Die Vielseitigkeit des Kanusports ist für Kinder spannend

Kanusport ist eine sehr vielfältige Sportart, daher kommen auch unterschiedliche Eigenschaften zum Einsatz. Für wen sich diese Aktivität eignet, worauf vor einer ersten Tour geachtet werden sollte und wie populär der Sport in der Schweiz ist, erklärt Annalena Kuttenberger, Geschäftsführerin von «SwissCanoe», dem Schweizerischen Kanu-Verband, im Interview.

Annalena Kuttenberger, welche primären Eigenschaften sind beim Kanusport gefragt bzw. werden entwickelt?
Bei allen Formen des Kanusports werden Gleichgewicht, Koordination, Ausdauer und Kraft gefördert. Dazu kommen der natürliche Umgang mit dem Element Wasser und das Erleben von Natur. Kanusport findet dazu meist in einer Gruppe statt und trägt so zur Entwicklung der Sozialkompetenz bei.

Nun ist es ja gerade in bestimmten Gewässern kein ungefährlicher Sport. Welches Mindestalter ist empfehlenswert?
Kanusport setzt ein gewisses Mass an körperlicher Robustheit und Leistungsfähigkeit voraus und ist deswegen eine typische Zweitsportart. Wir empfehlen den Einstieg in den Sport ab zehn Jahren, gute Schwimmkenntnisse sind eine wichtige Voraussetzung.

Worauf muss in erster Linie geachtet werden, wenn man mit einem Kind zum ersten Mal eine Kanufahrt in Angriff nimmt?
Eine Kanutour ist für jüngere Kinder vielleicht gar nicht die richtige Form, die Freude am Paddeln zu entdecken. Besser ist eigentlich, Kinder bei warmen Wassertemperaturen
spielerisch mit Boot und Paddel in Ufernähe ihren eigenen Spieltrieb ausleben zu lassen – Kentern inklusive. Wenn man dann doch eine erste Kanutour mit Kindern in Betracht zieht, müssen verschiedene Aspekte beachtet werden:

  • Dauer/Art der Tour: Auf Abwechslung und verschiedene Ausstiegsmöglichkeiten achten, keine zu lange Tour wählen und in gut erschlossenen Gebieten bleiben.
  • Sicherheit: Eine Schwimmweste und der Wassertemperatur angepasste Kleidung sind immer Pflicht. Wichtig bei Einsteigern ist zu Beginn auf Spritzdecken zu verzichten,  damit die Kinder im Falle einer Kenterung nicht im Boot gefangen sind. Am Wasser besonders wichtig ist genügend guter Sonnenschutz.
  • Involvierung: Kinder sollen nicht als blosse Passagiere mit an Bord sein. Ein Kinderpaddel, eine Aufgabe als Steuermann/-frau, eine Fahrt im Zweier-Kajak usw. sind Möglichkeiten, wie Kinder aktiv an der Tour teilnehmen können.
  • Spiel und Spass, Entdecken: Eine Kanutour findet immer in besonderen Lebensräumen am/im Wasser statt. Kinder sollen Zeit haben, diese Lebensräume kennenzulernen, zu spielen, Neues auszuprobieren und Flora und Fauna zu erfahren. Manchmal ist es spannender, im seichten Wasser einer einzigen Bucht herumzupaddeln, als viele Kilometer auf einem Fluss oder See zurückzulegen.

Bestimmt gibt es auch bei den Kanus Ausführungen in allen möglichen Preiskategorien. Mit welchen Investitionen muss man rechnen und was gilt es hier zu beachten?
Das hängt sehr davon ab, in welche Richtung des Kanusports es gehen soll. Für Kinder empfiehlt sich der Einstieg über einen Verein. Dort wird Material meist gratis oder sehr günstig zur Verfügung gestellt und man kann sich in Ruhe mit den verschiedenen Bootstypen vertraut machen. Zahlreiche Occasions-Plattformen bieten ausserdem gute
Möglichkeiten, ein erstes Kanu oder Kajak zu einem günstigeren Preis zu erstehen. Wenn es ein neues Boot sein soll, empfiehlt es sich immer, die Beratung beim Fachhändler in
Anspruch zu nehmen. Dort können die Boote auch getestet werden. Eine komplette Einsteiger-Kanuausrüstung inkl. Boot, Paddel und Bekleidung kostet zwischen 1000.–
(Occasion) und 2500.– Franken.

Nun ist der Kanusport ja nicht nur eine Freizeitbeschäftigung, sondern wird auch wettkampfmässig betrieben. Wie stark ist dieser Sport in der Schweiz verbreitet?
In der Schweiz nehmen circa 500 Personen regelmässig an Wettkämpfen in den einzelnen Kanusport-Disziplinen teil. Dazu kommen weitere Personen, die gelegentlich an Breitensportanlässen wie Kanu-Marathons o.Ä. teilnehmen.

Zum Schweizerischen Kanu-Verband gehören sechs Kanu-Wettkampf-Disziplinen, davon zwei mit Zugehörigkeit zum olympischen Programm. Worin unterscheiden sie sich?
Zunächst unterscheidet man, ob eine Disziplin im Wildwasser (Fluss oder künstliche Anlage) oder auf flachem Wasser (See oder Pool) stattfindet. Zu den Wildwasser-
Disziplinen zählen Kanu-Slalom und Wildwasserrennsport. Beim Slalom muss ein Parcours aus Auf- und Abwärtstoren absolviert werden, beim Wildwasserrennsport gilt es, die
schnellste Linie zwischen den natürlichen Hindernissen in einem Fluss zu finden.

Und im flachen Wasser?
Bei den Flachwasser-Disziplinen gibt es Einzel- und Mannschaftssportarten. Kanu Regatta ähnelt dabei stark dem Rudern. In Einer-, Zweier- oder Viererkajaks werden Rennen über 5000, 1000, 500 und 200 Meter ausgetragen.
Im Drachenboot sitzen zwischen 10 und 20 Personen, die gemeinsam Rennen über 200 bis 2000 Meter absolvieren. Hier ist Teamgeist gefragt.
Kanupolo ist die einzige Spielsportart im Kanusport. Zwei Teams à fünf Personen versuchen ähnlich dem Wasserball, so viele Tore wie möglich zu schiessen. Kanupolo findet meistens in einem Schwimmbecken statt, die Tore sind zwei Meter über der Wasseroberfläche aufgehängt.

Und welche dafür bieten sich für Kinder an?
Kinder sind von ihrem Naturell her spielerisch unterwegs. Darum eignen sich für den Start in den Kanusport vor allem spielorientierte Formen wie zum Beispiel Slalom. Vor einer Spezialisierung in einer Disziplin steht aber eine möglichst breite Grundausbildung im Verein. Sie erlaubt es, sich ganz nach den persönlichen Vorlieben und Talenten zu entwickeln und später die «Lieblingsdisziplin» zu finden. Gerade die Vielseitigkeit des Kanusports ist für Kinder spannend und sollte deshalb ein zentraler Bestandteil des Trainings sein.

Wie sollten Eltern vorgehen, wenn sie ihr Kind an diesen Sport heranführen möchten?
Der einfachste Einstieg in den Kanusport führt für Kinder über einen Verein. Schnupperkurse, Ferienpassangebote oder Ähnliches werden von fast allen Kanuclubs in der Schweiz angeboten und sind eine gute Möglichkeit, die Sportart kennenzulernen. Da die Sicherheit im Kanusport ein wichtiger Faktor ist, sollte man vor allem auf die Ausbildung
der Kursleiter achten. Mindestens eine J+SLeiterausbildung Kanusport sollte immer vorliegen.

erstellt von Marcel Baumgartner