«Der Beruf erfordert viel Passion»

FamilienSPICK im Interview mit zwei begeisterten Gastronomen

Simon Müller ist Chef de Réception im Hotel Grischa in Davos. Im Gespräch mit ihm über seinen Beruf, der gleichzeitig seine Leidenschaft ist. Und darüber, wie man dem Gast in positiver Erinnerung bleibt.

Simon Müller, seit acht Jahren arbeiten Sie im Hotel Grischa, seit zwei Jahren als Chef de Rezeption. Wie sind Sie zu diesem Beruf gekommen?
Mehr oder weniger durch Zufall. Am Ende war es aber die Freude am Beruf und ein perfekt funktionierender Betrieb, welcher familiäre Strukturen und attraktive Weiterbildungsmöglichkeiten bietet. Zudem bietet die Davoser Bergwelt perfekte Lebensbedingungen.

Ihr Aufgabenfeld ist sehr vielfältig. Sie stehen bezüglich des Gästekontakts stets an erster Stelle. Was motiviert Sie tagtäglich dafür?
Einerseits ist es der Kontakt mit spannenden Gästen, aber auch der Umgang mit Mitarbeitern. Dazu kommen täglich interessante und meist höchst abwechslungsreiche Herausforderungen.

Welche sind das?
Der Beruf erfordert viel Passion. Er beinhaltet zweifelsohne stressige Situationen, unregelmässige Arbeitszeiten und erfordert teilweise grosse persönliche Flexibilität. Für viele Berufseinsteiger wirkt dies abschreckend. Gleichzeitig existieren vielfältige Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten und der Beruf wird insgesamt äusserst abwechslungsreich.

Die Rezeption ist bei den Gästen meist das Erste, was sie von einem Hotel sehen. Wie erleben Sie das in Ihrem Alltag?
Die Rezeption ist nicht nur der erste Eindruck, sondern meist auch der letzte. Alle Abläufe sind so koordiniert, dass genau dieser Eindruck beim Gast möglichst positiv in Erinnerung bleibt. Für die Mitarbeiter im Frontbereich ist diese Vermittlung eines positiven Eindrucks beim Gast eine absolute Voraussetzung für den Beruf.

Der Konkurrenzkampf unter den Hotels ist gross. Was können Sie in der Praxis dazu beitragen, dass sich die Gäste bei Ihnen besonders wohlfühlen?
Indem man versucht, die Bedürfnisse eines Gastes möglichst schnell und umfassend zu erfahren, besteht die Möglichkeit, diese individuell für ihn zu erfüllen. Grundsätzlich gibt es praktisch nichts, was von Gästen nicht gewünscht wird, und unsere Aufgabe ist es, alles Machbare zu erfüllen – oder Alternativen aufzuzeigen.

Cenia Revel ist lernende Kauffrau HGT (Hotel-Gastro-Tourismus) EFZ im zweiten Lehrjahr im Hotel Grischa. Sie hat in dieser Zeit bereits so einiges erlebt – vom WEF in Davos bis zum Feueralarm.

Cenia Revel, fiel Ihnen die Wahl leicht, sich für diesen Beruf zu entscheiden?
Ja. Als ich den Beruf als Kauffrau HGT geschnuppert hatte, wusste ich sofort, dass ich diese Grundbildung absolvieren möchte. In dieser Ausbildung kann ich sehr viele verschiedene Tätigkeiten ausüben und unterschiedliche Berufserfahrungen sammeln. Durch den ständigen Kontakt mit Menschen aus aller Welt verbessern sich zudem ständig meine Sprachkenntnisse.

Das Team vom Hotel Grischa steht den Hotelgästen 24 Stunden am Tag zur Verfügung. Was motiviert Sie tagtäglich dafür?
Den Kontakt mit den Gästen sowie mit den Arbeitskollegen schätze ich sehr. Fast täglich kommen neue Herausforderungen auf mich zu, welche zu bewältigen sind. Genau dies macht diesen Beruf für mich so spannend.

Welche Herausforderungen sind das?
Je nach Sprache der Gäste ist die Kommunikation nicht immer einfach. Weiter sollte man immer den Gesamtüberblick über das Hotel haben und genau wissen, wer bei allfälligen Änderungen informiert werden muss. Dies ist für einen reibungslosen Ablauf sehr wichtig.

Für viele junge Leute kommt der Beruf aufgrund der unregelmässigen Arbeitszeiten nicht infrage. Warum ist es bei Ihnen anders?
Das stimmt. Für viele kommt eine Ausbildung im Hotel aufgrund der unregelmässigen Arbeitszeiten und Wochenendeinsätzen leider nicht infrage. Für mich überwiegt jedoch die Vielfältigkeit des Berufes und den Kontakt mit Menschen. Da die Ausbildung aber sehr abwechslungsreich ist, wird es meiner Meinung nach immer Leute geben, die darüber hinwegsehen und sich für diesen Beruf beziehungsweise die Ausbildung begeistern werden.

Stichwort Begeisterung. An was erinnern Sie sich besonders gut?
Jedes Jahr findet das World Economic Forum (WEF) in Davos statt. In dieser Zeit beherbergen wir viele wichtige Persönlichkeiten. Während des WEF 2019 habe ich die Bekanntschaft eines wichtigen Staatsoberhauptes gemacht. Dies ist ein Erlebnis, das ich nicht so schnell vergessen werde.

Gibt es weitere besondere Momente?
Im Verlauf meiner Ausbildung habe ich bereits einiges erlebt. Während der Sommersaison waren wir an einem Wochenende zu dritt bei der Arbeit, als plötzlich der Feueralarm losging – es gab keinen Voralarm. Innerhalb von Sekunden haben sich alle Brandschutzwände geschlossen. Dies ist im Ernstfall nötig, damit sich das Feuer nicht weiter ausbreiten kann. An der Rezeption selber gibt es auch eine solche Wand, damit die Lobby vom Back Office abgetrennt ist. Wie sich nach einer Überprüfung herausstellte, war kein Feuer ausgebrochen. Jedoch konnten wir den Alarm noch immer nicht ausschalten. Nach Rücksprache mit der Feuerwehr und der Polizei konnten wir den Feueralarm ausschalten. Schlussendlich ist nichts Schlimmes passiert, jedoch war ich etwas erschrocken. Schliesslich war es das erste Mal, dass ich einen Feueralarm miterlebt habe. Bei einem weiteren Feueralarm wüsste ich nun was zu tun ist.