Ohne Vorbild gehts nicht!

Eine Werteerziehung bedingt auch, dass sich Eltern von Zeit zu Zeit überlegen, welche Werte ihnen persönlich am meisten am Herzen liegen.
Vielleicht ist für die eine Mutter Toleranz und Friedfertigkeit am wichtigsten. Eine andere stellt Ehrlichkeit und Rücksichtsnahme über alles andere. Unsere längste und inbrünstigste Standpauke über richtiges und falsches Verhalten nützt aber rein gar nichts, wenn unser Kind merkt, dass wir selber nicht das einhalten, was wir von ihm verlangen. Und das merkt es unweigerlich, früher oder später. Für Inkonsequenz haben Kinder nämlich ein ausgeprägtes Sensorium und so durchschauen sie Ungereimtheiten relativ schnell. Wenn es nicht bei der Theorie bleiben soll, müssen wir im Alltag vorleben, was wir unserem Kind predigen. Das fängt schon im ganz Kleinen an. Im Klartext: Wir können beispielsweise nicht erwarten, dass unsere Kinder selbst treue, verlässliche Freunde sind, wenn sie zuhause hören, wie wir über unsere eigenen sogenannt guten Freundinnen und Freunde lästern. Wir können nicht erwarten, dass Kinder lernen, anderen Kindern etwas abzugeben und mit ihnen zu teilen, wenn sie merken, dass wir selber, egal ob beim Anstehen im Laden oder im Strassenverkehr, immer nur auf unseren eigenen Vorteil bedacht sind. Wir können nicht von ihnen erwarten, dass sie immer ehrlich sind, wenn wir uns von ihnen gleichzeitig am Telefon verleugnen lassen.

Wenn sie jedoch sehen, dass wir der kranken Nachbarin helfen; dass wir den Urgrossvater nicht vergessen haben und ihn besuchen gehen, obwohl er so weit weg wohnt; dass wir im Strassenverkehr auch mal anderen Teilnehmern den Vortritt lassen; dass wir uns auch in unangenehmen Situationen nicht in Notlügen flüchten, sondern zur Wahrheit stehen ? und wenn wir uns die Zeit nehmen und ihnen erklären, wieso wir das so tun und nicht anders, dann lernen sie von uns. Mit der Zeit brauchen wir immer weniger Worte darüber zu verlieren. Unsere Taten sprechen für uns.

Werte sind dazu da, um das Zusammenleben zwischen den Menschen zu regeln und besser zu gestalten. Letzten Endes sollen sie nicht als ein lästiges Korsett empfunden werden, sondern Kindern zu einer positiven, freundlichen Einstellung gegenüber dem Leben, ihren Mitmenschen und ihrer Umwelt verhelfen.

Quelle/Text: Nadia Fernandez