Allergien – quer durchs Leben

Der zweijährige Neffe verträgt keine Erdnüsse. Die Tochter reagiert auf ihre nickelhaltigen Ohrringe. Die Mutter niest plötzlich den ganzen Frühling hindurch. Allergien sind an kein Alter gebunden und können alle treffen.

Auch wenn Allergien jederzeit zum ersten Mal auftreten können, sind doch gewisse Tendenzen feststellbar: So leiden bis etwa zum zehnten Lebensjahr Knaben häufiger an Allergien und Asthma als Mädchen – mit Beginn der Pubertät dreht sich das Verhältnis allerdings um. Grund dafür sind unter anderem Östrogene und Hormonpräparate. Bei der Entwicklung von Allergien spielen neben Genen auch Umweltfaktoren und der Lebensstil eine entscheidende Rolle – und zwar bereits beim Fötus im Mutterbauch. Prävention ist folglich elementar. Treten dennoch Allergien auf, können verschiedene Therapien für Linderung oder Genesung sorgen.

Was ist eine Allergie?
Bei einer Allergie reagiert der Organismus überempfindlich auf an sich harmlose Stoffe wie etwa die Eiweisse von Pollen. Die Häufigkeit von Allergien in industrialisierten Ländern wird unter anderem mit unserem modernen Lebensstil in Verbindung gebracht.

Unter einer Allergie oder allergischen Erkrankung versteht man eine Überempfindlichkeitsreaktion des Körpers gegen harmlose, fremde Stoffe. Diese Stoffe, fast immer Eiweissstoffe, zum Beispiel von Pollen, Hausstaubmilben, Tieren, Nahrungsmitteln oder Medikamenten, bezeichnet man als Allergene. Kommen die Betroffenen mit diesen Allergenen in Berührung, etwa über die Nahrung oder durch Einatmen, so reagiert der Organismus mit einer Abwehr, welche unpassend ist und als Allergie bezeichnet wird. Diese Reaktion auf den körperfremden Stoff führt zu den verschiedenen allergischen Symptomen.

Wer ist betroffen?
Etwa 35 Prozent der Schweizer Bevölkerung sind auf Allergene sensibilisiert und weisen damit eine Allergiebereitschaft auf. Ungefähr 20 bis 25 Prozent haben bereits allergische Symptome gezeigt. Diese Zahlen entsprechen den Erfahrungen anderer Industrieländer. Das Allergierisiko ist ungleich verteilt. Kinder, deren Eltern oder Geschwister bereits an Allergien leiden, haben ein höheres Risiko, ebenfalls allergische Reaktionen zu entwickeln.

Kinder und Jugendliche sind besonders häufig von Allergien, Asthma und Neurodermitis betroffen. Gegen 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen in der Schweiz haben Heuschnupfen, über 12 Prozent Asthma. Immer häufiger leiden junge Menschen an Ekzemen, was nicht selten Auswirkungen auf die Berufswahl hat. Oder sie müssen aufgrund einer Nahrungsmittelallergie oder -intoleranz die Ernährung umstellen. Das stösst mitunter auf Unverständnis. Allergien können Wohlbefinden, Leistungsfähigkeit und Selbstvertrauen stark einschränken: im schulischen Alltag, im sozialen Umfeld, bei Sport und anderen Freizeitaktivitäten.

In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten haben Allergien allgemein stark zugenommen. Die Gründe sind noch nicht definitiv geklärt. Offensichtlich ist aber, dass in Ländern mit hohem Lebensstandard und verbesserter Hygiene auch die Allergien zunehmen. Es wird angenommen, dass der hohe hygienische Standard mitverantwortlich ist. Das Immunsystem wird wesentlich weniger durch natürliche Feinde (aber auch harmlose Bakterien, Viren) beansprucht, sodass es verlernt hat, zwischen gefährlichen und harmlosen Substanzen zu unterscheiden und auf harmlose Eiweisse überreagiert.

Allergietest
Besteht der Verdacht auf eine Allergie, kann ein Allergietest durchgeführt werden, um ein spezifisches Allergen zu identifizieren oder auszuschliessen. Man unterscheidet zwischen Hauttests, Bluttests und Provokationstest. Hauttests sollten ausschliesslich von ausgebildeten Fachpersonen durchgeführt werden. Die Interpretation eines Allergietests ist der schwierigste Teil und braucht Erfahrung. Während für den Bluttest eine einfache Blutabnahme erforderlich ist, muss die Testperson beim Provokationstest unter ärztlicher Beobachtung bleiben. Es gibt kein hundertprozentig verlässliches Testverfahren zur Abklärung von Allergien, daher ist die Erfahrung des Spezialisten gefragt. Vor jedem Allergietest steht ein sorgfältiges Gespräch (Anamnese), das über Symptome, den Krankheitsverlauf der Allergie, das familiäre Vorkommen von Allergien und bisherige Behandlungsmethoden Auskunft gibt. Die Allergietests werden im Zusammenhang mit all diesen Angaben beurteilt.

erstellt von Marcel Baumgartner

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