dass sich unsere Gesellschaft verändert hat und dass sich durch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht nur für die Frauen und Männer, sondern auch für unsere Wirtschaft die Möglichkeit bietet, sich in eine zukunftsträchtige Richtung zu entwickeln.

erstellt von Dr. Philippe Gnaegi, Direktor Pro Familia Schweiz