Aus dem eigenen Beet schmecken die Rüebli besonders gut!

Rüebli, Zucchetti oder Fenchel: Die Geschmäcker gehen gerade beim Gemüse bei Kindern genauso weit auseinander wie bei Erwachsenen. Wie schmeckt aber ein Rüebli, das im eigenen Gartenbeet gehegt und gepflegt wurde? Einfach super lecker! Im Interview erzählt Lehrerin und Naturpädagogin Julia Strunz, wieso Gärtnern Kindern sehr viel bringt – und auch grossen Spass macht.

Ab welchem Alter ist es sinnvoll, mit Kindern zu gärtnern?
Grundsätzlich gibt es nicht ein bestimmtes Alter dafür. Wichtig ist, dass man den Kindern möglichst früh die Möglichkeit gibt, die Natur und Umwelt sowie anschauliche Phänomene und Begriffe kennenzulernen. Durch die Vertrautheit entsteht eine enge Beziehung mit der Natur. Kinder sind wissbegierig und lernen mit allen Sinnen.

Braucht es hier ein grosses Beet, oder was eignet sich am besten?
Kinder sind hochmotiviert, wenn man ihnen ein kleines Stückchen zuteilt, dass sie eigenverantwortlich bepflanzen dürfen. Ein bis zwei Quadratmeter genügen bereits. Auch können sich zwei Kinder eine Fläche teilen.

Sollen die Kinder ein eigenes Beet zum Bepflanzen haben oder einfach mithelfen?
Kinder übernehmen gerne Verantwortung für einen überschaubaren Bereich. Sie lernen, zum Beet Sorge zu tragen und nehmen bewusster wahr, was alles wächst.

Es gibt ja Gartengeräte speziell für Kinder: Finden Sie das sinnvoll oder sollen sie gleich mit den «richtigen» Arbeitsgeräten hantieren?
Bei Kindergartenkindern ist es sinnvoll, Kinderwerkzeug zu nutzen, da die Geräte zu schwer sind und der Stiel viel zu lang ist. Im Schulalter können sie dann mit Gartengeräten arbeiten, die für Erwachsene geeignet sind.

Was sind die wichtigsten Utensilien, die ein ­«Garten-Anfänger» zu Hause haben sollte?
Stechgabel, Kräuel, Häckerli und eine kleine Schaufel.

Worauf soll man achten, wenn man mit Kindern einen Garten bestellt?
Wenn man mit Kindern im Garten arbeitet, sollte man biologisch gärtnern. Das heisst, mit der Natur arbeiten und nie gegen sie. Beobachten und spüren, was die Erde braucht, damit das Gemüse gut wächst . Zum Beispiel mulchen oder düngen mit Brennnesseljauche.

Sollen es vor allem die gängigen Gemüsesorten sein oder auch mal was Exotischeres? Und was eignet sich dort aus Ihrer Sicht am besten?
Die Kinder sollen das anpflanzen, das sie auch gerne essen. Dabei dürfen sie auch mal etwas «Exotisches» ausprobieren.

Kinder mögen es bunt – was heisst das in Sachen Gemüse und Blumen?
In einem Kinderbeet dürfen Blumen nicht fehlen. Gut kommen Sonnenblumen, Ringelblumen und Kornblumen. Kapuzinerkresse ist sehr bunt und die Blüten kann man auch naschen.

Gibt es sinnvolles und weniger sinnvolles Gemüse für ­Garten-Anfänger?
Zum Anfangen eignen sich Kresse, Salate, Kefen, Radieschen und Kartoffeln. Das wächst schnell und braucht wenig Pflege; im Gegensatz zu Kohlarten und Möhren, die etwas länger brauchen und gute Bedingungen benötigen.

Wie lernt man Kindern den Umgang mit Schädlingen wie Schnecken etc., die ihren Salat fressen könnten? Was haben Sie hier für Tipps, um die jungen Pflänzchen zu schützen?
Die Schnecken gehören zu einem biologischen Garten dazu. Sie sind wie ein «Gesundheitsdienst» und fressen nebst dem frischen Salat auch verweste Pflanzenteile und tote Tiere auf. Kinder lieben Tiere und tragen ihnen von Natur aus Sorge. Wenn Schnecken aber zur Plage werden, sind Schneckenzäune oder Schutzringe vorteilhaft. Vorbeugen kann man auch, indem man schneckenabwehrende Pflanzen als Zwischenkultur pflanzt. Am tierfreundlichsten ist es, die Schnecken in einem Eimer zu sammeln und sie zum nächsten Wald- oder Wiesenstück zu tragen und dort auszuleeren. Ausserdem sollte man die Beete am Morgen früh giessen und nicht abends, wenn die Schnecken zu fressen suchen.

Kinder wollen möglichst schnell Resultate sehen … Welche Gemüsesorten eignen sich hier am besten?
Kresse, Salate, Radieschen und Kefen. Sonnenblumen sind besonders attraktiv – sie werden in kürzester Zeit gross.

Was lernen Kinder Ihrer Meinung nach beim Gärtnern ­darüber hinaus, wenn sie sehen, woher der Salat oder das Gemüse kommt, das sie essen?
Es wird das Interesse für naturkundliche Zusammenhänge geweckt. (z.B. Tiere in der Erde). Ausserdem wird ein bewusster Umgang mit der Umwelt gefördert, also dass man der Natur mit Achtung gegenübertritt. Auch die die Grob- und Feinmotorik wird beim Säen, Pflanzen, Ernten und Verarbeiten gefördert und zudem spielt das gemeinschaftliche Arbeiten an einem Projekt eine grosse Rolle.

Wieso ist Gärtnern mit Kindern aus Ihrer Sicht sehr wertvoll?
Im Garten kann man sehr viele Bereiche abdecken. Was mich aber am meisten fasziniert, ist die Freude am ­Draus­sensein, das Forschen und Entdecken. Vom Regenwurm, der über die nackte Haut gleitet, bis zu den kleinen Naturphänomenen, die einen mitreissen und erforscht werden wollen.

Welche Geheimtipps fürs Gärtnern mit Kindern gibt es?
Man kann den Kindern viel Verantwortung übergeben, wie zum Beispiel, sie entscheiden lassen, was sie gerne pflanzen möchten. Das motiviert Kinder am meisten und sie nehmen dadurch viel auf. Und dann gibt es natürlich auch Experimente, die gut mit Kindern durchgeführt werden können:
- Kulturversuche mit unterschiedlichen Erden, mit / ohne Sonnenlicht / Wasser
- Experimente in verschiedenen Gefässen (Kisten, Säcken etc.)

erstellt von TANJA MILLIUS