«Ein unpassendes Velo mindert die Fahrsicherheit»

Die Fahrrad-Saison geht nun so richtig los. Es gilt für Eltern, entweder die Räder auf Vordermann zu bringen oder sich mit dem Kauf eines neuen Drahtesels zu beschäftigen. Egal welche Variante ansteht: Gewisse Punkte sollten beachtet werden. FamilienSPICK hat bei Dominique Metz, Geschäftsführer der Veloplus AG in Wetzikon, nachgefragt.

Dominique Metz, das Fahrrad erfreut sich nach wie vor einer grossen Beliebtheit. Technisch hat sich in den letzten Jahren aber einiges verändert. Sind die heutigen Geräte im Bereich «Hightech» anzusiedeln?
Bei Erwachsenen-Velos kann man das sicher bejahen. Die Entwicklung in den vergangenen 20 Jahren war vor allem im sportiven Bereich – also Rennvelo und Mountainbike – enorm. Mit den E-Bikes ist die Entwicklung auch im Alltagsbereich enorm fortgeschritten – und es wird auch in den nächsten Jahren noch viel an Innovation dazukommen. Man kann da schon von Hightech sprechen. Kindervelos profitieren teilweise davon. Die Komponenten werden zum Beispiel immer leichter und stabiler. Bei Kindervelos würde ich aber nicht von Hightech sprechen.

Eltern möchten ihre Kinder sanft an diese Betätigung heranführen. Anfangs kann man sicherlich noch mit einer günstigeren Variante fahren oder ein Occasion-Modell aus der Nachbarschaft übernehmen. Ab welcher Altersstufe lohnt sich der Erwerb eines auf das Kind zugeschnittenen Fahrrades?
Sobald das Kind nicht mehr nur auf der Quartierstrasse hin- und herfährt, sondern mit den Erwachsenen auf Touren oder längeren Fahrten dabei ist, lohnt es sich, ein hochwertiges Velo anzuschaffen. Mit dem richtigen Material wird die Freude am Velofahren erhöht.

Nun gibt es unzählige verschiedene Modelle. Was muss beim Kauf beachtet werden?
Geringes Gewicht des Velos ist ein grosser Vorteil. Das Velo wird handlicher für das Kind und dadurch wird ihm auch das Erlernen des Velofahrens erleichtert. Bei den Komponenten lässt man alles weg, was (noch) nicht benötigt wird – also beispielsweise Federgabel, Schutzblech und Gepäckträger bei 16’’-Velos. Wichtig ist auch, unbedingt auf die Grössenangaben des Herstellers zu achten. Bei Kindern ist es zwar weniger heikel, wenn die Rahmengrösse nicht perfekt passt, weil sie selten lange Touren damit unternehmen. Ein zu kleines oder zu grosses Velo mindert aber die Fahrsicherheit und damit den Spass am Velofahren. Das Velo soll mit dem Kind mitwachsen können. Hier sind Sattelhöhe, Lenkerhöhe und Abstand zwischen Sattel und Lenker entscheidend. Ein tiefer Einstieg – also ein nach unten gebogenes Oberrohr des Rahmens – erleichtert dem Kind das Auf- und Absteigen und gibt Sicherheit beim Anhalten.

Und welche Punkte dürfen beim Zubehör nicht ausser Acht gelassen werden?
Helm, Beleuchtung, wenn man bei Dunkelheit unterwegs ist sowie Leuchtweste bei den ersten Versuchen im Strassenverkehr.

Wie regelmässig sollte ein Fahrrad in den Service gegeben werden?
Im Gegensatz zum Erwachsen-Velo ist der Verschleiss von Antrieb und Bremsen beim Kindervelo viel geringer. Das Warten dieser Komponenten bedingt einen regelmässigen Service-Intervall bei Erwachsenen-Velos. Beim Kindervelo kann man selber regelmässig den Luftdruck und das Profil der Reifen prüfen, den Verschleiss der Bremsbeläge und die Funktion der Bremsen kontrollieren sowie die Kette schmieren. Wer das selber nicht kann oder will, kann diesen Check von einem Fahrradhändler durchführen lassen. Es lohnt sich, dies circa einmal pro Jahr zu machen.

Das Erlernen des Fahrradfahrens ist für Kinder nicht immer einfach. Haben Sie Tipps, wie man sie am besten motivieren kann?
Am einfachsten ist es, wenn das Kind selber Velofahren lernen möchte. Wenn man als Eltern ein Vorbild ist, sprich viel mit dem Velo unterwegs ist und das Velofahren als Selbstverständlichkeit im Nahverkehr lebt, ist die Motivation des Kindes von alleine da. Wichtig ist, dass das Kind das Velofahren spielend erlernt. Wenn schon früh ein Laufrad als Spielzeug im Garten steht, kann es selber ausprobieren, wann es möchte. Schon nach kurzer Zeit lernt es automatisch das Balancieren und nimmt bei höherer Geschwindigkeit die Beine hoch. Wichtig ist, dass beim Umstellen vom Laufrad auf ein Velo mit Antrieb keine Stützräder montiert werden, da das Kind sonst das Balancieren wieder verlernt. Beim Velo mit Antrieb muss einzig die Tretbewegung dazugelernt werden. Wenn es zuvor ein anderes Spielzeug mit Kurbeln hatte – ein Dreirad oder einen Traktor etc. –, ist das von Vorteil, da das Kind die Bewegung schon erlernt hat.

Kommen wir zu Ihrem Business: Auch zahlreiche Grossverteiler sind mittlerweile in den Velohandel eingestiegen. Mit welchen Mitteln können Sie sich von dieser Konkurrenz abheben?
Wir beobachten die neue Konkurrenz sehr genau und nehmen diese sehr ernst. Wir müssen den Kunden ein hervorragendes Einkaufserlebnis bieten. Das heisst, dass die Fachberatung, das Sortiment und unsere Dienstleistungen top sein müssen. All unsere Mitarbeiter sind angefressene Velofahrer und leben das Velofahren auch in ihrer Freizeit. Ebenso bieten wir einmalige Dienstleistungen und Produkte im Ergonomiebereich. Wir stellen eigene ergonomische Lenker, Griffe, Sättel und Pedalen her und entwickeln gerade eigene mitwachsende Kindervelos.

Die wachsende Konkurrenz, der Einkaufstourismus ins Ausland und der zunehmende Online-Handel bereiten Ihnen keine Kopfschmerzen?
Einfach ist es im Detailhandel schon lange nicht mehr. Wir müssen permanent den Mehrwert für unsere Kunden hinterfragen, uns verbessern und effizienter werden. Unsere Stärke ist, dass wir viele Velo-Ideen haben und Trends früh erkennen und versuchen, diese umzusetzen. So haben wir auch 2018 ein paar Pfeile im Köcher. ++

erstellt von Marcel Baumgartner