Umweltpädagogik: Selbstbewusste, starke Kids

Die UNO hat 2011 zum Internationalen Jahr des Waldes erklärt. Der Wald bietet neben Holz, dem Schutz vor Naturgefahren und Erholungs- und Freizeitmöglichkeiten auch einen idealen Lernraum für Kinder und Jugendliche. Wissen, die Bildung einer starken Persönlichkeit und der Sozialkompetenzen sind wesentliche Ziele der Umweltpädagogik.
Die Umweltpädagogik liefert einen emotionalen Zugang zur Natur und ist ein bleibendes, positives und nachhaltiges Erlebnis. (Bild: Archiv)
Generell stehen in der Umweltpädagogik Natur und Menschen gleichgewichtig im Mittelpunkt. "Es geht darum, dass der Mensch begreift, dass er Teil der Natur ist und nicht aussen vor steht. Dies am besten schon in jungen Jahren", so der Forstingenieur und Umweltpädagoge Markus Berns. So sind wir alle gleichermassen abhängig von der Natur und gestalten sie. Dies ist eine Erkenntnis, die schon für junge Kinder wichtig ist. Dabei ist die Natur auch etwas zum Anfassen, zum Erleben. Denn "nur was ich liebe und achte kann ich schützen und auch für mich nutzen", weiss der Forstingenieur. Konkret geht es bei den einzelnen Umweltpädagogischen Massnahmen auch darum, Ängste und Barrieren abzubauen. "Was ich nicht kenne, kann ich nicht verstehen. Ich habe also weder den Drang, es zu schützen, noch erkenne ich den Nutzen für mich selbst."  Zum einen sollen also die Akzeptanz gefördert, zum anderen naturnahe Nutzungsmöglichkeiten aufgezeigt werden.

Mehr als Wissen
Für die Kinder selbst geht eine Teilnahme an umweltpädagischen Veranstaltungen in der Regel weit über die Wissensvermittlung hinaus. Ebenso zentral ist der pädagogische Aspekt. Hier werden Fantasie und Kreativität angeregt und das Selbstbewusstsein gestärkt. "Im Wald ist das Spielmaterial nicht vorgefertigt", so der Umweltpädagoge. Wichtig ist das besondere Erlebnis, denn Umweltpädagogik ist nicht einfach nur ein Spaziergang durch den Wald. Hier werden der Gemeinschaftssinn und gegenseitiges Vertrauen geschult, denn in zahlreichen Spielen und Aktionen wird das Miteinander ganz gross geschrieben. Auch ist das Animieren zur eigenständigen Wissensaneignung zentraler Punkt, wie Berns erläutert. Es soll die Neugier geweckt und der Forschungsdrang angeregt werden. Ziel ist, dass sich die Kinder auch nach einer Aktion weiter selbständig mit dem Thema befassen.

Die soziale Komponente wird zwar oft als Nebeneffekt abgetan, doch spielt auch diese eine wichtige Rolle, betont Berns. "Mir ist sehr wichtig, dass die Kinder in Gruppen etwas erleben, dabei alle Sinne einsetzen und anregen. Probleme im Team zu lösen schult die Kommunikationsfähigkeit und so können zudem auf einfache Weise komplexe Zusammenhänge erklärt werden." Durch die Erfahrung in der Gruppe wird das Selbstbewusstsein gestärkt, "schliesslich wünschen wir uns alle starke Kinder, die auch Nein sagen können."

Dabei geschieht alles immer spielerisch und vor allem mit Spass. "Die Kinder merken eigentlich gar nicht, dass ihnen Aufgaben gestellt werden." Aus diesem Grund warnt der Umweltpädagoge auch davor, die Kinder immer komplett anzuleiten und ständig einzugreifen. "Wenn man es für nötig hält, sollte man versuchen, ihnen nur einen Stups in die richtige Richtung zu geben."

Voll in Bewegung
Einen zunehmenden Stellenwert nimmt auch die Förderung der motorischen Fähigkeiten ein. Der natürliche Bewegungsdrang der Kinder wird in der modernen Gesellschaft immer weniger befriedigt und gefördert. Es entstehen Defizite in der Motorik, denen es entgegenzuwirken gilt. "Auch hier versuchen wir in der Planung und Durchführung unserer Aktionen gezielt Elemente einzubauen, die dazu anregen, dass die Kinder ihre eigenen körperlichen Grenzen erfahren und ein Raumgefühl entwickeln können."

Die Massnahmen sollten in der Natur immer so stattfinden, dass diese selbst möglichst wenig gestört oder gar geschädigt wird. Es ist wichtig, eine Vernetzung der Umweltbewusstseinsbildung innerhalb und ausserhalb von institutionellen Einrichtungen, also von Kindergarten, Schule und der Familie, vorzunehmen. "Die Kinder bringen auch ihren Eltern viel bei, nachdem sie an einer umweltpädagogischen Aktion teilgenommen haben", weiss er aus Erfahrung.

Mehr zum Nutzen umweltpädagogischer Massnahmen auf: www.silva-viridis.de

Quelle/Text: Nadine Rydzyk


Verwandte Artikel