Europäische Langzeitstudie liefert neue Daten zu Alkoholkonsum, Körpergewicht und Taillenumfang
Verschiedene Studien haben bereits den Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum, dem Körpergewicht und der Körperfettverteilung untersucht. Die vorliegende Studie ist aber die erste, die das Langzeit-Trinkverhalten berücksichtigt.
Männer, die im Schnitt jahrelang viel Alkohol tranken, hatten in der vorliegenden Studie im Vergleich zu Männern, die durchschnittlich nur sehr wenig Alkohol konsumierten, einen um 1,1 cm grösseren Bauchumfang. Der Body-Mass-Index (BMI) lag bei Vieltrinkern durchschnittlich bei 28,3, während Wenigtrinker im Schnitt einen BMI von 27,3 aufwiesen. Bei einer 1,80 m grossen Person entspricht dies einem durchschnittlichen Gewichtsunterschied von mehr als drei Kilogramm.
Bei Frauen war der Unterschied im Bauchumfang sogar noch deutlicher ausgeprägt. Frauen, die über einen sehr langen Zeitraum mehr als zwei Gläser pro Tag tranken, hatten im Schnitt einen um ca. 1,5 cm grösseren Taillenumfang als Frauen, die nur sehr wenig oder gar keinen Alkohol konsumierten. Dagegen unterschied sich der durchschnittliche BMI von viel und sehr wenig trinkenden Frauen kaum. Dies weist darauf hin, dass ein hoher Alkoholkonsum besonders bei Frauen die Körperfettverteilung ungünstig beeinflusst, das heisst, die Ansammlung von Körperfett im Oberbauch begünstigt.
Dieses Ergebnis deckt sich zum Teil mit einer früheren Auswertung der Potsdamer EPIC-Studiendaten, die ebenfalls den Bierkonsum bei Männern mit einem durchschnittlich höheren Körpergewicht in Verbindung brachte. Neu an der jetzigen Auswertung auf europäischer Ebene ist die Erkenntnis, dass sich der Alkoholkonsum gerade bei Frauen auf den Bauchumfang auswirkt, während bei Männern sowohl das allgemeine Übergewicht als auch der Bauchumfang betroffen sind. "Trinken Frauen viel Alkohol, kann sich ihr Körperbild langfristig merklich verändern. Nimmt der Taillenumfang zu, steigt auch das Erkrankungsrisiko für Typ-2-Diabetes, bestimmte Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen", so Professor Heiner Boeing, Leiter der Potsdamer EPIC-Studie.
Kidy swissfamily: August/2011
Quelle/Text: Dr. Gisela Olias, Deutsches Institut für Ernährungsforschung, Potsdam-Rehbrücke © 1995-2011 Informationsdienst Wissenschaft e. V.
Hintergrundinformationen

EPIC
European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition. Die EPIC-Studie ist eine prospektive Studie, die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und anderen chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes untersucht. An der EPIC-Studie sind 23 administrative Zentren in zehn europäischen Ländern mit insgesamt 519.000 Studienteilnehmern im Erwachsenenalter beteiligt.
Die Potsdamer EPIC-Studie ist mit mehr als 27.000 Teilnehmern ein Teil der EPIC-Studie.
Ein grosser Bauchumfang spricht für eine grössere Menge Fett im Bauchraum, das so genannte viszerale Fett. Dieses ist besonders stoffwechselaktiv und produziert Botenstoffe, die Entzündungsprozesse im Körper begünstigen und damit das Risiko für bestimmte Krebs- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes erhöhen. Die Ergebnisse der vorliegenden Studie weisen darauf hin, dass Menschen, die viel Alkohol trinken, auch mehr Fett im Bauchraum einlagern als Menschen, die wenig Alkohol konsumieren, so dass sie hierdurch ihre Gesundheit zusätzlich gefährden könnten.
Body-Mass-Index (BMI)
Der BMI ist ein Richtwert zur Beurteilung des Körpergewichts. Er berechnet sich, indem man das Körpergewicht, gemessen in Kilogramm, durch das Quadrat der Körperlänge, gemessen in Metern, teilt.
BMI = Körpergewicht In Kilogramm : Körperlänge In Meter im Quadrat.




