Eine Sprache schneller lernen dank Sprachaufenthalt?

In der Schule lernen Kinder in der Regel stets Englisch und eine bis zwei weitere Fremdsprachen. Zumeist spielt Französisch neben dem Englischen eine wichtige Rolle. Grundsätzlich soll der Unterricht ausreichen, um die jeweiligen Sprachen jedenfalls auf dem Papier und im Klassenverbund gut genug zu beherrschen.

Viele Schüler vertiefen ihr Wissen heute dank Serien, Filmen oder einfach durch das Internet automatisch. Es gibt aber auch Kinder, denen zwar Matheformeln praktisch in die Wiege gelegt worden sind, doch mit Sprachen haben sie echte Schwierigkeiten. Und hier fragen sich Eltern: Wie können die Sprachkenntnisse nützlich vertieft und verbessert werden? Eignet sich eine Sprachreise ins Ausland? Dieser Artikel schaut sich das Thema einmal genauer an.

Abbildung 1: Die Stadt Coventry eignet sich nicht nur für einen Sprachaufenthalt, sondern hat auch viel Sehenswertes zu bieten.

Was ist ein Sprachaufenthalt?

Für Schüler gibt es verschiedene Varianten des Sprachaufenthalts. Sie alle haben Gemeinsamkeiten, doch auch deutliche Unterschiede. Die wichtigste Gemeinsamkeit ist jedoch, dass sich die Schüler in dem Land aufhalten, in dem die zu lernende Sprache gesprochen wird. Die verschiedenen Varianten sind die Folgenden:

  • Klassenfahrt - einige Schulen gehen hin und bieten eine Klassenfahrt in das jeweilige Land an. Die Schüler sind im Klassenverband dort und kommen zwar mit Muttersprachlern in Kontakt, jedoch nur begrenzt. Die meiste Zeit halten sie sich unter ihren Klassenkameraden auf und sprechen natürlich die eigene Sprache. Einzig, wenn der Lehrer Aufgaben stellt, wird tatsächlich gelernt.
  • Schüleraustausch - in höheren Stufen ist es üblich, dass ein Schüleraustausch stattfindet. Schüler erhalten nun für zwei oder drei Wochen einen Schüler aus dem Land der zu lernenden Sprache, der bei ihm in der Familie lebt. Nach einiger Zeit wird das Szenario umgedreht. Nun fährt der Schweizer Schüler ins Ausland und lebt dort in der Gastfamilie. Die Austausche werden in der Regel von kulturellen Veranstaltungen und auch Unterricht begleitet.
  • Ferienreise - während der Schulferien können Schüler echte Sprachaufenthalte machen. Sie fahren schlichtweg in den Urlaub, doch leben sie dort in einer Institution des Anbieters, haben täglich Unterricht und nehmen zusätzlich an Veranstaltungen teil. Diese Sprachaufenthalte eignen sich insbesondere für unsichere Schüler und diejenigen, die eine echte Vertiefung der Sprache benötigen. Besonders beliebte Ziele für Sprachaufenthalte sind vor allem England, Malta und auch Irland.
  • Au-pair - in den letzten Schuljahren oder auch nach dem Schulabschluss können Schüler für sechs Monate oder auch ein Jahr ins Ausland gehen. Hier leben sie fest in einer Gastfamilie und kümmern sich zumeist um deren Kinder. Zudem haben sie Unterricht oder - bei Schülern - gehen tatsächlich auf eine normale Schule im Gastland. Dieser Weg eignet sich für neugierige und relativ selbstbewusste Schüler, die bereits recht sicher in der jeweiligen Sprache sind. Wem das Sprachenlernen sehr schwerfällt oder wer allgemein unsicher ist, sollte diesen Weg nicht wählen, da gerade der Schulbesuch in einem fremden Land und der damit verbundene fremdsprachige Unterricht überfordernd sein kann.

Welche Vorzüge hat ein Sprachaufenthalt?

Richtige Sprachaufenthalte haben im Gegensatz zum normalen Unterricht fast nur Vorteile, dennoch sind sie nicht für jeden geeignet. Je nach Charakter des Schülers kann ein Druck entstehen, der das Lernen deutlich erschwert. Dennoch überwiegen in den meisten Fällen die Vorteile:

  • Kleine Gruppen - ein guter Anbieter von Sprachaufenthalten setzt auf kleine Klassen. Die Schüler lernen in Gruppen von höchstens 15 Schülern und unterstützen sich gegenseitig.
  • Muttersprachler - Schüler lernen nicht nur von Lehrern, die die Sprache selbst mal gelernt haben, sondern von Muttersprachlern. Somit erhalten sie einen ganz anderen Einblick in Gewohnheiten, bekommen neue Tricks aufgezeigt und sie lernen vor allem gleich Dialekte mit.
  • Anwendung - natürlich gibt es in der heimischen Schule Rollenspiele. Doch sieht es ganz anders aus, wenn sich ein Schüler plötzlich mit einem Muttersprachler unterhalten muss. Dieser versteht schlichtweg nicht, was der Schüler auf Deutsch sagen würde. Während der Sprachreise muss sich der Teilnehmer aktiv mit der Sprache auseinandersetzen und die Hürde übernehmen, sich in einer fremden Sprache auszudrücken.
  • Kultur – Sprachaufenthalte, längere Auslandsaufenthalte oder auch das Sprachenlernen als Au-pair bieten alle einen tiefen Einblick in die Kultur des Landes. Die Stadtgänge oder auch Einkaufsbummel müssen nicht unbedingt mit Lehrern stattfinden, sondern können mit der Gastfamilie oder auch in der fremden Schule gefundenen Freunden unternommen werden. Austauschschüler leben nun förmlich die Sprache und lernen das Land aus der Sichtweise von Einheimischen kennen. Das ist gerade für später im Lebenslauf ein wichtiger Skill.

Was ist dabei zu beachten?

Wird ein Sprachaufenthalt oder ein Schüleraustausch direkt über die Schule durchgeführt, müssen Eltern gar nicht viel beachten. Anders sieht es aus, wenn sie sich für eine private Sprachreise oder einen Langzeitaufenthalt interessieren:

  • Anbieter - der Anbieter muss seriös sein. Es ist gut, wenn er auch gleich eine Zertifizierung anbietet. Nach Möglichkeit sollte der Anbieter aus der Schweiz stammen, da so auf das schweizerische Reiserecht zurückgegriffen werden kann.
  • Gruppen - bei Sprachaufenthalten sollte die Klassenstärke allerhöchstens 15 Schüler betragen. Die Klassen sind oft in Leistungsstufen unterteilt, damit gute Schüler nicht aufgehalten werden. Es ist sinnvoll, wenn vor der Anmeldung ein Sprachtest durchgeführt wird.
  • Angebot - was bietet die Sprachreise sonst noch an? Wie oft und lang ist der Unterricht? Die Schüler sollten höchstens fünf Stunden im Klassenzimmer verbringen, da der grösste Teil des Lernens draussen unter Muttersprachlern stattfindet.

Wer sich für einen Austausch als Au-pair interessiert, sollte sich den Anbieter ganz genau ansehen und sich nach Möglichkeit mit ehemaligen Teilnehmern in Verbindung setzen. Hier ist es wichtig, dass der Schüler immer einen Ansprechpartner hat und auch im Gastland jederzeit eine Anlaufstelle hat.

Abbildung 2: London sollte jeder Mensch einmal gesehen - warum also nicht während eines Sprachaufenthaltes?

Fazit - es kommt auf den Anbieter an

Grundsätzlich sind Sprachaufenthalte zu empfehlen, doch müssen Eltern schon prüfen, welchem Anbieter sie ihr Kind anvertrauen. Das gilt nicht nur bei minderjährigen Schülern, auch ältere, die sich als Au-pair versuchen, benötigen einen vertrauensvollen Partner im Gastland. Welches Angebot für den jeweiligen Schüler sinnvoll ist, hängt oft vom Charakter des Kindes ab. Ängstliche und zurückhaltende Schüler kommen oft mit Ferienkursen besser zurecht, als sich in einer Gastfamilie einzuleben.

Bildquellen:

Abbildung 1: @ iankelsall1 (CC0-Lizenz) / pixabay.com

Abbildung 2: @ derwiki (CC0-Lizenz) / pixabay.com