Kiddycoachs «good advise»

Entspannt erziehen mit Swissfamily

Unser Familienberater, Erfolgsautor und Heilpädagoge, Gerhard Spitzer, beantwortet Ihre Fragen zum Thema Erziehung.

Zur Person:

Gerhard Spitzer, Heilpädagoge und Verhaltensforscher, Erfolgsautor und Seminar-Kabarettist, schreibt regelmässig und exklusiv für den FamilienSPICK, um seinen reichhaltigen «kindgerechten» Erfahrungsschatz zum Thema Erziehung mit Eltern, Lehrern oder einfach Interessierten zu teilen. Und das stets mit einem Augenzwinkern, denn: «Wenn man Spass an einer Sache hat, dann nimmt man sie auch ernst.» (Gerhard Uhlenbruck)

Schreiben Sie uns Ihre Frage:

Bitte ausfüllen:
  • captcha

Frage von Frau E.:

Mein Tageskind (8) wird von sich selbst "fremdgesteuert". Es tut Dinge, die es nicht weiss, warum es sie tut, zB.: schneidet eine Ecke vom Tischtuch ab, zerstört Spielsachen, will beim Spielen immer das haben, was andere grad haben oder sein, wo gerade die anderen sind. Es kann sich nicht lange konzentrieren. ADHS sei es laut Abklärung nicht.

Wie kann ich diesem Kind helfen? Es erleidet sehr viel Frust – da es eimmer ausgeschimpft wird. Mitschüler plagen es und da sein Aggresionslevel schnell erreicht ist, gibts immer Aerger. In der Schule darf es nicht mit in die Pause und muss immer vor Unterrichtsbeginn im Klassenzimmer sein. Auch im Turnen darf es nur mitmachen, wenn eine weitere, nur für ihn zustängige Betreuerin dabei ist (umziehen muss es sich alleine in einer anderen Garderobe.

Im Grunde ist es ein herzensgutes Kind und wir Tageseltern haben es gern. Allein ist es ein Supertyp. WIE kann ich helfen?

Herzlichen Dank für die Hilfe  


Antwort des KiddyCoachs:

Liebe Frau E.!

Schön, dass Sie sich so liebevoll um ein Tageskind kümmern! Ich wünsche Ihnen dazu ganz spontan viele schöne Stunden und Jahre! Natürlich ist es schwierig und sogar ein klein wenig «unprofessionell», in einem so augenscheinlich kniffeligen Fall eine klassische «Ferndiagnose» zu stellen! Aber ein paar Tipps kann ich Ihnen gerne geben. 

  1. Wenn ich ihre Beschreibung richtig gedeutet habe, ist dieses Verhalten als «Impulskontrollstörung» bekannt. Bitte nehmen Sie daher in irgendeiner Form Kontakt zu Bezugspersonen aus der Kernfamilie des Kindes auf – am Besten natürlich mit den leiblichen Eltern. Versuchen Sie auf diese Weise mehr über die frühen Jahre des Kindes zu erfahren. Dieses wertvolle Wissen ist schon ein wichtiger Baustein für Sie, wenn Sie gezielt helfen möchten.
  2. Sehr oft sind solche Handlungen keine aktiven, sondern reaktive Verhaltenmuster. Das bedeutet, dass augenscheinliches Fehlverhalten verblüffend häufig bloß als Reaktionen auf bestimmte Reiz-Situationen erfolgt. Bitten Sie daher die Lehrer / Betreuer des Kindes, ab jetzt sehr genau darauf zu achten, wann genau die von Ihnen beschriebenen «Fremd-gesteuerten Handlungen» einsetzen. Treten diese wirklich unvermittelt und aus jeder beliebigen Situation heraus auf, oder sind immer ganz ähnliche äußere Umstände für den Drang verantwortlich, etwas zu zerschneiden, oder sich als kleines «Rumpelstilzchen» zu gebärden? Meine Erfahrung in der Familien- und Lehrkräfteberatung zeigt, dass wir Erwachsene oft nur das «störende» Verhalten, aber erstaunlich selten die direkten Auslöser dafür wahrnehmen.
  3. Wenn Ihr kleiner Schützling sich in einer größeren Gruppe nicht wohlfühlt, hingegen offenbar im «Alleingang» pflegeleicht ist, was spricht denn dagegen, ihn in ein anderes schulisches Setting einzugliedern? Es gibt auch in der Schweiz viele schulische Einrichtungen mit sehr kleinen Gruppen.
  4. «Geheimtipp»: Beginnen Sie ab heute zu notieren, unter welchen Bedingungen, Stimmungen oder in welcher Gesellschaft sich der Bub so richtig «herzensgut» verhält, wie Sie es beschreiben! Auf diese positive Sammlung und die «Vermehrung» dieser Situationen sollten Sie ab heute Ihr Augenmerk richten! Vielleicht werden die Alarm-Situationen ja schon allein dadurch weniger häufig und vor allem weniger «tragisch».
  5. Ihr Kind wird ganz offensichtlich konsequent wie ein Außenseiter behandelt, damit es «keinen Schaden» anrichten kann. Bedenken Sie, dass es dabei ganz sicher spürt, dass es andauernd «nicht gut genug» für seine Bezugspersonen und die anderen Kinder ist! Das erzeugt in jeder kindlichen Seele sofort ein tiefes Gefühl von «Ungerechtigkeit». Das wiederum verleitet ganz sicher nicht dazu, sich wie ein Sonnenschein zu verhalten.

In der kleinen Welt, in welcher Kinder leben, gibt es nichts, dass so deutlich von ihnen erkannt und gefühlt wird, als Ungerechtigkeit. (Charles Dickens)  

In diesem Sinne, herzliche Grüße aus Wien

Ihr Gerhard Spitzer
Heilpädagoge

Verein KiddyCoach

www.kiddycoach.ch

Frage von Frau B.:

Unsere Tochter, bald 16, lügt seit Monaten extrem. Vorallem wenn sie weiss, dass sie klare Regeln überschritten hat. Mittlerweile ist es so, dass ich ihr schlicht gar nichts mehr glaube. Erstaunlich ist, dass sie sich von einer Freundin abgewandt hat aus dem Grund, da diese sie sehr oft angelogen hat. Sie könne keine Freundschaft pflegen, wenn sie ihr nicht vertrauen könne. Dass sie mit mir dasselbe tut, habe ich schon gesagt, bekomme aber keine Reaktion darauf. So unter einem Dach zu leben, ist kaum mehr auszuhalten. Erschwerend kommt dazu, dass sie aufgrund von Depressionen und Medikamenten sehr stark zugenommen hat. 


Antwort des KiddyCoachs:

 

Erstmal danke für Ihr Vertrauen in meine Arbeit!    

Das mit dem „Lügen“ ist so eine Sache!  Das versteht man besser, wenn man sich als Erwachsener in die Position des Kindes versetzt: In welchen Situationen versuchen wir selbst hin und wieder zu lügen.  Klar: Wenn wir im Bauch „Folgen“ für uns fürchten!  Mit einem harten aber herzlichen Worten auf den Punkt gebracht:  Wenn wir Angst haben!    

Angst ist aber nie ein guter Begleiter im Leben!    

Dazu passt mein erster Tipp für Sie:

  • Hinterfragen Sie Ihr eigenes Verhaltensmuster bei jeder Art von Äußerungen Ihrer Tochter:
  • Geben Sie Ihr eventuell das Gefühl, dass Sie ohnehin immer skeptisch sind? (auch das ist ja schon eine „unangenehme Folge“ für ein Kind das seine Eltern sehr lieb hat). Besonders depressive Jugendliche halten Skepsis bei ihren geliebten Bezugspersonen schlecht bis gar nicht aus!
  • Glauben Sie schon von vornherein nichts mehr? Das spürt Ihr Kind und wird sich nicht mehr „gut genug fühlen“! Wenn Kinder das Gefühl haben „ich bin sowieso nicht mehr gut genug für meine Mama!“, dann fallen zumeist auch alle herzhaften Bemühungen weg.
  • Erzeugen Sie etwas, das ich in meinen Büchern gerne „Wahrheitsdruck“ nenne? „Du musst mir jetzt die Wahrheit sagen?“ Auch das darf man aus eigenem Standpunkt betrachten: Das funktioniert auch bei uns Erwachsenen ganz sicher nicht, besonders bei einem geliebten Menschen! Unter Druck (das heißt ja auch „unterdrücken“) wird der Wille Ehrlichkeit nicht besonders gefördert!
  • Möchten Sie alles immer ganz genau wissen? Das macht ebenfalls Druck!
  • Übrigens. Mädchen – besonders in dem Alter - brauchen für ihre lebensnahe Entwicklung auch ihre kleinen und oft auch „größeren“ Geheimnisse und müssen sich darauf verlassen können, dass das o.k. ist!    


 Jetzt aber noch ein letzter Ansatz für heute:

  • Versuchen Sie, darauf zu achten, wie „ehrlich“ Sie und Ihr Partner im Umgang miteinander und im Umgang mit Ihrem Kind sind.  Oft sind Verhaltensmuster wie Unehrlichkeit / Unzuverlässigkeit  aufgeschnappt und „kopiert“  


Dazu mein Tipp:

  • Üben Sie sich gemeinsam mit Ihrem Partner ab jetzt selbst in geradezu  „pingeliger Ehrlichkeit“: Halten Sie punktgenau ein, was Sie ankündigen, versprechen, „androhen“, usw.  Wenn Ihre Basisbeziehung intakt ist, wird sich Ihre Tochter bemühen, dieses neue positive Verhalten von Ihnen abzuschauen und ebenfalls zu „kopieren“!

    Der Bayrische Humorist, Karl Valentin hat es einmal augenzwinkernd auf den Punkt gebracht:

    Sie können Ihr Kind noch so gut erziehen, es macht Ihnen doch alles nach!

Ach ja. Und noch etwas.

  • Geben Sie Ihrer Tochter nicht das Gefühl, dass man „so nicht mehr zusammenleben kann“!  Das führt ganz sicher nicht zu größerer Lust auf Ehrlichkeit!


Gutes Gelingen mit Ihren neuen Blickwinkeln und herzliche Grüße aus Wien 

Ihr Gerhard Spitzer 
Heilpädagoge  

www.kiddycoach.ch

Frage von Frau K.:

Unsere Tochter (13 J.) rebelliert so stark, dass die ganze Familie leidet. Sie schreit immer und befolgt keine Regeln mehr. Ich weiss: Pubertät!! Aber die Agression ist kaum auszuhalten. Besonders in Bezug aufs iPhone tickt sie aus, wenn Schluss ist.... Sie meint, sie könne machen was und wie sie will! 


Antwort des KiddyCoachs:

 

Liebe Frau K.!

Danke für Ihre vertrauensvolle Anfrage!
 
Das von Ihnen beschriebne Verhaltensmuster hat sehr wahrscheinlich schon eine etwas längere „Vorgeschichte“.

Ihre Tochter ist sicherlich schon länger daran gewöhnt, dass die allermeisten Angelegenheiten  nach Ihrem Willen gehen! Aber wenn Kinder Ihre Bezugspersonen „anschreien“ ist das eigentlich keine grundsätzliche Aufsässigkeit, sondern meist nur ein Hilfeschrei: „Bitte, ihr Lieben, geht endlich anders mit mir um!“
 

Bitte hinterfragen Sie daher folgende eigene Verhaltensmuster:

  • Wenn Sie mit Ihrer Tochter interagieren, bzw. auf etwas mit Abwehr reagieren. Machen Sie sehr viele Worte?
  • In diesem Fall, bitte wortkarg reagieren!
  • Schimpfen Sie oft mir Ihrer Tochter?
  • Das erzeugt nur einen Gedanken im Kopf eines Teenagers: „Ich bin nie gut genug für euch!
  • Müssen wir bereits von massiver Verhaltenssucht ausgehen?
  • Dann sollte ein Therapeut und ein Landaufenthalt mit „Handyfreiheit“ zur Heilung in Betracht gezogen werden
  • Starten Sie bitte nicht sofort in den Diskussionsmodus, wenn Ihre Tochter „loslegt“
  • Reagieren Sie ruhig und am Besten Non-verbal! Das Stichwort heißt „de-eskalieren“:


Ganz allgemein; Reagieren Sie doch mal ganz unerwartet (Fachbegriff; Unexpectet Interaction) mit absoluter Ruhe, betonter Langsamkeit und o.a:  allem „non verbal“!
 
Danach achten Sie darauf, was passiert. Wenn Ihre Tochter jetzt ein klein wenig ruhiger wird – was ganz sicher irgendwann mal passiert – dann loben Sie diese Veränderung. (siehe: „POWER-Modell“)

Für weitere Fragen steht ihnen unsere SkypeBeratung zur Verfügung.   
Sie können sich gerne via Mail dafür anmelden, Sie werden dann verlässlich zurückgerufen!

 
Mit besten Grüssen 

Gerhard Spitzer
Verein KiddyCoach

www.kiddycoach.ch