Ab auf die Rollen!

Ob kleine oder grosse Rollen, ob mit oder ohne Motor – mit dem richtigen Rollmaterial wird nicht nur das Ausflugsziel, sondern auch der Weg dorthin zum Familienerlebnis. Insbesondere, wenn dieser Weg 30 Kilometer lang und autofrei ist. Ein Blick auf die neuesten Innovationen rund um Räder – und ein Tipp für ein entspanntes Freizeiterlebnis auf Rollen.

Wir leben in der Zeit der Digitalisierung. Gadgets durchdringen unser Leben. Vom Smart-Kühlschrank, der uns mitteilt, was wir einkaufen sollen, bis zur Augmented-Reality-App, die uns unterwegs auf interessante Sehenswürdigkeiten hinweist – die Welt 2.0 hat uns fest im Griff. So erstaunt es auch wenig, dass der derzeit grösste Trend in Sachen Sport auf Rädern das sogenannte Balance Board ist. Bei Athleticum etwa boomt die Nachfrage nach diesen motorisierten Zweirad-Brettern, wie Chief Marketing Officer Antonio Govetosa bestätigt.

Steuern per Gewichtsverlagerung

Balance Boards oder Hoverboards sind im Prinzip nichts anderes als ein Plastikbrett auf zwei Rädern. Anders als beim Skateboard sind die Räder zur langen Seite hin ausgerichtet. Und das Gerät fährt von selbst, sodass der Balance Boarder immer beide Füsse auf seinem Fahrzeug platziert lassen kann. Anschieben erübrigt sich. Was zunächst wie für Faule gemacht klingt, muss trotzdem in die Kategorie Sport eingeordnet werden, denn: Der Balance Boarder steuert sein Gefährt mittels präzisen Gewichtsverlagerungen und hält dabei sein Gleichgewicht.

Für die ganze Familie

Das Schöne an den Balance Boards ist, dass sie sich keineswegs nur für Kinder eignen. Die meisten Modelle können das Körpergewicht eines erwachsenen Mannes stemmen, sodass die ganze Familie gemeinsam boarden kann. Und Familien, die die Grundtechnik bereits gemeistert haben, können auch hintereinander, nebeneinander oder sogar händehaltend Balance Board fahren.

Wie Govetosa sagt, erfreuen sich auch «Heelys» wieder grosser Beliebtheit. Hierbei handelt es sich um Turnschuhe, die auf der Unterseite ein herausnehmbares Rad haben. So eignen sich «Heelys» sowohl zum Skaten als auch zum Gehen. Und genau wie die Balance Boards richten sich «Heelys» nicht ausschliesslich an ein junges Publikum. Die Schuhe sind auch in normalen Erwachsenengrössen erhältlich. Die Vorteile der Skate-Lauf-Schuhe liegen auf der Hand. «Statt mit dem Auto in die Badi zu fahren, kann man so gemeinsam den Weg zurücklegen», schlägt Martin Reber vom Bundesamt für Sport vor. «Auch ein Stadtbummel auf Rollen kann für jedes Familienmitglied ein faszinierendes Erlebnis sein.» Die Räder lassen sich mit nur einem Handgriff entfernen, sollten sie auf einer gewissen Strecke hinderlich sein. Etwa auf ungeteerten Strassen oder Pflastersteinwegen.

E-Bikes immer populärer

Selbstverständlich ist traditionelleres Rollmaterial noch immer beliebt. Fahrräder zum Beispiel begeistern alle Altersgruppen, wie der Athleticum-CMO Govetosa sagt. Und bereits Kinder ab drei Jahren können mit diesem Sport anfangen: mit einem sogenannten Laufrad. «Ein Laufrad ist kein Fahrrad im eigentlichen Sinne», erklärt Govetosa. «Es hat keine Pedale und ist ein Spezialrad, welches dem Kind auf spielerische Weise ermöglicht, seinen Gleichgewichtssinn zu entwickeln und sich dabei mit viel Spass fortzubewegen.» Wie Govetosa weiss, erübrigen sich später oftmals die Stützräder, wenn Kinder zuvor mit einem Laufrad geübt haben.

Auch Fahrräder sind vor der Digitalisierung nicht sicher: «E-Bikes werden immer populärer bei Familien», sagt Govetosa. Und das mit gutem Grund. Denn mit dem unterstützenden Motor können Eltern selbst grössere Kinder mühelos im Veloanhänger transportieren. «Die Veloanhänger können in der Regel mit einem Umbau-Kit auch als Kinderwagen oder Jogger verwendet werden», ergänzt Govetosa. So könnten Familien gerade im Stadtverkehr das Auto öfter mal stehen lassen. Aber auch Mountain Bikes mit Elektroantrieb seien sehr gefragt.

Hauptsache keine Abgase

Jetzt, da es wieder wärmer wird, dürfen sich Familien auf die vielen SlowUp-Erlebnistage freuen. An diesen autofreien Festen sind Jung und Alt, Bewegungs- und Genussmenschen gemeinsam unterwegs. Auf rund 30 Kilometern geniessen die Teilnehmer abwechselnde, attraktive Landschaften sowie ein vielseitiges Rahmenprogramm entlang der Strecke. Alle sind willkommen, wie die Veranstalter gegenüber der Redaktion bestätigen. Am liebsten sehen es die SlowUp-Macher natürlich, wenn die Teilnehmer die Strecke allein mit ihrer Muskelkraft bewältigen. Schliesslich gehört die Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz zu den nationalen Trägern des Events. Aber auch E-Bike-Fahrer oder Hoverboarder sind herzlich eingeladen, teilzunehmen. Hauptsache, die Leute sind draussen, haben Spass und produzieren keine Abgase.

Die SlowUp-Events sind gekennzeichnet durch möglichst flache, familienfreundliche Strecken. Wie schnell und wie weit die Teilnehmer mit ihrem unterschiedlichen Rollmaterial fahren oder auch zu Fuss gehen wollen, entscheiden sie selbst. SlowUp ist gratis und mittlerweile ziehen die verschiedenen Erlebnistage über 400 000 Besucher jährlich an. Dieses Jahr finden über 15 verschiedene SlowUp-Veranstaltungen in der ganzen Schweiz statt, zum Beispiel im Wallis, im Emmental und am Zürichsee. Die SlowUp-Saison startet am 23. April im Tessin und dauert bis in den September hinein. Alle SlowUp-Strecken sowie detailliertere Informationen zu den einzelnen Programmen unter slowup.ch.

Gemütliche Stadtrundfahrt oder schweisstreibende Bergtour?

Die sportbegeisterte Familie Vetterli will den Kettenjura per Velo erkunden. Die Zauggs haben ein Kleinkind und wollen eine einfache Velotour auf geteerten Strassen fahren. Die vielfältige Schweizer Velolandschaft macht es beiden recht. FamilienSPICK liefert Inspirationen für den nächsten Familienausflug auf zwei Rädern.

Die sportbegeisterte Familie Vetterli will den Kettenjura per Velo erkunden. Die Zauggs haben ein Kleinkind und wollen eine einfache Velotour auf geteerten Strassen fahren. Die vielfältige Schweizer Velolandschaft macht es beiden recht. FamilienSPICK liefert Inspirationen für den nächsten Familienausflug auf zwei Rädern.

Der Frühling ist die perfekte Jahreszeit für eine Velotour mit der Familie. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, wie fit die Radler sind. Denn die Schweiz hat unzählige Velorouten. Hier finden Anfänger ebenso wie Profis spannende Strecken, die ihrem Niveau entsprechen.

Um sich zurechtzufinden, bedarf es weder GPS noch Karte. In der Schweiz sind Velorouten einheitlich und in regelmässigen Abständen beschriftet: ein roter Pfeil mit Velosymbol sowie einer Zahl zeigt, wo eine bestimmte Strecke entlangführt. Trotzdem kann es hilfreich sein, sich die gewählte Route im Voraus anzuschauen, etwa auf veloland.ch.

Sightseeing per Velo

Eine einfache Velotour, die sich auch für Familien mit kleinen Kindern eignet, ist die Winterthur-Mörsburg-Route 202. Auf der 16 Kilometer langen Route müssen nur 70 Höhenmeter überwunden werden, zudem führt die gesamte Strecke über geteerte Strassen. Somit eignet sie sich wunderbar für Veloneulinge ohne spezielles Gefährt oder Ausrüstung.

Winterthur ist die zweitgrösste Stadt des Kantons Zürich und die Kulturhauptstadt der Schweiz. Als grösste zusammenhängende Fussgängerzone im Land bietet die Winterthurer Altstadt einen bunten Mix aus Fachgeschäften, Boutiquen, Cafés und Restaurants.

Die mittelalterliche Mörsburg im Osten der Stadt beherbergt heute ein Museum. Gezeigt werden vor allem Möbel und Alltagsgegenstände aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Allerdings verfügt die Mörsburg auch über eine grosse Waffen- und Glassammlung.

Zwischen Start- und Wendepunkt locken viele geschichtsträchtige Zwischenstopps, zum Beispiel das Schloss Hegi oder das ehemalige Industrieareal des Sulzer-Konzerns. Die Rundfahrt führt aber auch an modernen Sehenswürdigkeiten wie dem Swiss Science Center Technorama oder den Einkaufszentren des Grüzefelds vorbei.

Strampeln und geniessen

Die 47 Kilometer lange Kulinarische Appenzeller Route führt über anspruchsvolle 600 Höhenmeter. Ausgangspunkt ist das Dorf Appenzell. Dann geht es hinauf zum Sammelplatz und weiter in einem grossen Bogen nach Haslen, Stein, Urnäsch und Gonten.

Die vielen Hügel machen hungrig. Glücklicherweise warten unzählige Gasthäuser sowie die Schaukäserei in Stein auf die Velofahrer. Der Profitipp von veloland.ch: in jedem Lokal nur einen Gang verköstigen. So wird die kulinarische Fahrt noch abwechslungsreicher!

Zu den typischen Spezialitäten, die sich Radler nach einer anstrengenden Tour gönnen sollten, gehört «Alte Maa». Das vegetarische Gericht aus gerösteten Brot- und Käsewürfeln wird gerne mit Apfelmus und grünem Salat serviert. Wer es deftiger mag, probiert Appenzeller Gitzichüechli: grosse Ziegenragouts im Bierteig gebacken.

Auf und ab mit dem E-Bike

Bei der Belchen-Panorama-Route handelt es sich nicht um einen Kreis, sondern um eine Velotour, entweder von Olten nach Liestal oder umgekehrt. Mit 45 Kilometern ist die Strecke zwar kürzer als die Kulinarische Appenzeller Route, allerdings müssen Radler ganze 1200 Höhenmeter überwinden. Deshalb empfiehlt sich diese Strecke besonders für Familien, die gerne mit E-Bikes unterwegs sind.

Auf der Route jagt ein Panorama das nächste: Auf der Passhöhe von Hauenstein etwa können Radler die ganze Region Basel überblicken, bis hin zu den französischen Vogesen und dem Schwarzwald. Die Strecke führt zudem entlang des Kettenjuras und vorbei an seinen imposanten Felsformationen aus Kalkstein.

Wer in Olten am Ziel ist, den erwartet ein grosses Angebot, um den Tag perfekt ausklingen zu lassen: Die grösste Stadt Solothurns zählt vier Museen, drei Theater, zwei Minigolfanlagen und mehrere Schwimmbäder. Für Familien mit kleineren Kindern empfiehlt sich ein Besuch im Wildpark Mühletäli. Hier wohnen Waschbären, Damhirsche, Zwergziegen und andere Tiere.

Wer von Olten nach Liestal fährt, darf sich auf eine malerische Altstadt freuen. Das spätgotische Rathaus mit Renaissance-Malereien oder die Stadtkirche St. Martin mit römischen Grundmauern gehören zu den unzähligen Sehenswürdigkeiten. Für die Kleinen gibt es den Streichelzoo Weihermätteli mit Ponys und Minischweinchen.

Gute Vorbereitung ist die halbe Miete

Unabhängig von der gewählten Strecke sollten alle Velos vor der Tour auf Herz und Nieren geprüft werden. Funktionieren Bremsen und Schaltung? Stimmt der Reifendruck? Muss die Kette geölt werden? Es lohnt sich ebenfalls, ein paar Ersatzteile mitzunehmen, zum Beispiel einen Reserveschlauch.

Ein Velofahrer braucht mehr Flüssigkeit, als er mitschleppen kann. Deshalb ist es wichtig, wiederverschliessbare Flaschen mitzunehmen und in Dorfläden oder an Brunnen nachzutanken. Zur Verpflegung zwischendurch empfiehlt veloagenda.ch, Brot, Trockenfleisch, Rohgemüse und Getreideriegel einzupacken. Zudem sollten Familien mit Kindern Schnellverband und Wundsalbe griffbereit haben.

erstellt von Tamara Johnson