Chatten? Aber sicher!

Immer mehr Kinder und Jugendliche loggen sich in Chatrooms ein und verbringen einen beträchtlichen Teil ihrer Freizeit beim Chatten. Ihre Eltern, die nicht mit dieser Technologie aufgewachsen sind, wissen oft nicht genau, was sie davon halten sollen.
Quelle Bild: Eric Isselee
Katja macht in ihrem Zimmer Hausaufgaben und das schon seit eineinhalb Stunden. Das wenigstens glaubt ihre Mutter. In Wirklichkeit chattet sie mit zwei Freundinnen. Die Hausaufgaben liegen als Ablenkmanöver offen auf dem Schreibtisch, falls die Mutter überraschenderweise ins Zimmer kommen sollte. Diese glaubt, dass Katja den eingeschalteten Computer zum Recherchieren für ihre Hausaufgaben braucht. Als die Mutter schliesslich der Wahrheit auf die Spur kommt, ärgert sie sich über den Vertrauensbruch und reagiert gleichzeitig mit Befremden auf das Verhalten ihrer Tochter. Eltern können oft nicht verstehen, weshalb ihre Kinder nach der Schule noch stundenlang mit ihren Schulfreunden chatten möchten, mit denen sie den halben Tag zusammen verbracht haben. Was gibt es denn da noch zu besprechen und wieso so lange?

Das Verhalten der Kinder mag die Erwachsenen nerven, aber die schier unersättliche Kontaktfreude ist für viele Kinder im Mittel- und Oberstufenalter typisch. Die heutige Elterngeneration hat dieses Bedürfnis in ihrer Jugend mit stundenlangen Telefongesprächen gestillt. Und wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass wir mit unserem damaligen Verhalten unsere eigenen Eltern oft zur Weissglut getrieben haben. Mit Telefonieren kennen wir uns aus. Aber beim Chatten sind viele Eltern unsicher: Was ist überhaupt ein Chatroom? Chattet das Kind wirklich mit seinen Freunden oder vielleicht mit Unbekannten? Ist es in der Lage zu erkennen, wenn es sich bei seinem Chat-Partner nicht um ein Kind, sondern um einen Erwachsenen handelt? Weiss es, dass es nicht gutgläubig Privates über sich und seine Familie preisgeben sollte? Solche und andere Fragen beschäftigen besorgte Eltern.
 
Ab ins Chat!
Chatrooms sind virtuelle Räume, in denen man sich per Tastatur in Echtzeit unterhalten kann (aus dem Englischen to chat = plaudern). Der Austausch geschieht meistens unter einem Decknamen. Wenn Sie selber keine Chatroom-Erfahrung haben, dann lassen Sie sich von Ihrem Kind zeigen, wie so ein Chat überhaupt funktioniert. Haben Sie keine Angst, die Technik ist nicht kompliziert. Manche Kinder vereinbaren mit ihren Freunden, dass sie sich zu einer bestimmten Zeit in einem bestimmten Chat einloggen werden, um sich dort zu «treffen». Andere loggen sich aufs Geratewohl ein und unterhalten sich mit den anderen Chatroom-Benutzern, die gerade online sind. In diesem Fall sind einige Regeln zu befolgen, wie der Elternratgeber von Bluewin empfiehlt: 
  • Am Anfang sollte das Kind nicht alleine chatten, sondern immer in Begleitung eines Elternteils oder älterer Geschwister.
  • Es sollte sich nur in Chatrooms einloggen, in denen Aufpasser, sogenannte Operators, arbeiten. Diese können zu Hilfe gezogen werden, wenn es zu Problemen oder Belästigungen kommen sollte.
  • Der Deckname ist eine Schutzvorrichtung. Er sollte keinen Hinweis auf den richtigen Namen und das Alter des Kindes geben.
  • Kinder sollten nur in Absprache mit ihren Eltern ihren richtigen Namen, ihre Adresse und ihre Telefonnummer einem anderen Chatroom-Benutzer preisgeben. 
Es ist wichtig, dass Sie Ihrem Kind klar machen, dass diese Regeln nicht Schikanen sein sollen, sondern zu seinem eigenen Schutz aufgestellt werden. Weisen Sie das Kind ohne Panikmache darauf hin, dass es Erwachsene gibt, die sich in Chatrooms als Kinder ausgeben, um Kinder sexuell auszunutzen.
 
Untauglicher Babysitter
Als Babysitter sind Chaträume noch weniger geeignet als Fernsehen und Games. Verantwortungsvolle Eltern sollten ihre Kinder nicht einfach vor dem Computer abstellen und sich darüber freuen, dass nun stundenlang Ruhe ist. Aus diesem Grund sollten Kin-der am besten keinen Computer in ihrem eigenen Zimmer haben. Vielmehr empfiehlt es sich, den Computer in einem für die ganze Familie zugänglichen Raum zu installieren. Manche Familien, in denen jedes Mitglied einen eigenen Computer hat, richten sich ein eigentliches Computerzimmer ein, in dem jede Person ihren eigenen Arbeitsplatz hat.
So wie in jeder Familie vorgängig Fernsehzeiten festgelegt werden sollten, so sollte auch die Zeit vor dem Computer genau festgelegt werden. Das Interesse der Kinder und Jugendlichen an den medialen Welten steigt mit zunehmendem Alter, deshalb sollten sich die erlaubten Computerzeiten den sich verändernden Bedürfnissen anpassen. Vor allem aber ist es wichtig, dass sich Eltern für die Chat-Kontakte ihrer Kinder genauso interessieren, wie sie es für deren reelle Freunde tun. Fragen Sie also nach, was mit diesem oder jenem Chat-Partner gerade läuft. 


Die folgende Adressen geben weitere Auskünfte über den sicheren Umgang im Internet und speziell in Chatrooms: 
 
security4kids.ch
Praktische Tipps nicht nur für Schülerinnen und Schüler, sondern auch für deren Eltern und für Lehrpersonen.
 
safersurfing.ch
Auf dieser Site können Kinder testen, ob sie wissen, wie man sich im Umgang mit Internet richtig verhält.
 
stopp-kinderpornografie.ch
Hier findet man Videos mit nachgestellten Chat-Situationen und Erklärungen über das richtige Verhalten. 

Quelle/Text: Nadia Fernandez


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