Begabungen sollten früh erkannt werden!

Der Befund "hochbegabt" weckt bei vielen Eltern zuerst Unsicherheiten, Bedenken und auf jeden Fall ganz viele Fragen. Regula Haag, Geschäftsführerin der Stiftung für hochbegabte Kinder, hat Antworten.

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Regula Haag, wann ist  ein Kind hochbegabt?
Hochbegabung ist eine Definitionssache. Neben dem Intelligenzquotienten spielen verschiedene Aspekte eine Rolle. Allerdings legen wir unser Augenmerk weniger auf die Frage der korrekten Definition, sondern auf die angemessene Förderung und Entfaltung der Begabungen, die ein Kind in sich trägt. Dazu gehören unter anderem vor allem auch gute schulische Rahmenbedingungen.


Was meinen Sie  damit?
Kinder mit beispielsweise einer einseitigen, hohen Begabung passen oft nicht in das schulische Umfeld. Sie fallen dann häufig eher negativ durch Schul- und Entwicklungsprobleme auf. Sie sind in der Schule unterfordert, sie langweilen sich, reagieren aggressiv oder werden krank. Das Problem ist dabei nicht das Kind, sondern die Umgebung, die ihm und seinen Fähigkeiten nicht gerecht wird. Eine angemessene Förderung muss auf die Bedürfnisse des begabten Kindes eingehen. Nur so kann es seine Fähigkeiten erfolgreich umsetzen. Deshalb ist es so wichtig, dass eine allfällige Hoch- oder Teilbegabung möglichst früh erkannt wird, denn sonst ist die Gefahr gross, dass aus Begabten bald Problemkinder werden.

Was empfehlen Sie Eltern, die vermuten, ihr Kind sei hochbegabt?
In erster Linie empfehlen wir, bei Schulpsychologischen Diensten der Gemeinden oder der Kantone eine Potenzialanalyse durchzuführen. Diese ist in der Regel kostenlos. Die Adressen erfahren Sie von den Lehrkräften, den Schulpflegen oder bei der Gemeinde Ihres Wohnortes. Falls Sie sich für eine private Potenzialanalyse entscheiden, sind die Abklärungskosten in der Regel selber zu tragen. Die Liste von Fachkräften auf unserer Website ist auf Grund von Rückmeldungen von Familien entstanden, die sich bei unserer Beratungsstelle "Anlaufstelle Hochbegabung" positiv geäussert haben.

Was bringt eine Beratung?
Unsere Beratung setzt sich zum Ziel, zusammen mit den Betroffenen die Probleme zu erkennen und unterstützend auf eine Lösung hinzuwirken. Alle Beteiligten - Kind, Eltern, Lehrpersonen - sollen zum Handeln befähigt werden, damit sich das Kind so entfalten kann, wie es ihm entspricht.

 

Anlaufstelle Hochbegabung
Fragen Sie sich, ob die schulischen Probleme Ihres Kindes mit Hochbegabung zusammenhängen? Rufen Sie an oder schreiben Sie eine E-Mail - die beiden Fachpersonen Wolfgang Stern und Yolanda Pfaff sind jeweils am Dienstag- und Mittwochnachmittag, von 14 bis 17 Uhr, Tel. 061 411 10 11, erreichbar.

Beide sind Eltern von hochbegabten Kindern, ausgebildete Lehrkräfte, nehmen Führungsaufgaben in öffentlichen Schulen wahr und waren über zehn Jahre im Vorstand des Elternvereins für hochbegabte Kinder EHK aktiv.

Stiftung für hochbegabte Kinder

Die Stiftung für hochbegabte Kinder hat sich zum Ziel gesetzt, Kinder mit hohem Potenzial gezielt zu fördern. Sie unterstützt bedürftige Familien bei der Förderung ihrer hochbegabten Kinder finanziell und kann sie durch ihre Anlaufstelle Hochbegabung unentgeltlich beraten. Die Stiftung will durch ihre Arbeit im Schulbereich ein allgemeines Umdenken weg vom Defizitdenken hin zur Stärkenorientierung anstreben. Dieses Projekt ist das Hauptinstrument zu Umsetzung unserer Strategie zur breiten Verankerung der Begabungs- und Begabtenförderung in der Schulentwicklung. Weitere Infos und viele weiterführende Informationen über www.hochbegabt.ch

Buchtipps -  direkt bestellen über
www.swissfamily.ch/buchshop

"Hochbegabte Kinder klug begleiten", ein Handbuch für Eltern, von Dietrich Arnold und Franzis Preckel, Beltz & Gelberg, Fr.26.90, ISBN: 978-3-407-85928-0
Dieses Handbuch unterstützt Eltern bei typischen Fragen und Problemen. Es gibt Anregungen für ein konstruktives und gelassenes Miteinander im Familienalltag.

"Lichtblick für helle Köpfe", ein Wegweiser zur Erkennung und Förderung von hohen Fähigkeiten bei Kindern und Jugendlichen auf allen Schulstufen, von Joëlle Huser, Lehrmittelverlag des Kantons Zürich, Fr. 57.-.  ISBN: 978-3-03713-054-4. Handbuch für Lehrer und Eltern, speziell mit Tipps für den Unterricht.

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erstellt von Redaktion: Christina Bösiger