Ein Bestseller erfindet sich neu

Der neue VW Passat ist ein Klassiker. Sogar ich mit meinem nicht mehr ganz taufrischen Jahrgang habe das Gefühl, es habe ihn schon immer gegeben. Bei unserer Familientestfahrt war ich deshalb gespannt, ob und wie sich der «Evergreen» entwickelt hat. Die Bilanz: Er hat. Und zwar mächtig.

Mehr als 30 Millionen Mal wurde der neue VW Passat  verkauft. Man kann also von einem Bestseller sprechen. Doch auch Klassiker müssen mit der Zeit gehen und sich erneuern. Unser erster Eindruck, als wir den Testwagen übernahmen: Von aussen ist der neue Passat immer noch ein Passat – auch wenn sicherlich auch optisch bei jedem  neuen Modell an vielen Details geschraubt wird. Charakteristisch für einen Passat ist ja aber gerade seine Diskretion. Er fällt nicht stark auf im Strassenbild – und prägt es mit seiner grossen Verbreitung dennoch.

Viel Platz und «Goodies»

Wir waren bei unserer Testfahrt zuerst in der Innenstadt unterwegs, dann in der Agglomeration. Der Wagen fährt sich sehr angenehm und ruhig, das Kindertestteam mit Nina (10) und Lynn (8) genoss auf den Rücksitzen viel Platz und Komfort. So richtig zum Staunen brachte uns der VW dann aber bei einem Zwischenhalt, als wir die verschie denen Assistenzsysteme und die zahlreichen «Goodies» durchgingen, die er bietet.

So ist der neue VW Passat mit «We Connect» stets online und vernetzt dank einer eigenen SIM-Karte. Will heissen: Man kann selbst dann, wenn man nicht im Auto sitzt, auf Informationen zurückgreifen wie Tankfüllstand, Türen und Lichter. Wer ein kompatibles Samsung-Smartphone hat, kann dieses als «Autoschlüssel» nutzen. Dazu kommen nützliche Gadgets wie eine Online-Diebstahlwarnung oder eine Online-Standheizung. Diese Funktionen lassen sich alle über die «We connect»-App steuern. Wir haben das in der kurzen Testzeit nicht im Detail durch gespielt (eine Standheizung war an jenem Tag auch nicht nötig ...), aber die Entwickler haben offensichtlich an eine Menge Dinge gedacht.

Sicherheitsprogramm

Es ist bei Testfahrten mittlerweile schwierig, das Testteam zu beeindrucken, weil heute in zahlreichen Marken Assistenzsysteme eingebaut sind, die sich zumindest auf den ersten Blick nicht gross unterscheiden. So ist zum Beispiel ein Spurhilfeassistent immer weiter verbreitet. Mit «Emergency Assist» geht der neue VW Passat noch ein bisschen weiter. Beschrieben wird die Funktion als «persönlicher Rettungshelfer für medizinische Notfälle an Bord.» Ist der Lenker plötzlich inaktiv, beispielsweise aufgrund eines  gesundheitlichen Problems oder weil er einschläft, wird ein Sicherheitsprogramm gestartet. Dazu gehören Bremsrucke, Warntöne und Warnblinker. So werden Fahrer und Mitfahrer gewarnt. Und erfolgt dann keine Reaktion, stoppt der Wagen, wenn es die herrschenden Umstände  erlauben, ganz. Diese und weitere Funktionen sind wie  immer je nach Ausstattungslinie mit dabei

«Der neue Passat ist aussen ein Klassiker und innen Fortschritt», heisst es bei VW. Wir haben nach unserer Testfahrt verstanden, welche Botschaft da transportiert wird. Man muss und darf einen Klassiker nicht völlig verwandeln, denn es wird ja gute Gründe dafür haben, dass er so oft  verkauft wird. Stehen bleiben bei der Weiterentwicklung kann man aber ebenfalls nicht, denn nur vom Ruf der Vergangenheit kann man nicht leben.
Der Spagat zwischen früher und heute scheint uns gut  gelungen: Es ist unverkennbar ein Passat, aber sein Innenleben ist beeindruckend und hat natürlich – nichts mehr zu tun mit dem «Ur-Passat». Der lief übrigens Anfang der 70er-Jahre erstmals vom Fliessband. Ich bin also quasi ein Jahrgänger des Passat, was mir das Modell spontan sympathisch macht.

erstellt von Stefan Millius