Barrieren aus dem Weg schaffen

Eine Behinderung stellt nicht nur das betroffene Kind vor Herausforderungen, sondern gleich die ganze Familie – und auch den Wohnraum. Um sich möglichst barrierefrei in den eigenen vier Wänden bewegen zu können, sind viele Voraussetzungen nötig.

Eine Treppe, zu schmale Türen oder aber die sanitäre  Einrichtung: Es sind alltägliche Dinge, die für Kinder mit einer Behinderung nicht (mehr) möglich sind. Der obere Stock ist mit einem Rollstuhl nicht zugänglich, die Dusche zu klein, das Waschbecken zu hoch. Diese Problematik kennt Architekt Roger Mottaz vom Zentrum für hindernisfreies Bauen in Muhen. «Um die häusliche Pflege erheblich zu erleichtern, müssen das Haus oder die Wohnung in den meisten Fällen behindertengerecht umgebaut werden», sagt er. Es sei wichtig, im Vorfeld das Gespräch mit den Spezialisten wie beispielsweise Ärzten, Spitälern oder  Therapeuten zu suchen, damit die benötigten Hilfsmittel erläutert werden können. Denn: «Der Umbauumfang im privaten Bereich ist von der Behinderung abhängig und immer individuell auf diese Person abgestimmt», so  Mottaz weiter.

Am Leben teilhaben

Der hindernisfreie Zugang und die Benutzbarkeit von Bauten und Anlagen ist für Menschen mit körperlicher  Beeinträchtigung eine entscheidende Voraussetzung. Schliesslich wollen und müssen sie möglichst selbstständig und selbstbestimmt leben können. Ebenso spielen Türbreiten und die Schwellenlosigkeit eine Rolle. Mottaz: «Sie ermöglichen den beeinträchtigten Personen eine gleich berechtigte Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. In der Familie, beim Wohnen, später in der Ausbildung, im Beruf oder in der Freizeit.» Ein wesentlicher Teil betreffe die Nasszellen. Hier müsse darauf geachtet werden, dass die Komponenten wie Klosett, Waschtisch, Badewanne oder Dusche optimal genutzt werden können. Bei Kindern ist zudem wichtig, dass genügend Platz für allfällige Hilfs personen vorhanden ist. Oftmals werden bei Kindern  Klosetts, Waschtische und Haltegriffe höhenverstellbar geplant und ausgeführt, damit diese nach und nach ohne grossen Aufwand verstellt werden, also «mitwachsen» können.

Wer übernimmt die Kosten?

Eine Wohnung oder ein Haus behindertengerecht umzubauen, stellt eine Herausforderung dar. Schliesslich muss eine optimale Lösung unter Berücksichtigung der Beeinträchtigung, der örtlichen Gegebenheiten, der Ansprüche der Eltern und den Vorgaben der IV gefunden werden. In der Regel werden behindertenbedingte Anpassungen für Kinder und Jugendliche von der IV übernommen. «Dazu muss ein Gesuch für eine Kostenübernahme bei der zuständigen IV-Stelle eingereicht werden. Wenn möglich mit der Kostenzusammenstellung der geplanten Anpassungen», so Mottaz. Ob ein Kind bereits mit einer Behinderung zur Welt kommt oder erst im Laufe seiner Kindheit damit konfrontiert wird, spiele meist keine Rolle. Aber: «Es ist in jedem Fall immer schwierig abzuschätzen, wie der Verlauf einer Behinderung sein wird», sagt Mottaz. Ob die Beeinträchtigung progredient verlaufe, sei ebenfalls nicht ausser Acht zu lassen. Ansonsten führen neue Erkenntnisse und Feststellungen immer wieder zu angepassten baulichen Massnahmen.

Miete oder Eigentum?

Einen weiteren Unterschied macht die Wohnform aus. Ist die Wohnung oder das Haus im Besitz der Familie oder wohnt man zur Miete? In letzterem Fall muss zwingend die Eigentümerschaft angefragt werden, ob bauliche Anpassun gen vorgenommen werden dürfen. Auch eine Bewilligung ist laut Mottaz Pflicht. «Ohne diese schriftliche Bewilligung finanziert die IV die geplanten Massnahmen nicht.» In den meisten Fällen verlangt die Eigentümerschaft bei  einem allfälligen Wegzug den Rückbau der Wohnung. Für Eltern ist es wichtig und sehr hilfreich, sich möglichst frühzeitig bei anstehenden behindertenbedingten Anpassungen mit qualifizierten und spezialisierten Fachstellen in Verbindung zu setzen.

erstellt von Manuela Bruhin