Auf den Spuren des Bibers – Ein faszinierender Baumeister

Biber sind faszinierende Tiere. In der Schweiz wurden sie vor rund 200 Jahren ausgerottet und erobern seit bald 60 Jahren ihren Lebensraum zurück. Der WWF hat die Wiederansiedlung begleitet und mittlerweile 3 Biberlehrpfade aufgebaut: einen im Kanton Thurgau in Pfyn bei Frauenfeld, einen im Kanton Zürich von der Tössegg bis Rüdlingen und einen im Kanton St. Gallen zwischen Oberbüren und Niederbüren.

Im Interview mit dem FamilienSPICK erklärt Sieke Paysen, dipl. Landschaftsökologin und Projektleiterin schulische Umweltbildung beim WWF Appenzell–Thurgau–St. Gallen, was es mit den Biberlehrpfaden auf sich hat und wieso sich der WWF für dieses Tier starkmacht.

Wieso hat der WWF seinerzeit Biberlehrpfade eingerichtet?
Biberlehrpfade sind ein Teil der Öffentlichkeitsarbeit zum Biber: Hier soll Wissen zum Biber vermittelt, die Akzeptanz gefördert und Begeisterung für den Biber geweckt werden. Auch der respektvolle Umgang wird angesprochen.

Was möchte der WWF den Besucherinnen und Besuchern vermitteln?
Der WWF möchte, dass die Besucherinnen und Besucher den Biber besser kennenlernen. Wichtig ist uns, dass man den Biber auch verstehen lernt und begreift, dass Biber für den Naturschutz eine sehr grosse Bedeutung haben. Und dass zum Beispiel tote Bäume nichts Schlechtes sein müssen, sondern im Gegenteil sogar sehr wichtig sind für die Artenvielfalt. Wir wünschen uns, dass wir den Besucherinnen und Besuchern zeigen können, dass Probleme, die im Zusammenleben mit dem Biber auftauchen können, teilweise einfach zu lösen sind.

Können Sie hier Beispiele nennen?
Zum Beispiel indem man bei einer Überschwemmung den Biberdamm nicht zerstört, sondern mit einem durch den Damm geschobenes Rohr den Abfluss des Wassers erhöht. Oder dass man Bäume durch einen Maschendraht, den man rund um den Baum legt, schützen kann.
Wir möchten darauf aufmerksam machen, dass der Lebensraum des Bibers (naturnahe Bäche und Flüsse sowie Auenlandschaften) in unserer intensiv genutzten Landschaft sehr selten geworden sind und wie wichtig es ist, diese zu schützen.
Und wir möchten, dass die Besucherinnen und Besucher genau solche Fans vom Biber werden wie wir! Er ist wirklich etwas Besonderes!

Wieso hat sich der WWF des Bibers angenommen? Die Biberpopulation nimmt in der Schweiz ja stetig zu, der Biber ist also nicht gefährdet ...
Der WWF arbeitet daran, dass Biber geeignete Lebensräume finden. Biber brauchen intakte Uferböschungen und Möglichkeiten, ihre Umgebung zu gestalten. Flüsse und Bäche werden von vielen Hindernissen (Wehre) unterbrochen, was junge Biber, die auf der Suche nach einem Revier sind, dazu bringt, das Hindernis an Land zu umgehen. Da unsere Landschaft von Strassen zerschnitten ist, kann das sehr gefährlich werden. So sind Zusammenstösse mit Autos die Haupttodesursache bei Bibern.

Nicht alle mögen den Biber ...
Wir arbeiten auch an der Akzeptanz des Bibers: Mit seiner Bautätigkeit verändert der Biber auch land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen. Im Kanton St. Gallen sind die Wildhüter im Einsatz, um Probleme mit Bibern zu lösen. Ausserdem gibt es die Biberfachstelle. Sie ist eine Beratungs- und Koordinationsstelle für Biberfragen des Bundesamtes für Umwelt BAFU.

Wie sieht es mit dem Schutz des Bibers aus?
Wir beobachten, wie sich die Biber ausbreiten und wie sich die Biberpopulationen entwickeln. Der Schutz von Fliessgewässern liegt dem WWF sehr am Herzen und er unternimmt viel, damit naturnahe Bäche und Flüsse erhalten bleiben und verbaute revitalisiert werden können. Wir sorgen uns, dass der Schutz der Biber gelockert werden könnte. Zwar vermehren sie sich weiterhin, ihr Überleben ist aber noch nicht gesichert.

Was macht den Biber aus Ihrer Sicht besonders?
Der Biber kann wie kein anderes Tier seine Umgebung verändern: indem er Bäume fällt oder durch seinen Biberdamm Wasser anstaut. Er sorgt dadurch dafür, dass viele sehr seltene und bedrohte Tier- und Pflanzenarten wieder einen geeigneten Lebensraum finden. Da er die Artenvielfalt in seinem Revier stark erhöht, ist er wie ein Verbündeter für uns Naturschützer.

Was können Kinder auf dem Biberlehrpfad über den Biber lernen?
Wichtiges und Interessantes zum Biber und seinem Lebensraum.

Wie muss man sich den Biberlehrpfad vorstellen?
Der Biberlehrpfad besteht aus zehn Infotafeln und Spielmöglichkeiten, die entlang eines Uferwegs aufgestellt sind. Man läuft circa 4 Kilometer von einer Tafel zur anderen, sieht unterwegs vielleicht noch Biberspuren wie angenagte Bäume und kann auf den Tafeln Spannendes über den Biber erfahren.

Gerade Kinder mögen es gerne spielerisch. Hat der Biberlehrpfad auch spielerische Elemente, wo die Kinder zum Beispiel etwas erraten müssen?
Ja, das gibts: In Oberbüren hat es Quizfragen, ein Suchspiel (bei dem verschiedene Tafeln mit Quizfragen entdeckt werden müssen, man erhält am Ende einen Zahlencode, der dem WWF mitgeteilt werden kann und es gibt dann eine kleine Belohnung per Post), Sichtrohre, ein Memory und einen aus Holz geschnitzten Biber.
In Pfyn: Tieren ihre Fussspuren zuordnen, ebenfalls das Memory, Quizfragen, ein Sichtrohr, eine Bibliothek mit Fachliteratur und Bilderbüchern sowie geschnitzte Biber.

Wann ist die beste Jahreszeit, um den Biberlehrpfad zu besuchen?
Zwar spielt dann vielleicht das Wetter nicht mehr so mit und man muss sich wärmer anziehen, aber die beste Zeit beginnt im November, wenn die Biber anfangen, Bäume frisch anzunagen oder zu fällen (falls es allerdings eine dicke Schneedecke im Winter hätte, wären die Spuren schlecht zu sehen).
Biber können nicht klettern. Die für sie schmackhaftesten Teile eines Baumes befinden sich aber oben in der Krone. Daher fällen sie den Baum und ernähren sich den Winter über von Rinde und Knospen. Gut zu sehen sind ihre Nagespuren bis etwa April. Danach beginnt das Holz nachzudunkeln und leuchtet nicht mehr so auffällig hell. Auch könnten ab dem Frühling Blätter das eine oder andere verdecken.

Wie gross sind die Chancen, dass die Besucherinnen und Besucher auch wirklich ein Tier sehen – gibt es hier einen Trick, um die Chance zu erhöhen?
Leider braucht es eine gute Portion Glück, um einen Biber zu sehen. Er ist ein heimliches und scheues Tier, welches zudem auch noch nachtaktiv ist. Zwar kann man den Besuch auf den frühen Morgen oder den Abend legen, aber die Wahrscheinlichkeit, den Biber zu sehen, ist leider dennoch nicht hoch. Trotzdem ist ein Besuch in einem Biberrevier interessant, da man einen Haufen Beweise dafür entdecken kann, dass der Biber dort lebt: angenagte oder gefällte Bäume, am Ufer liegende Zweige, bei denen der Biber die Rinde abgeschält hat, vielleicht noch einen Damm oder selten sogar einen Biberbau.

Gibt es besondere Regeln, die man beachten sollte, damit man die Tiere nicht stört?
Vor allem im Frühling, wenn die Biber Nachwuchs haben, ist es sehr wichtig, den Hund an die Leine zu nehmen, damit er nicht beginnt, die Jungbiber zu jagen. Findet man Bauwerke vom Biber wie einen Damm oder einen Bau, dürfen diese nicht beschädigt werden. Vermutet man einen Biberbau in der Nähe, sollte man vorsichtig laufen und nicht zu nahe herangehen, denn sollte man aus Versehen das Dach des Baus betreten, kann es einstürzen.

Ab welchem Alter ist ein Besuch des Biberlehrpfads empfehlenswert?
Der Biberlehrpfad ist jeweils circa 4 Kilometer lang. Wichtig wäre also, dass die Besucherinnen und Besucher genug weit laufen mögen. Wir haben aber auch schon öfter Biberführungen mit Kindergartenkindern durchgeführt. Hierbei kann man die Strecke auch etwas abkürzen. Erkundet man den Pfad ohne Führung, wäre es schön, wenn die Kinder die Infotafel bereits selber lesen können.

Kann man den Biberlehrpfad auf eigene Faust entdecken oder lohnt sich eine Führung?
Der Biberlehrpfad kann gut alleine abgelaufen werden. Man erfährt sehr viel über den Biber, wenn man sich die verschiedenen Tafeln anschaut. Allenfalls kann bei einer Biberführung noch mehr gezeigt werden, also Biberspuren, die man alleine vielleicht übersehen hätte. Ausserdem bringen wir an eine Führung spannendes Material zum Anschauen und Anfassen mit, wie z.B. einen künstlichen Biberschädel oder nachgemachte Fussspuren.

Infos unter www.wwfost.ch

Sieke Paysen, diplomierte Landschaftsökologin und Projektleiterin schulische Umweltbildung beim WWF Appenzell– Thurgau–St. Gallen