Wenn Kinder nicht trocken werden
Dr. med. Jean-Claude Wetzel, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin sagt, weshalb Eltern nicht einfach warten sollen, bis «es von alleine verschwindet.»
Wenn Schulkinder in der Nacht das Bett nässen, wird das als Enuresis nocturna bezeichnet.
Was sind die Ursachen?
In etwa 80 Prozent der Fälle leiden Bettnässer unter einem Symptom, das vererbt werden kann, der primären, monosymptomatischen Enuresis nocturna. Diese Kinder waren nachts nie länger als sechs Monate trocken, haben am Tag aber keine Probleme. Häufig sind sie nur schwer aufweckbar. Es wird vermutet, dass die Blasenfunktion erst mit Verspätung ausreift. Eine weitere mögliche Störung ist ein Mangel des antidiuretischen Hormons Vasopressin (angekürzt ADH). Normalerweise wird bereits beim Kleinkind die Harnproduktion im Schlaf infolge einer Zunahme des nächtlichen ADH-Spiegels gesenkt. Das heisst: je mehr ADH, desto weniger Urin in der Blase. Bei bettnässenden Kindern ist die nächtliche ADH-Konzentration zu niedrig, so dass mehr Urin produziert wird, als die Blase fassen kann. Sobald die Blase voll ist, wird sie unkontrolliert entleert. Die restlichen 20 Prozent leiden unter der sekundären Enuresis, das heisst dem plötzlichen Wiederauftreten des Bettnässens nach einer langen «Trockenphase». Hier spielen psychische Ursachen eine wichtige Rolle.
Welche Therapieformen gibt es?
Heute gibt es die medikamentöse Behandlung, die in 60 bis 70 % der Fälle innert 4 bis 6 Monaten zur ersehnten nächtlichen Trockenheit führen kann. Das Medikament ersetzt das körpereigene Hormon ADH, das in ungenügender Menge ausgeschüttet wird.
Mit sogenannten «Weckapparaten» versucht man die Blasenkontrolle zu «trainieren». Der Weckapparat wird nachts angewendet. Er löst beim ersten Tropfen in der Hose einen Alarm aus, der das Kind aufweckt. Der Weckapparat übernimmt damit eine Funktion, die bei den meisten natürlich geschieht.
Die Komplementär-Medizin stellt auch Behandlungsformen wie Homöopathie und Akupunktur zur Verfügung. Leider sind hier keine genaueren statistischen Zahlen bekannt.
Wie kann Betroffenen und deren Familien geholfen werden?
Es braucht in der Bevölkerung mehr Verständnis für diese unglückliche Programmverzögerung der Natur im Körper der betroffenen Mitmenschen. Dies verlangt eine breite Aufklärung, das heisst, eine offene Diskussion. Nur so erhalten alle betroffenen Menschen Zugang zu den verschiedenen Therapieformen. Und nur so kann es einmal soweit kommen, dass Betroffene sich für ihr kleines Problem so wenig schämen müssen, wie beispielsweise Kinder, die eine Brille tragen müssen. Die meisten Therapieformen führen früher zu Trockenheit als ohne Behandlung und verkürzen so einen unnötigen Leidensweg. Sie beugen belastenden psychischen Verhaltensänderungen vor. Der Frust, seine Blase nicht kontrollieren zu können, ist unnötig! Die Therapieformen sollten jedem betroffenen Menschen über sechs Jahren zugänglich sein.
Was kann man gegen Bettnässen tun?
Genauso wie es verschiedene Formen von Bettnässen gibt, gibt es auch verschiedene Behandlungsmethoden. Welche Methode bei wem am sinnvollsten eingesetzt wird, kann nur ein Arzt entscheiden, nachdem er eine detaillierte Diagnose erstellt hat. Der erste Schritt zur Besserung ist deshalb ein Arztbesuch. Auf gar keinen Fall sollte man mit betroffenen Kindern schimpfen. Man sollte jedoch offen mit ihnen über das Problem reden, um zu verhindern, dass sich psychische Folgeschäden, wie zum Beispiel Versagensangst, einstellen.
Mehr Infos zum Thema: bettnaessen.ch
Verwandte Adressen
- Spielgruppe Leuehof, Katia Hanhart Piatti
- Spielgruppe Pongo, Christine Isenring5706 Boniswil
- Spielgruppe Chlötzli4704 Niederbipp
- Spielgruppe Chinderland, Agnes Banz 3400 Burgdorf
- Jugendmusikschule Winterthur und Umgebung8400 Winterthur
8253 Diessenhofen
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