Das Schweizer Réduit

Gerade zur schönen Frühlings- und Sommerzeit lässt es sich in den heimatlichen Gebieten unbeschwert Radeln und ausgiebig Wandern. Insbesondere eine Wanderung mit der Familie ist eine aktive und naturverbundene Auszeitmöglichkeit vom grauen Büro-Alltag. Und wer sich beim Wandern insbesondere entlang der Bergpässe in den Hochalpen einmal genauer umgeschaut hat, wird feststellen, dass dort viele alte Befestigungsanlagen, Teile des „Réduit National“, zu finden sind. Eine Wanderung dauert für gewöhnlich mindestens einen halben Tag, weswegen die Usanz einer guten Vorbereitung nicht zu leugnen ist. Schliesslich soll der Familienausflug ganz in Minne verlaufen. Dazu gehören aber nicht nur Zältlis für die Kids, wenn sie einen anstrengenden Aufstieg geschafft haben, sondern auch jede Menge andere Energielieferanten sowie die richtige Ausrüstung und Kleidung.

Die Schweizer Alpen besitzen viele unbekannte Befestigungsanlagen – wie hier bei der Festung Furggels bei Bad Ragaz.

Der Verlauf des Réduit

Viele Schweizer Neutralitätsbewahrer im Zweiten Weltkrieg sind stumme Zeugen einer Zeit, in der 300.000 Schweizer Soldaten in den Aktivdienst gerufen und in den Schweizer Alpen eingeschlossen wurden. Die Schweiz war zur damaligen Zeit von allen Seiten von ihren Gegnern umstellt und musste um ihre Existenz bangen. General Guisan beschloss im Jahre 1940 im Rütlirapport den Plan, im Falle eines Angriffs der Achsenmächte die Verteidigung der Schweiz auf die Hochalpen und der wichtigsten Passübergänge, vor allem dem Gotthardmassiv, zu konzentrieren. Es entstanden fortan Befestigungen, welche die Vorteile der Alpen zu nutzen vermögen. Tief in den Schweizer Alpen entstand das Réduit, welches aus unzähligen kleinen und grossen Festungsanlagen mit schlagkräftigen Geschützen besteht – mit eigenen Bäckereien, Spitälern und Wasserquellen. Ganz normal wirkende Hütten sind in Wirklichkeit schwer befestigte Bunkeranlagen.

Den Start einer Réduit-Wanderung bietet die Gotthard-Festung Forte di Airolo. Diese liegt auf 1300 Metern oberhalb des Ortes Airolo am Südportal der Gotthardbahn. Diese Festung ist heute ein Museum und kann jeden ersten Samstag vom 1. Juni bis zum 31. Oktober um 13.30 und 15 Uhr mit Führung besichtigt werden. Es lohnt sich im Anschluss ein Aufstieg zur Festung Motto Bartola auf 1527 Metern auf dem Gemeindegebiet von Airolo an der alten Gotthardstrasse. Hier lässt sich auch eine tolle Aussicht geniessen. Der Hoehepunkt stellt schlussendlich die Festung Foppa Grande auf der Südseite des Gotthardpasses dar. Diese befindet sich auf 1540 Metern am Eingang zur Tremola ebenfalls an der alten Gotthardstrasse. Eine Besichtigung ist hier jedoch nur mit Voranmeldung möglich. Wer genau hinschaut, erkennt auf dem Weg dorthin vielleicht noch vereinzelte künstliche Geländebefestigungen verschiedenster Art wie betonierte Höckersperren («Toblerone-Sperren») oder Panzersperren. Nach diesen kann auch bei einem entspannten Abstieg wiederum Ausschau gehalten werden.

Die optimale Ausrüstung

Der Volksmund rät zu einem gelungenen Wandererlebnis: „Wer wandern will, der schweig fein still. Geh' steten Schritt. Nehm' nicht viel mit“. Doch welche Ausrüstung wird bei einer Wanderung mit der Familie wirklich gebraucht? Zunächst einmal ist ein ausbalancierter und belastbarer Rucksack für junge Wandersleute ebenso wie für ältere Wanderer vonnöten. Dieser sollte bequem sitzen und nicht zu sehr zum Schwitzen anregen. Was muss in den Rucksack? Für jede Wanderung ist es ratsam, Karten und Kompass einzupacken. In die Reiseapotheke gehören Heftpflastern, eine Mullbinde, Schmerzmittel und Verletzungssalben. Das Natel (mit GPS-Funktion) sollte zwar für alle Fälle dabei sein, aber ausgeschaltet bleiben. Auch eine Taschenlampe kann sich als nützlich erweisen, auf dem Weg zu bleiben, falls die Wanderung länger dauern sollte. Eine gute Sonnenbrille schützt ferner vor Sonnenstrahlen. Besser noch: Vorher mit Sonnencrème einschmieren!

Den Energiespeicher auffüllen

Wie heisst es doch so schön: „Ohne Mampf, kein Kampf“. Ein Ausfall des Frühstücks sollte jedoch, besonders im Sinne der Kinder, vermieden werden, denn der Körper braucht Energie, also Kohlenhydrate und Fette, um tadellos funktionieren zu können. Beim Frühstücken sollte darauf geachtet werden, dass kein Völlegefühl entsteht, da dies die Wanderfreude mindert.

Grundsätzlich gilt: Nicht nur die Kinder sondern auch die Eltern brauchen regelmässige Ess- und Trinkpausen. Je länger die Wanderung ist, desto mehr Pausen sollten hierbei gemacht werden. Das Essen auf einer Wanderung sollte ausserdem nicht nur einfach zu tragen sondern auch leicht zu verdauen und trotzdem sättigend sein. Schnelle Energie versprechen Lebensmittel wie:

  • Brotaufstriche
  • Joghurt
  • Knäckebrot
  • Müsli
  • Nudeln
  • Nüsse
  • Pesto
  • Traubenzucker
  • Trockenobst

Wenn der lange Wandertag geschafft ist, müssen die Flüssigkeit- und Mineralstoffverluste wieder ausgeglichen werden. Ausreichendes Trinken ist jetzt ebenso wichtig wie die Zufuhr von Kohlenhydraten durch Gemüse oder Hülsenfrüchte, die dem Körper auch Kalium, Magnesium und Natrium liefern. Während leichtverdauliche Milchproteine für einen Muskel regenerierenden Effekt sorgen, stärkt Vitamin C aus Zitrusfrüchten sowie Eisen durch den Verzehr von Nüssen das körpereigene Immunsystem.

Die passende Kleidung

Eine bequeme und effektive Bekleidung wird die Wanderqualität aller Hobby-Sportler massgeblich beeinflussen. Atmungsaktive Klamotten tragen hierzu wesentlich bei. Qualitativ hochwertige Kleidungsstoffe befördern zusätzlich Feuchtigkeit besser nach draussen. Dabei wird der Körper sowohl vor Hitzestau als auch vor Unterkühlung geschützt. Perfekt sind hierbei wasser- und windabweisende „Softshelljacken“. Es empfiehlt sich, die einzelnen Kleidungsstücke richtig im Sinne des „Zwiebelschalenprinzip“ zu kombinieren. Ein absolutes Allzwecktuch ist des Weiteren der sogenannte „Buff“, welcher sich sowohl als Schal als auch als Stirnband verwenden lässt. Ferner sind Kopfbedeckungen mit UV-Schutz unabdingbar. Zuguterletzt sollte auch auf richtiges Schuhwerk, das weder „drückt“ noch wasserdurchlässig ist, geachtet werden.

erstellt von Tobias Kruse