Bettnässen: Was tun?

Das Bettnässen ist bis ins Kindergartenalter normal. In den meisten Fällen hört das Kind im Alter zwischen 5 und 6 Jahren auf, sein Bett zu nässen. Die Enuresis nocturna, auch Urin-Inkontinenz genannt, bezeichnet ein ungewolltes Urinlassen eines Kindes während des Schlafs, obwohl es dem Alter entsprechend "trocken" sein sollte.

Trotz der Häufigkeit dieser Krankheit, bleibt das Bettnässen ein Tabu-Thema. Im Alter von 6 Jahren sind ca. 10% der Kinder davon betroffen, mit 10 Jahren sind es noch 6% und sogar bei den Erwachsenen leidet 1% darunter. Knaben sind häufiger davon betroffen als Mädchen und neuere Untersuchungen weisen auf eine genetische Vererbung hin.

Das Bettnässen kann behandelt werden. Versuchen Sie, das Problem nicht zu dramatisieren, sondern Ihr Kind auf dem Weg zum Trocken-werden zu unterstützen und zu ermutigen. Ein Arztbesuch ermöglicht es, das Anliegen gezielter anzugehen.

Die Ursachen
Die Blasenkontrolle und somit die Kontrolle über das Wasserlassen ist von verschiedenen Faktoren abhängig wie die Reifung des Gehirns, die Grösse der Blase, die Harnproduktion. Deshalb benötigen Kinder unterschiedlich lang, um trocken zu werden.

Wenn das Kind sein Bett immer genässt hat (primäre monosymptomatische Enuresis nocturna) oder nie mehr als sechs Monate "trocken" war, ist die Ursache des Bettnässens wahrscheinlich mit dem Tiefschlaf verbunden. Weil sie sehr tief schlafen, können diese Kinder den Impuls der vollen Blase nicht spüren.

Seltener bestehen andere Gründe wie z. Bsp. eine zu kleine Blase, eine übermässige Urinproduktion während der Nacht (ungenügende Produktion des antidiuretischen Hormons). Die Arztkonsultation wird erlauben, die Möglichkeit einer kleinen anatomischen Missbildung (die mittels Echographie entdeckt werden kann) oder eine Harnwegsinfektion auszuschliessen. Diese Ursachen sind rein organischer Natur.

Die psychologischen Ursachen können mit einer wichtigen Veränderung oder mit Stress im Leben Ihres Kindes in Zusammenhang stehen. Die Geburt eines Geschwisterchens, die Trennung der Eltern, der Schuleintritt, eine Krankheit, ein Trauerfall in der Familie oder eine andere ungewöhnliche Situation können eine in den meisten Fällen temporäre Regression hervorrufen. Man muss aber nicht zwingend einen Psychiater konsultieren. Manchmal genügt die Angst vor Vorwürfen seitens der Eltern, um einen Teufelskreis zu schaffen.  Jeder Misserfolg verstärkt die Angst, die einen erneuten Rückfall zur Folge hat. In seltenen Fällen hat sich das Bettnässen aufgrund eines traumatischen Vorfalls entwickelt.

Muss das Bettnässen behandelt werden?
Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass eine Behandlung nicht zwingend ist. Manchmal handelt es sich nur um einen temporären, vorübergehenden Rückfall. Die Tatsache, sein Bett zu nässen, obwohl man sechs, neun oder elf Jahre alt ist, bedeutet eine harte Prüfung und stellt ihre Eltern vor viele Fragen. Sowohl die Eltern als auch das Kind können beim Auftreten dieses Phänomens Gefühle wie Ungeduld, Zorn, Gereiztheit, Schuldgefühle und Scham empfinden. Diese Gefühle können beim Kind zu einem Verlust des Selbstvertrauens führen, zu einem Minderwertigkeitsgefühl, einer Angst oder Unsicherheit, die Beziehung zu seinen Eltern zu beeinträchtigen.

Wenn ein Kind an gewissen Aktivitäten nicht mehr wie andere Kinder teilnehmen kann (z. Bsp. bei einem Freund oder Freundin übernachten, mit der Schule in ein Lager gehen, usw.), besteht das Risiko, dass es in eine Spirale der Entmutigung gelangt und dass sich dies auch auf andere Seiten seines Lebens auswirkt. Eine Enuresis nocturna, die nicht behandelt wird, kann also psychologische Probleme auslösen. Wenn Ihr Kind nach 6 Jahren immer noch regelmässig sein Bett nässt, ist ein Arztbesuch empfohlen. Der Arzt kann die Ursachen der Enuresis Ihres Kindes feststellen und Sie über die richtige Behandlung orientieren.

Welche Therapieformen gibt es?

Heute gibt es die apparative Verhaltenstherapie:
Mit der das Kontinenz-System auf natürliche Weise wieder funktionsfähig gemacht wird. Mit einem Weckapparat lernt das Kind in wenigen Wochen seine Blase zu kontrollieren. Der Weckapparat wird eingesetzt, um das Kind bereits bei den ersten Urintropfen zu wecken, so dass das Wasserlassen auf dem WC fertig gemacht wird.Bei Beginn der Kur wird das Kind in der Mitte oder sogar am Ende des Harnlassens wach, aber nach einigen Wochen treten die Vorwegnahme und das Bewusstwerden des Harndrangs ein. Anders ausgedrückt: Das Kind entwickelt den Reflex seinen Urin zurückzuhalten und, wenn die Urinmenge ausgiebig ist, wird das Kind durch den spürbaren Druck in der Blase rechtzeitig geweckt.Mit dieser Behandlung bleibt das Kind in einer natürlichen Umgebung. Es kann insbesondere so viel Flüssigkeit einnehmen, wie es will.Der Weckapparat wird, sofern ärztlich verordnet und der Patient 5jährig ist, grösstenteils von der Krankenkasse übernommen. Jedoch nur wenn das Gerät gemietet wird.

Die medikamentöse Behandlung:
Mit Tabletten (der Nasenspray ist in Europa und nun auch in der Schweiz verboten) wird ein antidiuretisches Hormon (ADH), auch Desmopressin oder Vasopressin genannt, das die Harnproduktion während des Schlafs hemmt, verabreicht. Grundsätzlich wird dieses Hormon im menschlichen Körper auf natürliche Weise produziert.Dieses Medikament erfordert eine medizinische Überwachung und darf nur auf ein ärztliches Rezept hin eingenommen werden. Nach Einnahme muss das Trinken wegen dem Risiko von Harnverhaltung eingestellt werden.Die medikamentöse Behandlung ist Krankenkassen zulässig.

Die Behandlung der psychoaffektiven Störungen:Wenn es sich bei der Abklärung mit dem Kinderarzt herausstellt, dass diese die Ursache des Bettnässens darstellen, kann es zu einer Weiterweisung an einen Kinderspsychiater kommen, welcher eine Bilanz erstellt. Die Abklärungen sowie weiterführende Behandlungen geschehen ausschliesslich in Zusammenarbeit mit und im Einverständnis der Eltern, deren Präsenz bei jeder Konsultation unerlässlich ist.

Die Konsultationen beim Kinderpsychiater übernehmen die Krankenkassen.

Die Erfolgschancen
Unterschiedliche Untersuchungen haben ergeben, dass der verhaltenstherapeutische Ansatz mit dem Weckapparat erfolgreicher ist als die medikamentöse Therapie. Die medikamentöse Therapie kann im Moment der Behandlung erfolgreich sein, jedoch gibt es nach Beendigung der Therapie viel mehr Rückfälle als mit dem Weckgerät. Deshalb wählen viele Kinderärzte / Kinderärztinnen die Verhaltenstherapie.

Die Firma Melebi SA (seit 1932 Schweizer Pionier im Bereich der verhaltenstherapeutischen Behandlung des Bettnässens mit dem Weckapparat) vermietet einen kabellosen Weckapparat.

Mehr Infos zum Thema: www.pipi-stop.ch